Adios Mexico

In Merida blieben wir dann noch etwas länger, da es uns mit jedem Tag besser gefiel. Zudem hatten wir gutes Internet beim Hostel, bei welchem wir unseren Baluu parkten und dort campen durften. So konnten wir noch einiges organisieren. Wir- eigentlich ist da Luki gemeint. Denn wenn es ums Planen und erledigen von Papierkram geht wie z.B. Visums, Buchungen oder Versicherungen, dann übernimmt er das. Nicht, dass ich zu faul wäre aber bei ihm klappt dann meistens alles auf Anhieb, wobei es bei mir schön öfter Komplikationen gab. Und da wir uns doppelte Arbeit ersparen wollen, hat sich das eben so ergeben.

So organisierte Lukas die Verschiffung unseres VW Buses Anfang Dezember, von Panama nach Kolumbien - es gibt nämlich keine Verbindungsstrasse zwischen diesen beiden Ländern - und noch einiges mehr.

 

Der erste Stopp nach Merida, war in einem kleinen, unscheinbaren Dorf namens Holcá. Dort besuchten wir die Cenote „Chiuan“.

Auf der Halbinsel Yucatan gibt es über 6000 Cenoten! Eine Cenote ist ein mit Süßwasser gefülltes dolinenartiges Kalksteinloch, das durch den Einsturz einer Höhlendecke entstanden ist. Sie unterscheiden sich in grösse und Form. So sind einige gedeckt, also liegen immer noch in einer Höhle, andere sind halb gedeckt und dann gibt es offen gelegene.

Die „Chiuan“ Cenote liegt unterirdisch. Wir genossen das kalte Wasser in der spärrlich beleuchteten Höhle ganz für uns allein! :)

Weiter östlich befindet sich Chichén Itzá, eines der Weltwunder der neuen Ära! In dieser einstigen Mayastädte befindet sich die berühmte Pyramide „El Castillo“, ein Observatorium und einer der grössten, je entdeckten Ballspielplätze. Die Majastadt, welche über 1500 Hektaren gross war, hatte ihre Blütezeit um das Jahr 750n. Ch. Bis heute wurden nur ein paar wenige Ruinen rekonstruiert. Wie bei vielen Städten dieser Art, werden meistens die grössten und eindrucksvollsten Bauten wiederhergestellt, bei den kleineren Gebäuden macht der Wiederaufbau wohl wenig Sinn, beziehungsweise fehlen wahrscheinlich auch die finanziellen Mittel.

Auch bei diesem Besuch waren wir noch vor der Türöffnung vor Ort und stellten uns als zweites in die Warteschlange für die Tickets. Auf dem Gelände lernten wir ein Schweizer Pärchen kennen, welches für 4 Wochen in Mexico in den Ferien ist. Nach 4h hin und her spazieren durch die Ausgrabungsstädte, machten wir uns auf den Heimweg. Chichén Itzá bietet viel Sehenswertes. Für unseren Geschmack ist es hier aber ein wenig zu touristisch. Beim Erkunden der Anlage läuft man zum Beispiel immer wieder durch regelrechte Verkaufsstrassen wo Verkäufer ihre Souvenirs (die zu einer grossen Mehrheit aus chinesischen Fabriken stammen), an den Mann bringen wollen. Aus unserer Sicht gibt es definitiv Ruinen in Mexiko, die sehenswerter sind als die berühmten Ruinen hier in Chichén Itzá. 

Am Nachmittag besuchten wir eine weitere Cenote die den Namen „Oxman“ (ausgesprochen „Oschman“) trägt. Empfohlen wurde uns diese von unseren chinesischen Freunden, die wir das erste Mal in Palenque getroffen haben. Es ist nämlich nicht ganz einfach, bei der riesigen Auswahl an Cenoten, sich für eine zu entscheiden. Oxman war aber echt schön, nicht zu teuer und nicht zu touristisch.

Während dem plantschen bemerkte Luki plötzlich einen Gegenstand in seiner Badehose: Unsere Autoschlüssel! Gott sei Dank haben wir sie nicht verloren in diesem tiefen Wasserloch...

 

In Valladolid übernachteten wir bei einem Hostel, das Bienen schützt und Honig verkauft. Als wir von diesem erfuhren, waren wir natürlich sofort Feuer und Flamme! (Für die, die es nicht wissen: Wir hatten selber ein Bienenvolk in der Schweiz und wollen wenn wir zurück sind, den Imkerkurs absolvieren und wieder Bienen halten.)Es liegt schön gelegen in einem Wald, nur wenig ausserhalb der Stadt. Diese kann gut zu Fuss erkundet werden.

Wenn man im Hostel übernachtet, ist eine geführte Bienentour inklusive. Am darauffolgenden Tag liessen wir uns von Felipe, unserem Guide, durch den Jungle führen und lernten einiges über die lokalen Bienen. Felipe spricht recht gut Englisch und natürlich Spanisch. So war die Tour dann auf „Spenglisch“. :)

Interessant ist, dass die einheimischen Bienen keinen Stachel besitzen. Ihr Bau befindet sich im Boden oder in einem Holzstrunk, je nach Bienenart. Es gibt mehrere Arten von „Meliponas“ (Bienenart ohne Stachel), die Honig produzieren. Die Bienen sind aber viel kleiner und sehen aus wie Fliegen! Nur an den „Höschen“, den Pollensäckchen an den Beinen, erkennt man dass es Bienen sind. Beim späteren Honigtasting schmeckten wir, wie süss dieser Honig ist! Da die Bienen kleiner sind, produzieren sie auch weniger Honig. Somit ist dieser deutlich teurer! Das Hostel hat aber auch europäische Bienen und erntet diesen Honig. So einen gönnten wir uns dann auch. :)

Wir haben noch nie zuvor etwas über diese Bienenart gehört. Für die LeserInnen die mehr darüber erfahren wollen hier nochmals einen Link von Wikipedia über die Bienen: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Melipona

Cancun, das Hauptferienziel der meisten Touristen, liessen wir aus. Laut Reiseführer, hören/sagen und Google Bilder, befindet sich hier ein Hotel am anderen und die Strassen sind voll von Verkaufsständen und Bars . Also nicht so unser Ding. :) Zudem ist dieses Jahr das karibische Meer, über hunderte Kilometer weit, mit Seegras verschmutzt. Wir machen also einen grossen Bogen um die Stadt und überlassen diese den Pauschaltouristen.

 

So fuhren wir von Valladolid direkt Richtung Tulum, in den für uns letzten Bundesstaat in Mexiko, Quintana Roo. Auf dem Weg legten wir einen Zwischenstopp bei den Ruinen von Coba ein. Die Ausgrabungsstädte wird nicht wegen ihrer Schönheit in unserer Erinnerung bleiben, sondern wegen folgendem Erlebnis:

Die eine restaurierte Pyramide, darf bestiegen werden. Die Treppenstufen sind steil und in unregelmässigen Abständen angelegt. Mein Ziel war es, die Stufen bis nach oben ohne Pause zu meistern. So stiegen wir zusammen mit vielen anderen Besuchern die Pyramide hoch. Gegen Ende musste ich ganz schön schnaufen. Oben angekommen, brauchte ich dann erst einmal eine Pause. Beim wunderschönen Ausblick über den Dschungel, kam ich allmählich wieder zu Luft. Plötzlich sprangen die Menschen links von mir zur Seite und nur knapp 1 Meter von mir entfernt, sah ich sie sofort, die Tarantel!  :O Und schon war meine zurückgewonnene Luft wieder verflogen. Ich mag Spinnen nämlich gar nicht! Den Abstieg der Pyramide bewältigte ich dann mit Beinen wie aus Gummi...

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456 Topes, 3 Strassenblockaden und wunderschöne Ruinen

Die drei Tage in San Cristobal waren schnell vorbei mit spazieren, die Stadt erkunden, Kirchen besichtigen, Märkte besuchen, Wäsche erledigen und dem geniessen des angenehm kühlen Klimas. 


Weiter ging es nordöstlich, Richtung Palenque. Von unserem Reiseapp, iOverlander wussten wir, dass die direkte Strasse von San Cristobal nach Palenque teilweise von Einheimischen gesperrt wird. Darum informierten wir uns bei einer Militärstation zuerst über die Strassenverhältnisse. Uns wurde versichert, dass momentan alles in Ordnung sei und wir ohne Probleme fahren können. Sehr gut, dachten wir denn andererseits hätten wir je nach dem über 360km Umweg fahren müssen.

In einem Reiseblogg von anderen Travelers lesen wir ein paar Wochen zuvor, dass es auf dieser 220km langen Strasse, besonders viele „Topes“, die bekannten Strassenunebenheiten, geben soll. So nahm ich einen Zettel und Stift und beschäftigte mich neben dem bestaunen der Landschaft, mit „meiner Strichliliste“. :)

Die kurvigen Strassen führen durch wunderschöne Berggegenden auf rund 2000 M.ü.M. Auch hier treffen wir auf Ureinwohner, mit ihren schönen Trachten! Die Männer teilweise schwer beladen mit gesammeltem Holz, Frauen mit Ihren Kleinkinder in Tragtücher, weiter Kinder an der Hand. 


Nach knapp 2h fahren, treffen wir plötzlich auf Stau. Schnell merken wir, dass etwas geschehen sein musste und fahren ganz frech an den am Rand geparkten Autos vorbei. Etwa 20 Meter vor der durch Steine gesperrten Strasse fahren auch wir an den Strassenrand und warten.  „Que paso?“, fragen wir und erhalten keine wirklich ausführliche Antwort (=Was ist passiert?). Nach guten 45min tut sich was und wir können fahren- natürlich nicht gratis, schliesslich haben sie die Steine weggeräumt und wir bezahlen 50Pesos. Umgerechnet 2.80Sfr. Wir erhalten ein spanisches Flugblatt mit Informationen über die Demonstrationen.


Mit meiner Strichlisliste bin ich bis dahin bereits bei über 100...!


Eine weitere Strassensperre, diesmal bestehend aus einem Nagelbrett, erwartet uns eine Stunde später. Viele Leute befinden sich links und rechts am Strassenrand mit Schlagstöcken und Macheten. Es lächeln aber alle und reden freundlich mit uns. Auch hier müssen wir 50 Pesos bezahlen und dürfen dann sofort passieren. Auf diesem A4 Papier können wir unter anderem die Wörter „democracia“ und „presidente“ entschlüsseln, was unsere Vermutung über politische Angelegenheiten, bestätigt. 


Gegen 13:30Uhr treffen wir auf die 3. Strassensperre. Hier steht ein Polizeiauto quer über der Strasse und „Polizisten“ mit selbst gedruckten T-shirts und Gummiknüppeln sitzen wichtig tuend darauf herum, auch hier liegen Nagelbretter am Boden (Die „Policia Rural“ ist eine selbsternannte, eigenständige Polizei hier im Hochland Chiapas. Von der richtigen Polizei halten sie hier nicht so viel). Die Jungs sind bestimmt alle zwischen 18 bis max. 25 Jahre alt und fühlen sich hier in der Gruppe so richtig gross!

Wir warten und warten... Nach einer Stunde laufe ich auf sie zu und Frage auch hier was denn los sei. Zuerst werde ich ausgepfiffen und als „reicher Gringo“ beschimpft. Für uns werde es 100 Dollar kosten wenn wir passieren wollen, nicht wie auf einem Kartonstück angeschrieben, 100 Pesos. Ich stelle klar, dass ich nicht aus den Staaten komme und wir keine Dollarwährung in der Schweiz haben. Wie ein umgedrehter Schalter werden sie auf einmal sehr freundlich, machen Komplimente und schwatzen ein wenig...

Die Sperre zu Fuss zu umgehen ist erlaubt, so viel wir mitbekommen haben auch gratis. So sahen wir dutzende Menschen auf der einen Seite aus dem Bus zu steigen um auf der anderen Seite der Sperre wieder ein Bus oder ein Taxi zu nehmen. Natürlich müssen sie alles nochmals bezahlen. Langsam glauben wir, dass die Taxifahrer ebenfalls involviert sind in dieses ganze Theater - eine kleine Mafia eben! 

Mit der Zeit kommen wir ein wenig ins Gespräch mit einem mexikanischen Paar aus Guadalajara, dass 8 Tage Ferien macht. Sie hatten bereits gestern nicht passieren können und nervten sich fürchterlich über die Sperre. Was wir auch verstehen, denn wenn man nur eine begrenzte Zeit für Ferien hat und einen ganzen Tag verliert, ist das schon nicht schön. Der junge Mann spricht etwas englisch und erklärt uns, dass die Einheimischen sich von der Regierung nicht gerecht behandelt fühlen und mehr Rechte wollen. Viele leben in grosser Armut, habe keine bis eine geringe Schulbildung, leiden unter den Importen vom Ausland und unter Rassismus. 

Auf eine gewisse Weise verstehen wir das ja, aber Strassensperren ist bestimmt nicht der Richtige Weg, um diese Ziele zu erreichen! 

Erst nach mehr als vier Stunden warten in der Hitze, konnten wir weiter fahren. Diesmal mussten wir sogar 100pesos bezahlen. Für was sie das Geld denn brauchen werden, fragen wir und erhalten ein schelmisches Grinsen zurück. Ich frage: für Bier?, und erhalte prompt eine Bejahungen darauf! Schade, dass sie das Geld nicht wenigstens für etwas gescheites gebrauchen.


Da es nun schon bald eindunkeln wird, mussten wir uns auch nicht mehr entscheiden ob wir noch bis Palenque fahren werden. Es war zu weit. So machten wir einen Zwischenstopp in Aqua Azul.

Die dortigen Wasserfälle sind sehr schön, umgeben vom Dschungel. Wir liefen am Morgen Flussaufwärts und wissen schnell was andere Reisende gemeint haben mit: „es gibt überall Verkäufer, die dir ihre Ware verkaufen wollen!“. Einen Verkaufsstand nach dem anderen treffen wir auf unserem Spaziergang an.

Da es am Tag zuvor geregnet hatte, war das Wasser nicht ganz so blau wie auf den Werbefotos. :) Trotzdem sah es sehr schön aus auch wenn man den Grund nicht sah. Als es wärmer wurde und wir einheimische Kinder beim Plantschen sahen, verflogen die letzten Zweifel ob wir uns ins Wasser wagen sollteb oder nicht. Es war herrlich kalt! Bald gesellen sich mehr Leute zu uns und ein Bademeister taucht auf. 

Auf dem Weg zurück zu Baluu, gönnen wir uns frisch zubereitete Empanadas (mit Fleisch, Käse oder Gemüse gefüllte Teigtaschen) an einem der Stände. Mmhh! 


Weiter ging es auf der berüchtigten Strasse 199. Wir treffen nochmals auf zwei harmlose Blockaden: gespannte Schnüre durch Frauen und Kinder die uns Nüsse, frittierte Bananen und Obst verkaufen wollen. Einer älteren Frau bezahlten wir 10 Pesos für frittierte Bananen (obwohl wir auch durch gekommen wären ohne etwas zu kaufen) und mit drei kleinen Mädchen machten wir eine Art Tauschgeschäft. Da wir nicht mehr genug Münz hatten und sie uns Orangen verkaufen wollten, tauschten wir eine Orange gegen ein paar frittierte Bananen die sie sofort gierig verschlangen und gaben ihnen das restliche Kleingeld...


Danach kamen wir ohne Zwischenfälle sicher in Palenque an. 

Ich zählte bis zur Stadt 456 Topes. Ein Strich gabs jedesmal wenn wir aufgrund der künstlich erschaffenen Strassenunebenheit abbremsen mussten.


Am nächsten Tag „feiern“ wir unseren 4. Hochzeitstag in Palenque und besuchen die gleichnamigen Maya Ruinen. Um 7:30Uhr spazieren wir los, damit wir als erstes zu den Ruinen können bevor der grosse Besucherandrang kommt. Auf dem kurzen Spaziergang dorthin, sehen wir zum ersten Mal Brüllaffen. Diese haben wir nun schon mehrmals gehört, gesehen aber noch nie. 

Die Pyramiden und Bauten mitten im Dachungel beeindrucken uns einmal mehr! Nach einigen Kilometern Fussmarsch durch das Areal und viiiiiielen Fotos, besuchen wir ein kleines Museum wo über die früheren Bewohner der Städte, Informiert wird. Bis heute sind nach wie vor viele Fragen unbeantwortet.

Am Abend geniessen wir dann noch ein feines Essen im Restaurant auf dem Campingplatz „Maya Bell“.


Am folgenden Tag ist wieder Tanken angesagt. Wir bezahlen umgerechnet 1.15Sfr. pro Liter (dies als kleiner Einschub für die, die es Wunder nimmt. Die Preise variieren in ganz Mexiko kaum). In Mexiko fährt man an die Tankstelle und sagt, wieviel getankt werden soll. Selbständig darf man hier nichts machen. Wie immer sagen wir, „Queremos illenar por favor“ was volltanken bedeutet. Beim losfahren meint Luki, der Mexikaner habe unseren Tank so sehr gefüllt, dass der Benzinanzeiger gar nicht mehr zu sehen ist! Wir fahren weiter, aber schon bald nehmen wir ein stottern unseres Baluus wahr. Als dann kurz darauf eine Zahlstelle kommt, würgt der Motor mitten auf der Strasse ab! Wir können auch nicht mehr starten. Ojee was nun? Mir kam die Befürchtung, dass sie uns falsches Benzin bzw. Diesel getankt haben. Luki jedoch schickt mich hinaus mit der Anweisung, ich solle den Tank aufmachen und Luft reinlassen. Gesagt getan. Ein lautes Gurgeln ertönt und Baluu kommt mühsam wieder zum laufen. Das Problem ist nun diagnostiziert: Zu viel Benzin Benzin im Tank! Also fahren wir bei der nächsten Gelegenheit auf einen Platz, nehmen unseren Benzinkanister vom Dach und stecken einen Schlauch in unseren vollen Tank, sofort löuft etwas Benzin heraus, stoppt dann aber. Luki erklärt mir, dass er nun ansaugen werde. Mir ist nicht wohl dabei aber ich habe auch keine andere Idee. Und natürlich passiert das Unglück und Luki erwischt ein Mund voll Benzin! Ich geriet fast in Panik, hole schnell Wasser damit er sich den Mund spülen kann. Zwischenzeitlich fliesst Literweise Benzin in unser Ersatzkanister. Als dieser fast zur Hälfte gefüllt war, unterbrechen wir das Ganze und setzen unsere Reise fort - mit immer noch fast vollem Tank! 

Luki hat Gott sei Dank kein Schaden davon getragen (ich (Luki) würde sogar sagen eine gratis Intensivzahnreinigung bekommen zu haben und einen Schaden hab ich eh schon, sonst wären wir nicht hier :) ) . Zudem wissen wir nun, dass es auch noch andere, ungefährliche Möglichkeiten gibt...


Weiter nordöstlich auf der „Ruta de los Piratas“, liegt Campeche. Seit 1999 gehört die Stadt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Laut unserem Reiseführer gibt es dort nicht viel zu sehen. Die Kolonialstadt bietet jedoch eine schöne Strandpromenade, Palmen gesäumte Strassen, Festungen aus dem 17. Jahrhundert (vielleicht wegen den Piraten!?) und nebst einigen imposanten Kirchen auch schöne, farbige Gassen.   

Wir genossen dort einen guten Kaffe und schlenderten zwischen den Häuser herum, bevor wir uns auf zum nächsten Übernachtungsplatz machen.


Vor dem Tor zu den Ruinen von Edzna übernachten wir, damit wir am nächsten Tag als eine der Ersten auf Besichtigungstour gehen können. Unser Plan ging auf, wir rechneten jedoch nicht mit so vielen Mücken! Trotz Mückenspray, Mückencreme und langen Hosen greifen uns die fiesen Tiere an. Stehenbleiben geht nicht und die grossen Wiesenflächen auf dem Gelände, die noch mit Morgendunst überzogen sind, wirken zusätzlich als Mückenmagnet. So flüchten wir wild um uns schlagend auf die Ruinen wo im laufe der immer wärmer werdenden Sonne, die Plage ein wenig abnimmt. Einheimische kommen auf uns zu und fragen nach Mückenspray den wir in den Hosentaschen herumtragen. Natürlich geben wir gerne, leider hilft dieser nur begrenzt. Schon bald machen wir uns auf den Rückweg zum Auto und wollen nur noch weg von den Mücken...! 


An diesem Tag besuchen wir noch eine weitere Ausgrabungsstädte in Kabah. Was für ein Meisterwerk, dass die Mayas da erschaffen haben! So viele schöne Details an Gebäuden von Blumen über Kreuzchen, Zickzack, Inschriften aber auch etwas komische Figuren. Es ist einerseits wahnsinnig schön anzuschauen, jedoch auch speziell da man weiss, dass diese Fratzen oft ihre Göttzenbilder waren. Okkulte Rituale wurden oft praktiziert, die bis umhin zu Tier- und Menschenopfern reichten.


Nicht Mal 20km von Kabah befindet sich  Uxmal. Diese beiden Orte waren mit einer Pflasterstrasse  miteinander verbunden.

Uxmal war einer der grössten und wichtigsten Städte zu Beginn der ersten Jahrhundert nach Christus. Ihre Blütezeit wird auf das Jahr 700 n.Ch. geschätzt. Die dortigen Pyramiden und Gebäude wurden im Verlaufe verschiedener Herrscher, immer wieder umgebaut und vergrössert. Auch hier konnten viele Details und Verzierungen an den Gebäuden rekonstruiert werden. 

Heute ist ein kleiner Teil des einstmals 10 Quadratkilometer grossen Gebietes für Touristen zugänglich. Viele nicht ausgegrabene Gebäude werden nach wie vor von dichtem Urwald bedeckt. 

Wer sich für einzelne Gebäude von Uxmal interessiert, findet auf folgendem Link unter „Bauformen in Uxmal“ eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Komplexe: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Uxmal 

Auch hier übernachteten wir direkt vor dem Eingang und hatten das Privileg, die Ruinen vor dem grossen Andrang an Touristen zu besichtigen.


Mérida ist eine Grossstadt, eine gute Stunde Nordöstlich von Uxmal. Hier verbrachten wir die vergangenen zwei Nächte im Hinterhof eines Hostels. Zu Fuss erkunden wir die Stadt, welche uns aber nicht so ganz überzeugt. Zwei, drei schön restaurierte Gassen in verschiedenen Pastellfarben und einzelne schöne Gebäude entzücken uns, doch der viele Verkehr, verschmutzte Strassen und die oft heruntergekommenen Gebäude, lassen das Hochgefühl das wir nun von anderen Städten kennen, aus. 

Was wir uns aber auch hier nicht entgehen lassen wollten, war der Markt. Wir lieben die frischen Früchte und Gemüse die es zu kaufen gibt und der Einblick in das bunte Treiben der Einheimischen. Für 90 Pesos (4.80Sfr.) kaufen wir 3 Bund Radieschen, eine yucatetische Riesenavocado, 2 Limetten, eine grosse Zwiebel, 2 Drachenfrüchte, 10 Bananen, 7 Tomaten und einen Bund frischen Koriander ein!! 

Im Hostel lernen wir Oscar kennen, der uns am Abend mit „auf den Tanz“ nimmt. Er ist Mexikaner und versichert uns, dass wir in dieser Stadt keine bedenken haben müssen um die Sicherheit. Denn normalerweise befolgen wir den Rat, nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf die Strassen zu gehen.

Viele Gebäude sind beleuchtet, es geht nicht mehr so hektisch zu und her und der Verkehr hat sich deutlich gelegt. Auf dem „Parque de Santiago“ treffen wir dann auf Livemusik und viele ältere (sogar sehr alte) Paare die Tanzen als wären sie erst 20! :) Es war so rührend, sie konnten kaum mehr stehen und laufen aber manche Tanzten, dass man nur schon vom zuschauen ins schwitzen kam, während andere eng umschlungen im Takt mit wippten! Die Zeit verflog rasch und als das letzte Lied gespielt war, ging es keine 5 Minuten und der Platz war leer. Lastwagen fahren heran und beginnen mit aufräumen der Stühle, die jeden Dienstag Abend aufgestellt werden für die Zuschauer und Verschnaufpausen zwischen den Tänzen. Es war ein wunderbarer Abend und einmal mehr fallen wir müde aber von Herzen dankbar ins Bett, über all das Gute und Schöne was wir erleben dürfen!


Auch die kommenden Bloggs werden von den Spuren der Mayas handeln, wir werden Cenoten besuchen und hoffentlich einen weiteren Einblick in die wunderbare Tier- und Pflanzenwelt von Mexiko erhalten.

 


Passstrasse 199 und Agua Azul
An unserem Hochzeitstag besuchten wir die Ausgrabungsstädte von Palenque und sahen Brüllaffen
Kolonialstadt Campeche
Ruinen von Edzna mit viiiielen Mücken
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Von Teotihuacan bis San Cristobal - Ruinen und Schildkröten

Etwa 40 Kilometer nordöstich von Mexiko Stadt befinden sich die Ruinen von Teotihuacan. Im riesigen Ausgrabungsareal steht, unter vielen anderen eindrücklichen Bauwerken, auch die drittgrösste Pyramide der Welt! Dies war natürlich Grund genug für uns, dieser Anlage einen Besuch abzustatten! Wir erreichten die Ortschaft San Martin de las Piramides am Nachmittag und nisteten uns auf einem gemütlichem „Campingplatz (gemähte Wiese mit Bäumen)“einer netten mexikanischen Familie ein. An Orten wie diesem zu Übernachten, mögen wir sehr! So kommt man immer wieder ein wenig in Kontakt mit der lokalen Bevölkerung. Kaum parkiert, durften wir eine für uns neue Frucht, eine Tuna probieren. Schon auf dem Weg hierhin sind uns die grossen Kaktusfelder immer wieder ins Auge gestochen, jetzt wussten wir auch wieso hier so viele Ohrenkaktusse anzutreffen sind. Tunas sind nämlich die Früchte dieser Pflanzen. Sind die Früchte erst einmal vom Kaktus gepflückt, müssen die Stacheln entfernt werden, bevor dann die Schale aufgeschnitten und die Frucht gegessen werden kann. Uns schmeckte es sehr und so kaufte Reitschel der Familie kurzerhand ein paar weitere Früchte ab und backte daraus Muffins, welche sie später dann an die Familienmitglieder verteilte. 
Tuna - Frucht des Ohrenkaktus
Am nächsten Morgen standen wir um 07:00 auf, assen unser Morgenessen und spazierten dann zum nahegelegenen Eingang der Ausgrabungsstätte. Einmal mehr durften wir merken, dass sich früh aufstehen lohnt! Wir waren, abgesehen von einem symaptischem Zeitgenossen aus Japan, mit dem wir ein wenig umherliefen und plauderten, nämlich fast die einzigen Leute auf dem ganzen Areal. So bestiegen wir die Sonnenpyramide ohne in einer mühsamen Schlange anstehen zu müssen. Auf der Spitze bot sich uns eine fantastischer Ausblick über die Anlage! Zudem war der ganze Himmel mit Heissluftballonen übersät, was das ganze fast ein wenig kitschig erscheinen liess! In den nächsten Stunden schauten wir uns die anderen Bauwerke an und merkten wie der Besucherstrom zunahm. Gegen die Mittagszeit, als wir uns Richtung Ausgang aufmachten war die Anlage dann voll mit Besuchern aus aller Welt und wir dachten mit einem Lächeln auf dem Gesicht, an die einsamen Morgenstunden zurück.

 Für die Geschichtinteressierten unserer Leserschaft hier noch ein paar Fakten zu Teotihuacan: Berühmt ist die Anlage vor allem wegen den zwei grossen Pyramiden, der Piramide del Sol (Sonnenpyramide) und der Piramide de la Luna (Mondpyramide). Die Stadt, welche vor hunderten Jahren um die Pyramiden angelegt wurde, war die Hauptstadt des Königreiches welches hier vor der spanischen Invasion blühte. Wirtschaftliche Gründe und Änderungen im sozialen System führten wohl zu einem Kolaps um das 8te Jahrhundert. Jahrhunderte nach dem Kolaps wurde die Städte zu einem Pilgerort der Azteken, die glaubten alle Götter hätten sich hier geopfert um die Sonne zum Beginn der fünften Welt in Bewegung zu setzen. Bis heute sind die Pyramiden eine berühmte Pilgerstätte für New Age Anhänger, die sich jedes Jahr hier treffen. 

Beeindruckt von der grösse der Pyramiden setzten wir unsere Reise dann Richtung Osten fort. Schon am nächsten Tag waren wir wieder beim spazieren zwischen Ruinen anzutreffen. Bei den Ruinen von Tajin verbrachten wir einige Stunden. Diese sind zwar um einiges kleiner als die Pyramiden in Teotihuacan, für unseren Geschmack aber um einiges schöner und detailierter. An allen Ecken sind hier schöne Verzierungen an den Gebäuden angebracht und interessante, in Stein gemeiselte Bilder prägen die Seitenwände der Ballspielplätze. Auch zwei bekannte Gesichter erscheinen plötzlich zwischen den Ruinen, Fredi und Jaqueline haben es auch hier hin geschaft. 
Am Nachmitag besuchen wir dann noch die nahe gelegene Stadt Papantla. Auf dem Platz vor der Kirche sollen hier die berühmten Voladores anzutreffen sein. Wagemutige Männer, die sich angemacht an einem Seil von einer etwa 30 Meter hohen Plattform stürzen und dann 13 Umdrehungen später am Boden ankommen. Ein Weltkulturerbe! Leider verpassen wir gerade eine Vorstellung und werden beim Nachfragen darauf hingewisen, dass in einer Stunde wieder eine Aufführung zu sehen sein. Wir plaudern ein wenig mit Fredi und Jaqueline, welche auch hier sind, statten dem nahe gelegen Markt einen Besuch ab, schauen bei einer Hochzeit in der Kirche zu und warten zwei Stunden später immer noch bis sich etwas tut. Fredi spricht dann die Akrobaten, welche gemütlich unter einem Baum im Schatten liegen an und fragt sie, wann es jetzt losgehe!? Es seien nicht genügend Leute hier, es lohne sich nicht die Aufführung durchzuführen, bekommt er als Antwort. Nach ein paar Minuten Diskussion, zückt Fredi dann eine 500 Pesos Note aus der Hosentasche (25 Franken) und die Akrobaten erheben sich wie von einer Biene gestochen! Wir haben noch nie Mexikaner gesehen, die sich so schnell bewegt haben! Fünf Minuten später ist alles bereit und wir dürfen dem Ritual dann doch noch zusehen! Es macht Spass dem Ganzen zuzusehen und wir dürfen tolle Fotos schiessen, einen faden Beigeschmack hat das ganze Erlebniss für uns aber doch! Schade, dass die Akrobaten hier nicht mit Herzblut zu ihrer Kultur und den Ritualen ihrer Vorfahren am Werk sind, sondern nur aufs Geld aus sind! Weltkulturerbe….für uns nach diesem Erlebniss fraglich! 

Die nächsten Tage verbringen wir auf dem Camping Coco Loco am Golf von Mexiko. Eigentümer hier ist der Schweizer Martin. Ein sehr, fröhlicher, aufgestellter Mensch der viel zu erzählen hat! Zusammen mit den Rupps die einen Tag später als wir auch hier eintreffen, lachen wir viel, tauschen Geschichten aus, und reden über Gott und die Welt. Natürlich dürfen auch gemütliche Stunden in der Hängematte, ein Glas Bier oder eine gute Pizza aus Martins Restaurant nicht fehlen! Es tut gut, nach doch ein paar ereignissvollen Tagen hintereinander wieder ein wenig zu relaxen. Martin ist übrigens leidenschaftlicher Schildkrotenschützer! Schildkröteneier gelten bei vielen Mexikanern als Potenzmittel und wurden in der Vergangenheit deshalb sehr viel illegal verspeisst. Auch heute gibt es auf dem Schwarzmarkt / oder unter dem Tisch noch Schildkröteneier zu kaufen. Die Lage hat sich aber erheblich verbessert und die Tiere werden vermehrt geschützt. Auf zwei nächtlichen Touren sind wir dann mit Martin am Strand unterwegs und dürfen dabei den Riesenschildkröten beim ablegen der Eier in den Sanddünen zuschauen. Ein für uns unvergessliches Erlebniss, diese gigantischen Tiere zu beobachten! 
Die grossen Tiere legen etwa 100-200 Eier in den Sand. Hierzu steigen sie vom Meer in die Sanddünen hinauf und hinterlassen dabei eine Spur wie ein Traktor! Mit den Hinterflossen gräbt das Tier dann ein Loch, welches bis zu einem Meter tief sein kann und legt die Eier darin ab (Martin erzählt uns, dass das Graben mehr als eine Stunde lang dauern kann). Ist das Loch dann wieder fein säuberlich mit Sand zugedeckt kehrt die Schildkröte zum Meer zurück und überlässt die Eier ihrem Schicksal. Schildkrötenschützer markieren dann entweder die Nester und bewachen diese oder graben die Eier aus und brüten sie in einem Brutkasten aus. Plus/minus Fünfzig Tage nach der Eiablage schlüpfen die kleinen Schildkröten aus und gehen ins Meer. Nach rund zwanzig Jahren im offenen Ozean kommen die Schildkräten, wenn alles gut geht, dann wieder an den Strand ihrer Geburt zurück und legen ihrerseits Eier ab! Einfach fantastisch! 
Martin zeigt uns dann auch noch ein kleines Dörfchen in der Umgebung, welches von französischen Auswanderern gegründet wurde. Die französischen Wurzeln sind hier bis heute gut sichtbar! So haben viele Häuser zum Beispiel Dächer mit Biberschwanzziegeln und wir treffen auf den ein oder anderen Dorfbewohner, der französisch spricht oder ein Bild des Eifelturmes in seinem Wohnzimmer hängen hat.

Nach vier Tagen auf dem Camping Coco Loco verabschieden wir uns von Fredi, Jaquelien und Martin und setzen unsere Reise fort. Auf einen Tipp von Martin hin, machen wir einen kurzen Zwischenstopp in einem wunderschönen Dörfchen mit dem Namen Tlacotalpan. Es gefällt uns sehr hier! Häuser in allen möglichen Farmen säumen hier die Strasse und man sieht Säulen so weit das Auge reicht! Auf dem Parkplatz einer Tankstelle verbringen wir hier eine sehr ruhige Nacht und Reitschel verschenkt zum ersten mal Kleider, welche wir von Freunden aus der USA bekommen haben, an die Dorfbewohner. Wie erwartet stossen wir hierbei auf verschiedene Reaktionen! Viele Frauen haben Freude einfach so, gratis Kleider für sich oder ihre Kinder zu bekommen und können es kaum fassen, dass wir die Kleider wirklich gratis abgeben wollen! Es spricht aber auch ein Mann mit Reitschel der die ganze Aktion irgendwie nicht ganz versteht, es wahr wohl der, der am meisten Geld hatte….! Wie Reitschel dann so schön gesagt hat freuen wir uns aber ab den lachenden Gesichtern der Frauen und vergessen die negative Reaktion ganz einfach!

Die nächsten Tage fahren wir relativ viel! Unser nächstes grosses Reiseziel ist die Stadt San Cristobal de las Casas im zentralen Hochland vom Bundesstaat Chiapas. Auf dem Weg dorthin legen wir ein paar kurze Stopps ein. So übernachten wir zum Beispiel bei einem Kinderheim, welches Campingplätze für Reisende wie uns zur Verfügung stellt um einen Austausch zwischen den Kindern und Reisenden zu schaffen. Eine sehr gute Idee wie wir finden! Ganz in der Nähe statten wir Cascada el Aquacero eine Besuch ab. Eine Schlucht mit Wasserfällen die ein wenig an den Film Avatar erinnert, weil alles so grün ist und Lianen von den Bäumen ins Tal hinab hängen. 
Wir durchfahren die Hauptstadt Chiapas, Tuxtla Gutierrez und kaum haben wir diese hinter uns gelassen geht es ins Hochland! Über tausende  Kurven, vorbei an kleinen Bergdörfern gelangen wir immer weiter und höher ins Hochland hinein. Zum ersten mal auf unserer Reise sind wir froh um unsere Benzinkanister auf dem Dach! Durch die vielen Kurven und die Höhe von mehr als 2000 Meter über Meer brauchen wir mehr Benzin als „geplant“! Der Tankzeiger befindet sich tief im roten Bereich und wir nehmen schon ein stottern war als wir an einer sicheren Stelle anhalten und den Tank auffüllen können! Das Hochland in dieser Gegend wir bis heute von Mayas bewohnt und es gefällt uns ausserordentlich gut hier! Immer wieder kommen wir an Maisfeldern vorbei welche an steilen Berghängen angelegt sind, sehen Frauen in ihren schönen traditionellen Kleidern und durchqueren kleine Bergdörfer in welchen die Einheimischen neugierig unser vorbeifahrendes Reisemobil beobachten und freundlich Grüssen! Wir bewundern diese Leute die in solchen einfachen Verhältnissen Leben, Wirtschaften und ihre Kultur pflegen! 

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Wellnesstage in Tolantongo

Wie im letzten Blogeintrag angedeutet, besuchten wir die empfohlene Kirche des Dorfes Atotonilco. 
Das deutsche Paar hatte nicht übertrieben: Es ist wirklich eine sehr prunkvolle, imposante Kirche! Die Wände sind alle mit Bilder von Szenen aus der Bibel bemalt, grosse Kronleuchter hängen von der Decke herab, Verschnörkelungen soweit das Auge reicht und der Boden besteht aus uralten Holzbrettern. Man könnte Stunden auf einer Bank sitzen und alles bewundern und man würde immer wieder Neues entdecken. Leider war der noch schönere Nebengang durch ein Gittertor verschlossen und es war niemand da, der uns hätte öffnen können. Uns wurde nämlich gesagt, dass sich rechtwinklig zum Kirchengang ein noch schöner gestalteter Raum befindet. Trotzdem hat sich der kleine Umweg gelohnt.

Nun ging es weiter nach Tolantongo. Da wir neue Schuhe brauchten für Luki (es war wirklich höchste Zeit, denn seine gebrauchten Schuhe hatten mehr Löcher als ein Emmentaler Käse und der eine Schuh sah aus wie das Maul eines Krokodils), beschlossen wir zu einem Walmart zu fahren. Ich dachte, am besten ist es wenn wir uns von unserem offline GPS navigieren lassen. Was ich nicht realisierte ist, dass wir in eine riesige Grossstadt hinein fuhren! Oh wie wir diesen Verkehr in den Städten nicht mögen...! Nach ein paar Mal verfahren, einem Paar neuer Schuhe und zwei „Kaffees to go“ zum Preis von einem, waren wir nach 1.5h wieder aus der Stadt. 

Gegen Abend erreichten wir die Berge von Tolantongo. Eine enorm steile und kurvenreiche Strasse führt in ein Tal hinunter. Wir bezahlten 300Pesos für die Übernachtung und den Eintritt zu den heissen Quellen. 
Von anderen Reisen wissen wir, dass es sich lohnt, beizeiten die Gewässer aufzusuchen, da es zur Ferienzeit gerne überfüllt ist. 
So spazierten wir gleich am Morgen dem tiefblauen Fluss entlang zum Tunnel und der Höhle. 
Wir waren zwar nicht die ersten, trotzdem war es ein wunderbares Erlebnis die Wasserfälle am Ende des Tals zu bestaunen. In der grossen Höhle stürzt ein Wasserfall mit warmem Wasser von der Decke. Die Höhlenwände bestehen aus Kalkgestein, das Wasser ist zwischen Hüft- und Schulterhoch. Am Ende der Höhle befindet sich ein Seitengang. Es wäre Stockdunkel dort drin, zum Glück gab es einige Angestellte die mit ihren wasserdichten Taschenlampen Licht spendeten. Denn das Spektakel wollen wir nicht missen. Hunderte von Fledermäusen fliegen in diesem Teil der Höhle umher, teilweise nur knapp über dem Wasser! Wenn man so im schulterhohen, warmem Wasser steht und die vielen Tiere beobachtet, ist das schon beeindruckend! 
Ein 40m langer Tunnel liegt etwas oberhalb der Höhle. Hier ist das Wasser einmal Knöcheltief, dann plötzlich Schultertief. Es ist so warm, dass der ganze Tunnel in Dampf eingehüllt ist. Diese Bedingungen nebst der Dunkelheit und den vielen (schreienden) Menschen dort drin, liess mich dann noch bevor wir das Ende erreichten, umkehren...

Am Nachmittag spazierten wir in die entgegen gesetzte Richtung zu den „Pozas termales“. Das sind künstlich angelegte kleine Pools, direkt am Hang. Sie werden von verschiedenen warmen Quellen gespiessen. 
In einem der Pools kamen wir ins Gespräch mit zwei lieben, älteren Mexikanerinnen. Wir unterhielten uns über eine Stunde mit unseren wenig Spanischkenntnissen. Es schien, als ob wir über nur jedes erdenkliche mexikanische Rezept gesprochen haben, jedoch kenne ich bis jetzt keine Details... :)
Den ganzen Nachmittag „soakten“ wir in den Pools. Als wir am frühen Abend nach Hause gingen (zu Baluu), stand einige Meter von unserem Bus ein Auto mit Zürcher Kennzeichen! So lernten wir Fredi und Jaqueline kennen (www.fjrupp.ch). Den ganzen Abend tauschten wir aus und bekamen hilfreiche Tipps für unsere Weiterreise. 
Unsere Routen für die bevorstehenden knapp zwei Wochen sind fast identisch, so werden wir sie noch öfters treffen. :)
Das baden im warmen Wasser war wunderschön und entspannend und so war auch unsere zweite Nacht in diesem Tal.

Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von den beiden Schweizern und fuhren in Richtung Mexico Stadt. Diese planen wir aber nicht zu besuchen.

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Guanajuato / San Miguel de Allende

Guanajuato 
Nach den 6 erholsamen Tagen bei Charlie ging es weiter Richtung Nordosten, nach Guanajuato (ausgesprochen Guanachuato). Die kostenlosen Strassen bis zu dieser Ortschaft waren grösstenteils nicht mehr in bestem Zustand. Viele Schlaglöcher und die schon bekannten Topes (Strassenunebenheiten), verlängerten die Fahrzeit um einiges. Trotzdem kamen wir noch vor Einbruch der Dunkelheit bei unserem Ziel an. 
Die farbenfrohe Stadt befindet sich in einer hügeligen Landschaft im Bundesstaat Guanajuato. So fuhren wir teilweise sehr steile, kurvige und enge Strässchen den Hügel hinauf zu unserem Übernachtungsplatz. Dort angekommen war das Gittertor verschlossen, aber nach ein paar Mal rufen öffnete uns ein älterer Mexikaner das Tor. Auf dem Privaten Parkplatz, wo es übrigens auch WCs gab!, genossen wir einen ausgezeichneten Ausblick durch einen wohl schon älteren Torbogen aus Stein, auf wunderschön farbenfrohe Häuser.
Am nächsten Tag spazierten wir den Hügel hinab, durchquerten einen ca. 1km langen, dunklen Tunnel und kamen auf der anderen Seite mitten im Zentrum wieder heraus.
Es gab so viel zu entdecken und wir konnten uns kaum satt sehen, an all den schönen Farben, engen Seitengassen und Kirchen. 
Ein Ausblick über die ganze Stadt genossen wir nach einem guten Kaffee direkt neben dem Tunnelausgang. Das hippe Cafe ist mehr ein Loch im Felsen als ein Lokal, denn nicht mal ein Auto hätte dort drinnen parken können. Ausser vielleicht ein VW Käfer. Diese schönen Autos sieht man hier täglich, sie wurden bis vor einigen Jahren in Mexiko produziert. Klein aber fein, es gilt als bestes Kaffe in ganz Guanajuato. Kein Wunder, eine kleine Kaffeeröstmaschiene ist täglich im Einsatz und so gibt es immer frisch gerösteten Kaffe. Zudem werden wunderbare Gerüche verbreitet! :)
Weiter ging es auf einen Markt. In einer riesigen Halle werden diverse Dinge verkauft, einige die uns ein wenig zum staunen brachte. Von Körben, Früchten, Gemüse, Hundefutter, Kleider, Souvenirs und Essenständen gab es auch Fleisch, von Filtes bis zu Hühnerfüssen und Schweinsköpfe. Hier gibt es weder gekühlte Vitrinen noch „Spuckschütze“. Wir glauben, in der Schweiz müsste ein solcher Markt aus hygienischen Gründen ziemlich bald schliessen. 
Trotzdem genossen wir das bunte Treiben dort und kauften einige Früchte ein.
Da am Nachmittag ein Gewitter aufzog, entschieden wir uns zurück zum Auto zu gehen und dafür am nächsten Tag nochmals in die Stadt zu gehen.

Auch am folgenden Tag gab es einen Kaffe „in der kleinen Höhle“, wir spazierten wieder durch die farbigen Gassen, gönnten uns einen Zmittag nahe dem Markt in einer Imbissbude und setzten uns in einen Park um den Leuten etwas zu zuschauen. 
In einem anderen, hübschen Cafe wollten wir den Tag ausklingen lassen. Auf der Speisekarte sahen wir neben Cafe Americano, Cappuccinos und Espressos auch einen „Cafe de olla“. An dieser Stelle hätten wir Google fragen können was da gemeint ist, doch manchmal ist es doch spannender einfach zu probieren! :) Auf spanisch gaben wir unsere Bestellung auf und erhielten kurze Zeit später zwei wunderbare Gewürzkaffes! Unter anderem wird dieser Kaffe mit Zucker, Zimt und Nelken gebraut. 
Zurück ging es durch den Tunnel, die engen und steilen Strassen hoch und dann warteten wir bis sich die zusammengebrauten Gewitterwolken entleerten. Begleitet wurde das ganze wie auch schon am Tag zuvor von Hundegebell aus der nahe gelgenen Schlucht. Ein weiterer erlebnisreicher Tag ging langsam zu Ende... 
Spätestens nach diesen zwei Tagen verliebten wir uns definitiv in dieses wunderschöne Land! Vielleicht versteht ihr uns, wenn ihr die Fotos seht. 

San Miguel de Allende
Weiter östlich von Guanajuato liegt die kolonialstadt „San Miguel de Allende“.
In unserem Reiseführer steht geschrieben, dass in dieser Stadt viele Nordamerikaner leben und ein beliebtes Touristenziel ist.
Das merkten wir bereits beim hereinfahren in die Stadt. Es war Sonntag, die Strassen voll von Menschen, der Verkehr kam nur stockend voran und es gab ein Souvenirladen am anderen. 
Ein etwas teurer aber sauberer Campingplatz nahe der Altstadt, diente uns als Hauptquartier für zwei Nächte. 
Dort trafen wir ein älteres, deutsches Paar, welches bereits vier Jahre unterwegs ist. Die ersten Reisenden, welche wir seit einem Monat Mexiko angetroffen haben. 
Da sie bald nach Hause fliegen für einige Monate, brachten sie uns Mehl, welches sie nicht allein in ihrem Camper lassen wollten. Und da der Abend noch nicht weit fortgeschritten war, backte ich gleich Aprikosenkuchen und Pizzarolle damit. :) Das Paar freute sich sehr als ich ihnen je ein Stück des Kuchens brachte. 

Am darauf folgenden Tag brachten wir unsere Schmutzwäsche in eine lokale „Lavanderia“. Das erste Mal, das wir nicht selber waschen konnten. Hier in Latinamerika gibt man den Sack Schmutzwäsche ab, dieser wird gewogen und dann bezahlt man nach Kilo. Mit wenig Spanisch, Händen und Füssen machten wir eine Zeit ab, wann wir unsere Sachen wieder holen können.
Danach spazierten wir durch die Altstadt, direkt zum Hauptplatz. Eine wunderschöne Kirche befindet sich dort. Zwei Strassen weiter gibt es ein Kaffee, das für seine Churros bekannt ist. Zuvor sahen wir eine sehr lange Warteschlange vor dem Lokal! Das kleine Restaurant muss wirklich sehr beliebt sein, denn als wir hinein wollten war es bereits voll und ein Seil hinderte uns daran, überhaupt eintreten zu können. Nach etwa 10min wurde ein Platz frei und wir wurden eingeladen, einzutreten. Gestärkt durch einen Churro gefüllt mit „Dulce de Leche“ für Luki und einen mit Schokoladefüllung für mich, ging unsere Sightseeing Tour weiter. 
Wir spazierten wir einen Hügel hinauf, wo wir eine schöne Aussicht genossen. Die Häuser der Altstadt sind alle in den gleichen Farbtönen bemalt: gelb, orange und rot. Es sieht sehr schön aus mit grünen Pflanzen die oft neben den Hauseingängen, auf den Balkons oder auf dem Dach stehen. Manchmal ist es auch möglich, ein Blick in den Innenhof der Gebäude zu erhaschen. Meistens sind diese wunderschön begrünt und mit Fähnchen und Wimpeln geschmückt. 
Wir zählten nicht, wie viele „Gotteshäuser“ es in dieser Stadt gibt, aber allein in der Altstadt besuchten wir fünf sehr prunkvolle Kirchen. 
Auf einem Markt deckten wir uns mit frischem Gemüse, Kräutern und Früchten ein, genossen eine „Torta“ (eine Art Sandwich) und kauften in einer nahe gelegenen Tortilleria, frisch zubereitete Tortillas ein. 
Nach einem Parkbesuch, wo wir wieder mit Genuss dem Geschehen ein wenig zugeschaut hatten, ging es zurück zur Wäscherei. Dort bekamen wir unsere Wäsche frisch gewaschen und gefaltet in einem sauberen Plastiksack zurück! Was für ein Service! :) 
Auch an diesem Abend trafen wir zwei Deutsche, welche uns unbedingt empfehlen, Halt in Atotonilco einzulegen um die dortige Kirche zu besuchen. 
So planten wir den nächsten Tag mit einem Stopp im benannten Städtchen bevor es zum nächsten Übernachtungsplatz in der Ortschaft Tolantongo ging.

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Ein wenig Heimat mitten in Mexiko

Charlies Restaurant, Santa Elena
Charlies Restaurant, Santa Elena
In der kleinen und unscheinbaren Ortschaft Santa Elena, etwa 100 Kilometer im Osten der zweitgrössten Stadt Mexikos „Guadalajara“, machen wir für sechs Tage halt. Für Reisende wie uns, gäbe es eigentlich keinen Grund, sich hier für so lange Zeit niederzulassen, wäre da nicht Charlies Restaurant! 

Charlie ein ausgewanderter Schweizer, lebt hier schon 27Jahre. Gepackt vom mittelamerikanischem Lebensstil hat er sich hier, während der letzten Jahre eine wunderschöne Anlage aufgebaut, zu welcher neben Bungalows und Campingmöglichkeiten auch ein Restaurant gehört. 

Am ersten Abend treffen wir leider erst ein, als das Restaurant schon geschlossen hat. Charlie lädt uns aber auf ein Bier ein und wir dürfen ihn, seine Familie und auch seinen besten Freund Urs, der mit seiner Familie hier in den Sommerferien ist, kennenlernen. Am nächsten Morgen erwachen wir mit dem Duft von frischem Brot in der Nase und dürfen einen Blick in Charlies Backstube werfen. Zwei mal in der Woche wird hier frisches Brot für das Restaurant und den Eigengebrauch gebacken und wir bekommen einen Laib zum probieren! Mhmm, mit Abstand das beste Brot welches wir seit langem gekostet haben. Kein Wunder ist nach ein paar Stunden kein Krümmel mehr übrig. Gegen den Abend geniessen wir dann zum ersten (und nicht letzten mal in den nächsten Tagen) ein Menü im Restaurant. Auf der Speisekarten stehen hier: Bratwürste, Hackbraten, Cordon Bleu, Forellen, Spaghetti Bolognese, gefüllte Pouletbrust, Rindsfilet und viele andere Leckereien. Wir schätzen es sehr, wieder einmal ins Restaurant zu sitzen und aus der Heimat bekanntes Essen zu konsumieren. 

Charlie und Urs laden uns ein, am Sonntagmorgen mit ihnen eine kurze Wanderung auf den „Hausberg“ zu machen. Wir sagen hierzu natürlich nicht nein und stehen am Sonntagmorgen um 07:00 bei Charlie in der Küche. Hier trinken wir einen Kaffee, streichen ein paar Sandwiches und ein paar Minuten später sind wir unterwegs. Zuerst spazieren wir durch das noch verschlafene Santa Elena und später einem Weg entlang Richtung Gipfelkreuz des Hausberges. Hier geniessen wir die Aussicht über die Gegend und essen danach bei einem nahe gelegenen, wunderschönem grossen Baum unseren Zwipf. Etwa zwei Stunden später sind wir zurück und verbringen den Rest des Tages mit Faulenzen und gutem Essen. 

Montag und Dienstags ist das Restaurant geschlossen und Zeit für Familie angesagt. Am Morgen begleiten wir Charlie und Urs in die nahe gelegene Stadt, essen Tacos zum Morgenessen und erledigen ein paar Dinge. Dann geht es noch kurz zu einem lokalen Käser der in Frankreich und der Schweiz gelernt hat Käse herzustellen. Hier dürfen wir Käse degustieren und decken uns danach mit Appenzeller, Grüyer (wird hier so geschrieben) und Raclettekäse ein. Kurzerhand werden wir zum Mittagessen bei Charlies Schwiegereltern eingeladen. Für uns eine mexikanische Familie wie aus dem Bilderbuch! Als wir beim Haus der Familie ankommen ist schon ein riesiger Betrieb! Kein Wunder bei einer 19-köpfigen Familie (Grossvater und Grossmutter, 15! eigene Kinder plus 2 Pflegekinder). Enkelkinder rennen umher, die Grossmutter ist am Kochen, der Grossvater begrüsst uns mit einem riesigen Sombrero auf dem Kopf und wir werden von allen sofort herzlich empfangen und fühlen uns mehr als wohl! Es gibt Pozole, eine mexikanische Spezialität, eine Art Eintopf mit Mais, Gemüse und Schweinefleisch. So lecker, dass wir noch eine zweite Portion nehmen, obwohl wir eigentlich genug hatten. Vielen Dank!

Am Dienstagmorgen dürfen wir in der Stadt dann eine Getreidemühle besichtigen. Der Geschäftsführer dieser Mühle ist der Schweizer Valentin. Einen Mann vor dem wir nur den Hut ziehen können! Vor langer Zeit als er gerade nach Mexiko ausgewandert ist, klopfte ein Nachbar bei ihm an der Türe und fragte, ob er eine Arbeiten wolle. Welche Art von Arbeit wurde ihm nicht mitgeteilt, trotzdem willigte Valentin ein und sass ein paar Tage später auf dem Sessel als Geschäftsführers der Mühle! Mit einem noch kleinen spanischem Wortschatz und ohne jegliches Wissen über Mühlen, von wo auch! Mit geschickter Hand, viel Einsatz und Lernfreudigkeit führte er die Mühle in nur wenigen Monaten von den roten Zahlen zurück in den Gewinn bringenden Bereich. Genug Argumente, dass er den Chefsessel auch nach der „Probezeit“ behalten durfte. Heute ist die Mühle Marktführer in der ganzen Region! 
Valentin nahm sich ausführlich Zeit für uns und führte uns durch das gesamte Areal. Jeder Vorgang und jede Maschine erklärte er uns bis ins Detail und wir durften viel lernen! Nie hätten wir gedacht, dass eine Getreidemühle eine solch komplexe Sache ist! So werden zum Beispiel in einem Labor von jeder Arbeitsschicht Mehlproben ausgewertet, Testbrote gebacken und die Qualität von Korn, welches eingekauft werden soll, geprüft. Mit zwei Säcken Vollkornmehl aus der Steinmühle und einem Kilogramm Weizenkeime, die wir als Geschenk mitnehmen durften, verliessen wir die Mühle wieder!  Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an Valentin und all die netten Mitarbeiter für diese Führung! 

Am Donnerstag, unserem letzten Tag bei Charlie, luden uns ein paar seiner Servierfräuleins ein, am Abend mit ihnen den Zirkus im Dorf zu besuchen. Wir willigten ein und nach dem erneut hervorragendem Nachtessen im Restaurant (wir wählten beide den Hackbraten zum Abschluss) spazierten wir durch das Dorf zum Fussballplatz, wo der Zirkus aufgebaut wurde. Ein paar Minuten später tauchten die Fräuleins auf und wir betraten das Zirkuszelt. Alles beschreiben zur Zirkusausstattung nützt nichts, am besten schaut ihr euch einfach die Fotos an. :) Nur so viel, der Licht- und Tontechniker auf seinem Gerüst war unserer Ansicht nach schon ein halber Akrobat :), so wacklig und unstabil war das Gebilde! Die Aufführung selbst war dann sehr einfach! So entdeckte man den Ticketverkäufer vom Eingang  ein paar Minuten später als Clown und dann in der nächsten Nummer akrobatisch an einem Seil turnend!  Was der Zirkus aber besitzt, sind Lautsprecher und diese nutzten sie bis an ihre Grenzen...
Obwohl wir nicht viel verstanden, lachten wir viel und hatten einen wunderbaren Abend inklusive Zuckerwatte!

Zum Schluss ein grosses Dankeschön an Charlie und Urs, ihre Familien, Mitarbeiter und Freunde! Wir haben die Zeit bei euch sehr genossen und wer weiss, vielleicht kreuzen sich unsere Wege wieder einmal!

Frisches Brot aus der Backstube
Frisches Brot aus der Backstube
Besichtigung der Getreidemühle
Besichtigung der Getreidemühle
Eine Wissenschaft für sich! Das mahlen von Korn zu Mehl
Eine Wissenschaft für sich! Das mahlen von Korn zu Mehl
Potzole eine mexikanische Spezialität
Potzole eine mexikanische Spezialität
Im Zirkus mit den Fräuleins die und eingeladen haben den Abend mit ihnen zu verbringen
Im Zirkus mit den Fräuleins die und eingeladen haben den Abend mit ihnen zu verbringen
Dorfzirkus in Mexiko! Alles ein bisschen einfacher als in der Heimat, wir lieben es!
Dorfzirkus in Mexiko! Alles ein bisschen einfacher als in der Heimat, wir lieben es!
Manege frei für die Akrobaten
Manege frei für die Akrobaten
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Festland Mexiko

Die Baja California hat uns gut gefallen. Die schönen Strände und das Beobachten von Walhaien an der Sea of Cortez, die unendlichen Kaktuswälder im Herzen der Halbinsel und die nette mexikanische Familie, welche wir kennenlernen durften, waren unsere Highlights hier. Ganz ehrlich, nur um hier ein paar Wochen Sommerferien zu machen, würden wir aber nicht zurück kommen. Wenn es auf der Reiseroute liegt, ist die Baja aber durchaus ein Plätzchen wo man ein paar Tage verbringen kann.

Von La Paz aus wollten wir die Fähre nach Mazatlan nehmen, welches im Staat Sinaloa auf dem Festland Mexikos liegt. Wir fuhren also zum Fährhafen in La Paz. Als erstes passiert man hier eine Polizeikontrolle. Der freundliche Beamte wollte kurz unsere Pässe und die Einfuhrgenehmigung für unser Auto sehen (TIP). Danach öffneten wir ihm noch ein paar Türen damit er kurz ins Innere unseres Buses blicken konnte, was auch schon die ganze Kontrolle war, dann durften wir weiterfahren. Baluu wurde gewogen, fotografiert und ausgemessen (was 168 MXN Pesos kostete, etwa 10 Fr.) und wir erhielten die Quittung um damit unser Ticket für die Fähre zu besorgen. Im Büro der TMZ (Fährgesellschaft) geben wir unser Zettel ab und warten dann im kleinen Büro, zusammen mit etwa 10 mexikanischen Lastwagenfahrern, bis etwas geht. Das Internet funktioniert nicht und so wird geduldig gewartet bis wieder alles funktioniert, die Buchungen gemacht und die Beträge gezahlt werden können. Wir erhalten dann unsere Tickets und dürfen Baluu aufs Boot fahren. Gegen 18:00 sind dann alle Lastwagen und Autos verladen und die Fähre tritt die 16-stündige Überfahrt zum Festland an. 
Wir treffen noch auf zwei Pärchen aus Neuseeland die auch am Reisen sind und verbringen den Abend mit Ihnen. Als wir ins Bett wollen, stellen wir dann fest, dass es viel zu heiss ist um in Baluu zu schlafen und zudem haben die meisten Lastwagen ihre Motoren an um die Kabinen zu kühlen. Wir entschliessen uns also ziemlich schnell ein anderes Schlafplätzchen zu suchen.   Dieses finden wir dann auch auf dem obersten Deck des Schiffes. Hier Übernachten wir unter dem Sternenhimmel, den Fahrtwind des Schiffes in den Haaren, auf einer Art Metallbox. Trotz harter Unterlage schlafen wir erstaunlich gut und als wir am Morgen aufwachen, sind wir nicht mehr weit vom Festland entfernt. Wir geniessen das Morgenessen aus der Schiffsküche (der Küchenchef ist zu allen eher unfreundlich, aber das Essen schmeckt immerhin) und gehen dann wieder aufs Deck. Hier treffen wir auf eine super nette mexikanische Familie mit der wir die nächste Stunde aufs Meer hinaus schauen und unseren Spanischwortschatz verbessern. Neben einem Delfin der uns mit seiner Luftakrobatik verzückt, sehen wir auch noch Fische, Schildkröten und diverse Vögel. In Mazatlan tauschen wir noch unsere Telefonnummern aus und verabschieden uns dann. 

Mit der Fähre von La Paz nach Manzatlan
Wir beschliessen der Hitze ein wenig aus dem Weg zu gehen und verlassen daher die Pazifikküste Richtung Hochland. Bei der „Laguna de Santa Maria del Oro“ im Bundesstaat Nayarit legen wir dann für zwei Tage einen Stopp ein. Auf dem schönen Campingplatz übernachten wir inmitten von Mangobäumen und Kokospalmen. Auf einer etwa zwei stündigen Wanderung umrunden wir die Lagune und sehen dabei hunderte von Schmetterlingen in verschiedensten Farben, Formen und Grössen. Später lesen wir, dass es in Mexiko mehr als 5000 Schmetterlingarten geben soll. In der Lagune lässt sich auch wunderbar baden und Reitschel wird dabei noch von einem Fisch in den Oberschenkel „gebissen“! :) (Anmerkung von Rahel: Er hat mich wirklich gebissen! Oder gezwackt... Ja nennen wir es gezwackt. Es war jedenfalls schmerrzhaft genug damit ich schreiend aus dem Wasser gesprungen bin...)


Einer der vielen Schmetterlinge welche wir um die Lagune beobachten durften
Mangobäume überall!
Am 2. August besuchten wir eine familiäre Tequila Fabrik namens „Tres Mujeres“. Übersetzt heisst das „drei Frauen“. Der Name bezieht sich auf die drei Töchter des Inhabers wie wir später erfahren. Am Eingang kauften wir uns Tickets (auf Spanisch, dank Lukis immer besser werdenden Spanisch-Kenntnissen) für eine Tour und hatten das Glück, dass ein englisch sprechender Führer anwesend war. Dieser war jedoch gerade auf einer anderen Tour und so erkundetet wir das Areal ein wenig auf eigene Faust. Neben einem Restaurant und schönen Gehwegen gibt es auch eine hübsche kleine Kirche die mit Sitzbänken aus Fässern ausgestattet ist. 
Nach etwa 1.5h Wartezeit dürfen wir dann eine sehr informative Führung geniessen bei welcher wir die einzigen zwei Teilnehmer sind! Tequila wird aus blauen Agaven hergestellt, welche hier herum überall auf Feldern angebaut werden. Eine Agave muss mindestens sieben Jahre wachsen bevor sie geerntet wird, damit der Zuckergehalt genügend ist. Nach drei Jahren spriessen neben jeder „Mutterpflanze“ Setzlinge aus dem Boden, welche ausgegraben und auf einem neuen Feld eingesetzt werden. Bekommen die Agaven übrigens eine Blüte, welche in der Mitte der Pflanze, spargelförmig Richtung Himmel wächst, wird diese sofort abgeschnitten. Die Blüte würde der Wurzel der Pflanze (welche für den Tequila gebraucht wird) den Zucker entziehen. Nach sieben Jahren werden die Blätter von der Wurzel (welche die Form einer Ananas hat) abgeschnitten und die Wurzel ausgegraben. Übrigens weder zum aus- und einpflanzen der Setzlinge, noch zum ernten der Wurzeln gibt es Maschinen, Handarbeit ist angesagt! Die Wurzeln werden dann in einem Ofen mit Dampf gekocht und danach wird ihnen durch zerhacken und schreddern der Saft entzogen. Dieser gärt danach für ein paar Tage und wird danach in 3 Stufen destilliert. Das Resultat ist ein weisser Tequila wie wir ihn aus der Schweiz gekannt haben. Wie zum Beispiel auch beim Whiskey kann der Tequila dann aber auch in Eichenfässer abgefüllt werden. Hier bekommt er über die Jahre einen total anderen Geschmack und Farbe, was wir beim Degustieren dann auch herausschmecken durften. Weisser Tequila schmeckt noch sehr nach Agave, Tequila der für mehrere Jahre in Eichenfässern gelagert wurde bekommt eine süssliche Note und ist deutlich dunkler. Die Farbe haben wir gelernt, nimmt der Schnaps vom Holz an. 
Übrigens hat im Tequilakeller dieser Destillerie auch ein berühmter Produzent ein paar Fässer eingelagert. Diese werden hier 5 Jahre in einem separaten Abteil gelagert wo 24h am Tag klassische Musik läuft (wir haben es mit eigenen Augen gesehen und gehört). Dies soll die Wassermoleküle „positiv“ stimmen und so zu besserem Tequila führen. Diese Prozedur wurde schon mit anderen Schnäpsen angewendet, hier ein erstes Mal mit Tequila. Man ist gespannt wie das Resultat am Ende sein wird... Tres Mujeres Tequila ist übrigens ein „Bioprodukt“. Heisst hier wird Wert darauf gelegt, dass keine künstlichen Dünger verwendet (man setzt hier zum Beispiel auf die Blätter der Agaven und Rossmist als Dünger) und dem Tequilasaft keine künstlichen Zucker hinzugefügt werden (ist der Saft bei industriellen Konzernen nicht genug süss, wird mit Zucker nachgeholfen). Wir können diese Gedanken nur unterstützen und verlassen die Fabrik mit einer guten Flasche Tequila unter dem Arm.

Blaue Agaven, Rohmaterial für Mexikos Nationalgetränk, Tequila! 
Agavenwurzeln, etwa 7 kg schwer, erbigt ca. einen Litter weissen Tequila
Die Destillerie 
Natürlich darf auch das Degustieren nicht fehlen! 
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Baja California, Mexico

Wir sind in Mexico!
Nachdem wir unsere erste Nacht auf einem Weingut im Guadalupe Valley verbracht und mehr oder weniger gut geschlafen hatten, startete unser erster ganze Tag in Mexico!

Wir fuhren nach Ensenada, eine grössere Stadt am Pazifik. Unterwegs stellten wir fest, dass die Mexikaner einen sehr ähnlichen Fahrstil wie die Italiener haben... :). Heisst, jeder fährt ein bisschen wie es ihm grade passt aber im grossen und ganzen funktioniert das Chaos dann eben doch. Dort angekommen, parkten wir unser Auto und spazierten der Küstenpromenade entlang zum Stadtzentrum. Vorbei an verschiedenen Restaurants, einem Fischmarkt mit frischen Fischen und einer Strasse mit kleinen Läden und Marktständen. Alles wirkte ziemlich touristisch. Trotzdem gefiel es mir gut, da alles voller Farben war und ein lustiges Gewirr aus Stimmen und mexikanischer Musik die Strassen erfüllte.  
In unserem Reiseführer wird, etwas vom Gewühl entfernt, ein authentisches mexikanisches Restaurant empfohlen. Schon seit Wochen freuten wir uns wahnsinnig auf das mexikanische Essen und so beschlossen wir, dieses aufzusuchen. Mit unserem nach wie vor kleinen spanischen Wortschatz bestellten wir und bekamen auch ungefähr das, was wir uns vorgestellt hatten. Das Essen war gut, haute uns aber nicht aus den Socken. Dafür punktete das Restaurant mit seinen kunterbunten Farben an Wänden, Tischen, Stühlen und den aufgehängten Wimpeln.

Weiter ging es südwärts, entlang der Pazifikküste. Wir passierten karge, steinige und heisse Wüstenlandschaft. Nur was bewässert wird grünt, alles andere ist Staub und Sand. Die Strassen sind ziemlich gut, wieder viel enger als wir es gewohnt sind von Kanada und den USA (also etwa so wie in der Schweiz) und hie und da gibt es ein paar Schlaglöcher. Sobald aber die Hauptstrasse verlassen wird, ist nichts mehr geteert! Auf einen Randstein grossen Absatz folgen steinig-staubige und ausgewaschene Strassen. Zwischendurch fährt man durch kleine Dörflein wo einige Häuser in den buntesten Farben angestrichen sind, andere erscheinen sehr heruntergekommen. Und statt Strassenschilder, welche angeben dass man langsamer fahren muss, gibt es teils riesige unangekündigte Topedos! (Das sind künstliche Strassenunebenheiten). Mann muss also immer sehr wachsam sein und gut auf die Strasse schauen um die Topedos zu sehen. Mit voller Fahrt über eine solche Erhebung in der Strasse zu fahren würde einem Auto erheblichen Schaden zufügen.  
Wilde Hunde oder Kühe laufen am Strassenrand und leider liegt sehr viel Abfall herum. Und was es bis jetzt in jedem noch so kleinen Dorf gab, ist mindestens ein Tacostand. Wenn diese nicht wären, wäre es wohl kein mexikanisches Dorf... :)

Unsere zweite Nacht verbrachten wir auf einem Campingplatz, welcher zum Hotel mit dem Namen „La Cueva del Pirata“ gehört. Es befindet sich direkt an einer Klippe und wir genossen einen wunderschönen Ausblick auf den tief blauen Pazifik.  Hier war sogar Bono, der Leadsänger von der Band U2 einmal zu Besuch, ein Beweisfoto steht an der Bar! :) Für einen kleinen Aufpreis für WC und Dusche, bekamen wir den Schlüssel für Zimmernummer 1, in welchem wir das Bad benutzen konnten.

Den nächsten Tag verbrachten wir mit viel Fahren, es ging ins Landesinnere  weiterhin durch die Wüste und ein paar Mal wünschten wir uns, wir hätten eine Klimaanlage in unserem Baluu. Einen Stopp legten wir in einer felsigen Gegend ein, wo hunderttausende Kaktusse wachsen! Ein kurzer Wanderweg zwischen den faszinierenden Pflanzen führt zu einer kleinen Höhle, wo man Höhlenbemalungen bestaunen kann. Unser Plan war eigentlich, irgendwo inmitten diesem Kaktussmeer zu übernachten. Aufgrund der starken Hitze beschlossen wir dann aber weiter zu fahren. Nach fast 3h Stunden erreichten wir dann die Sea of Cortez (dies ist übrigens das einzige Meer, welches nur einem Land gehört), bei der Ortschaft Baja de Los Angeles. Dort richteten wir uns auf dem Campground „Camp Archelon“ nur etwa 10m vom Meer entfernt, für die Nacht ein. Den nächste Tag verbachten wir mit Kajaken (diese durfte man gratis leihen) und baden im Meer. Dies war übrigens das erste Mal, dass wir im Meer badeten seit wir auf unserer Reise sind! 

Bei Antonio, dem Campingbesitzer, erkundeten wir uns über die Walhaie, welche in dieser Zeit vom Jahr in der Sea of Cortez beobachtet werden können. Da es für uns beide allein ein zu teurer Spass gewesen wäre, organisierte er uns eine Tour mit einer mexikanischen Familie zusammen, welche auch auf dem Campingplatz war.

Und so kam es, das wir unser erstes Highlight in Mexico erlebten! Denn die Familie war supernett, alle konnten gut englisch und waren sehr lustig und grosszügig! Ricardo Senior (Die Familie bestand aus Grosseltern, Eltern, 7jähriger Sohn und dessen 10jährige Cousine) fragte uns ob wir gerne Clams haben und als wir Antworteten, dass wir noch nie Meeresfrüchte gegessen haben, glaubten sie uns dies zuerst nicht. Wir erhielten sofort eine Einladung für das Abendessen. So kam es, dass wir kurzerhand in eine Bucht fuhren und dort auf Muschelsuche gingen. Dies war mega lustig, fast wie Schatzsuchen! In etwa hüfthohem Wasser liefen wir herum und mussten mit unseren Füssen ca. 10cm tief in den Sand nach den Schalentieren suchen. Danach taucht man herunter und holt sie heraus. Alle halfen mit und ziemlich bald hatten wir einen ganzen Kübel voll Muscheln! (Was mich zum einen sehr begeisterte, zum andern auch nervös machte weil ich noch nie Muscheln gegessen habe und bisher eher skeptisch war. Aber wir sind ja offen für neues!)
Mit dem Boot ging es weiter an kleinen Inseln vorbei wo wir Seehunde, Pelikane, Möven, Kormorane und Adler beobachten konnten. Das Highlight der Vogelwelt waren eindeutig die Blaufusstölpel! Wir dachten, die gäbe es nur auf Galapagos. 

Zusammen mit anderen Booten fuhren wir um die Mittagszeit im offenen Wasser herum, auf der Suche nach den berühmten Walhaien. Unser Kapitän erhielt per Funk die Nachricht von der Organisation, dass die Tiere gerade tief tauchen. So machten wir nochmals Halt in einer Bucht und badeten. Plötzlich rief er uns zurück aufs Boot und wir fuhren zu den anderen Booten aufs Meer. Und schon bald sahen wir den grössten Fisch der Meere! Dank unserer Unterwasserkamera konnten wir diesen Moment festhalten. 

Wieder an Land ging es dann gleich ans vorbereiten des Nachtessens. Ich konnte mich bereits mental darauf vorbereiten, dass ich etwas essen werde, was ich bisher bewusst gemieden habe. Auf dass was dann aber kam, war ich nicht vorbereitet. Ricardo nahm einige Muscheln, öffnete sie und gab sie uns zusammen mit etwas frischem Limettensaft zum roh essen! Luki was sehr mutig und ass die erste. Ich veranstaltete eher ein wenig ein Theater, aber „Nein“ sagen kam nicht in Frage (und wäre wohl auch nicht akzeptiert worden). So kam es, dass ich eine noch lebendige Muschel ass, oder wohl eher herunter würgte. Weiter ging es, dass Ricardo an ein Stück frischen Fisch kam, welchen Fischer gerade erst gefangen hatten und in der Nähe am ausnehmen waren. Wieder dachte ich er würde diesen zuerst kochen oder braten. Aber nein, auch diesen gab es wieder roh! (Ich muss anmerken, ich ass auch noch nie Sushi oder sonstigen rohen Fisch). Dieser schmeckte zusammen mit den Saucen aber mega gut! Frischer geht es nicht mehr! :) 

Wir lernten, dass die Muscheln gekocht werden müssen, damit sie sich öffnen. Aber nicht zu lange, sonst werden sie zäh. Dann schält man das Fleisch heraus. Ricardo briet die Muscheln dann in viel Butter, zusammen mit Knoblauch, Zwiebeln und Koriander und servierte uns diese zusammen mit Reis - und nicht vergessen, einer Tortilla! Diese ist man hier in Mexiko wie Brot zu fast jedem Essen. :)
Der Dessert war dann unsere Angelegenheit- wir bereiteten ein Schoggifondue mit unserer letzter Schweizer Toblerone Schokolade und frischen Früchten zu, was bei allen sehr gut ankam, besonders bei den Kinder. 

Bei spannenden Gesprächen, zu denen sich Antonio der Campingbesitzer auch noch dazugesellte durften wir dann mehr über Mexiko erfahren. Vor kurzem wurde ein neuer Präsident gewählt und die Hoffnung ist bei manchen Leuten gross, dass dies zu einer Veränderung in Mexiko führen wird. Der Korruption, welche hier in Mexiko omnipräsent ist, soll ein Ende bereitet werden. Während die älteren Personen am Tisch voller Hoffnung auf diesen Neuanfang waren, gaben sich die jüngeren eher zurückhalten und skeptisch da die Korruption einfach zu tief verwurzelt ist. Wir sind gespannt wie sich das Land entwickeln wird und werden das sicherlich weiterhin mit Interesse verfolgen! Antonio war übrigens schon in Europa und hat dort unter anderem studiert und gelernt Wein zu machen. Er sagte für ihn war das eine Reise in die Zukunft! Er konnte nicht fassen wie bei uns alles geregelt ist und funktioniert. Wir erklärten ihnen dann aber auch, dass auch bei uns in der Schweiz nicht alles perfekt ist. Man merkte dass die Reise nach Europa Antonio geprägt hatte und wie er selbst sagte, durfte er viele Ideen mit nach Hause nehmen. Dies sieht man auch auf seinem Campingplatz. Es gibt hier zum Beispiel Abfalltrennung, Solaranlagen, Meerwassernutzung für WCs, und vieles mehr. Es ist schön junge Leute zu sehen, die ihre Gemeinschaft und ihr Land vorwärts bringen wollen! 

Und schon haben wir unsere ersten Freunde in Mexiko! :) Wir tauschten Adressen und Nummern aus und Ricardo Junior und seine Frau Alina, haben uns herzlich eingeladen, bei ihnen ein, zwei Nächte zu verbringen wenn wir dann auf dem Festland sind. Sie wohnen in Guadalajara, ca. 200Kilometer im Landesinnere von Mexico. 

Unser Weg führte uns weiter südlich. Von der an der Ostküste gelegene Sea of Cortez führt der Highway 1 zurück an den Pazifik und dann wieder an die Ostküste. Wir legten dazwischen einen Stopp in San Ignacio ein. Eine Oase, mitten in der Wüste. Übernachtet haben wir in mitten von hunderten Palmen, direkt an einer Lagune. Es war traumhaft schön, fast wie im Bilderbuch. Aber oft gibt es ja einen Haken wenn alles so perfekt scheint.  In diesem Fall war es ein riesiges Dorffest direkt auf dem Campingplatz. Dies ist ja eigentlich kein Problem, wir genossen die fröhliche Livemusik und sahen den Kindern beim plantschen in der Lagune zu. Die Campingbesitzerin versicherte uns gleich am Anfang, das Fest sei um 21:00 Uhr beendet. Die Familien waren um diese Zeit dann auch weg, geblieben sind dann aber die Leute, die schon ein paar Bierchen zu viel getrunken haben und sich grölend bis in alle Nacht um unser Bus aufhielten. Der Bass der Musik liess teilweise unsere Autoscheiben wackeln und an schlafen war kaum zu denken. Das letzte Mal als ich auf die Uhr schaute, war 01:28Uhr, danach konnten wir irgendwann einschlafen. 
Am nächsten Morgen sah der eigentlich so hübsche Campingplatz aus wie eine Müllhalde. 
Zu Fuss liefen wir 2.5km ins Dorf von San Ignacio wo wir eine schöne, im spanischen Stil erbaute Kirche aus dem 18. Jahrhundert anschauten. 
Zurück beim Campingplatz sahen wir die Besitzerin des Grundstücks, eine ältere Dame, am Abfall zusammen räumen war. Sie war ganz allein! Den Abfall, welcher vorwiegend aus Bierdosen bestand, rund um unser Auto nahmen wir dann für sie zusammen, bevor wir weiter fuhren.

Auf den Strassen in Mexiko trifft man immer wieder auf Militär- oder Polizeikontrollen. Meistens stellen sie uns ein paar Fragen und winken uns dann durch. Einmal durchsuchte ein Beamter unser Auto. Wir wissen, dass man die Kontrollöre immer im Blickfeld haben sollte, damit sie nichts klauen oder aber auch nichts zufügen! Bis jetzt verlief aber alles gut, wir gelangten auch noch nicht in die Hände von korrupten Polizisten.

Die nächsten zwei Nächte an der Sea of Cortez waren nicht gerade angenehm. Es war sooo heiss, wir wussten nicht was wir tun sollten. Im Meer konnten wir uns nicht abkühlen weil es warm war wie eine Badewanne. Eine Klimaanlage im Auto hatten wir auch nicht und der Wind verschwand zusammen mit der untergehenden Sonne. Im Auto war es sehr warm und stickig, und wenn wir nach draussen wollten zum schlafen, kamen Mücken und Fliegen (trotz Insektenspray). Aber es kann ja nicht immer alles perfekt sein, sonst geniesst man das Schöne nicht mehr. 

350km nördlich von La Paz, der Hauptstadt der Baja California (nicht zu verwechseln mit La Paz, der Hauptstadt von Bolivien), befindet sich Loreto. Das  Städtchen hat eine schöne alte Kirche, bunt angestrichene Häuser und wie wir gehört haben, die beste Taco Bude in ganz Baja California. Übrigens wurden wir von Ricardo Junior aufgeklärt, dass Tacos nicht die harten Maischips sind, wie wir sie kennen! Sondern eine Tortilla mit Fleisch oder Fisch und je nach Lokal, den angebotene Beilagen dazu. Ein „Taco con carne assado“  zum Beispiel, ist eine Tortilla mit gegrilltem Fleisch. Wenn man will, bestellt man Beilagen dazu wie Guacamole, Tomaten, oder Salat. Danach faltet man diese in der Mitte und Fertig! Das ist ein richtiger mexikanischer Taco! :) 
Einen genau solchen genossen wir in der besagten Bude. Wow, war das lecker! 
Am selben Tag ging es weiter nach La Paz. Auf einem ruhigen, schönen Campingplatz wo es gutes Internet gibt, verbrachten wir eine sehr angenehm, kühle Nacht. 

Die zwei darauffolgenden Tage fuhren wir noch bis ganz in den Süden der Penisula wo wir im kalten! Pazifik wunderschöne Fische beim Schnorcheln bestaunen konnten. An den Stränden hier befindet sich ein Hotel nach dem anderen, eines pompöser als das andere! Das ist nicht so unser Ding und so verliessen wir den Süden der Baja California bald wieder. 

Nun sind wir wieder auf dem Campingplatz in La Paz und werden morgen die Fähre quer über den Sea of Cortez, nach Mazatlan nehmen. Das mexikanische Festland ruft und wir sind gespannt was uns dort erwartet!

Die ersten Tage
Camp Archelon
Und hier noch RICHTIGE MEXIKANISCHE Tacos
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Von Yellowstone bis Santa Barbara

Nach den ereignisvollen und unvergesslichen Tagen im Yellowstone National Park, brachen wir auf Richtung Westen. Zurück zur Küste mit ein paar kleineren Zwischenstopps war unsere Devise. Das Craters of the Moon National Monument im Bundesstaat Idaho, welcher unter anderem für seine Kartoffeln „Idaho Potatoes“ bekannt ist, lag somit auf unserer Route. Wir nutzten diese Gelegenheit natürlich und verbrachten zwei Nächte im Park. Weil Teile dieser unwirklichen Lavalandschaft, aussehen wie wenn man auf dem Mond wäre, wurde der Park so benannt. Kein Wunder haben hier auch schon Astronauten der Apollomission Trainings absolviert. Wir trainierten auf unsere eigene Art und erkundeten den Park zu Fuss. Mehrere kleinere Wanderungen und vor allem das heruntersteigen in eiskalte und dunkle Lavahöhlen, in denen man ohne Stirnlampe nicht einmal die eigene Hand vor dem Gesicht sah, werden uns sicherlich in Erinnerung bleiben. Übrigens muss für das betreten der Höhlen einen Zettel unterschreiben, mit welchem man bestätigt, die Kleider die man mitbringt noch nie in einer anderen Höhle getragen zu haben. Aus Europa wurde in den letzten Jahren nämlich ein Pilz eingeschleppt, der die Fledermausbestände in einigen Höhlen der USA und Kanada drastisch reduziert hat. Mit den Vorsichtsmassnahmen will man eine weitere Ausbreitung des Pilzes nun möglichst eindämmen. Gemäss dem Gespräch mit einer Rangerin dürfte dies trotz allem aber ein schwieriges Unterfangen sein, da sich die Fledermäuse auch gegenseitig mit der Krankheit anstecken können.

Eigentlich wollten wir Portland in Oregon noch besuchen. Aus mehreren Gründen (grosser Umweg, Finanzen, eine weitere Stadt..., usw.) entschlossen wir uns aber dies nicht mehr zu tun. Wir fuhren also direkt zu unserem nächsten Ziel, dem Crater Lake. Da wir in Idaho neben den guten Kartoffeln auch auf einigermassen guten und günstigen Käse stiessen, deckten wir uns vorher aber noch mit ein paar Käsebarren ein. 🙂

Der Crater Lake ist der tiefste See der USA. Ein wunderschöner, blauer See, welcher in einem Vulkankrater liegt und jeden Sommer tausende von Touristen anzieht. Im Winter ist die Gegend nur beschränkt zugänglich, da extrem viel Schnee liegen kann. Auch als wir dort waren, Ende Juni lag an ein paar Stellen noch Schnee. Wir umrundeten den Krater entlang dem Scenic Drive, steuerten verschiedene Aussichtspunkte an, schossen Fotos und legten natürlich auch ein paar Kilometer in den Wanderschuhen zurück. 

Auf direktem Wegfuhren wir dann zur Pazifikküste, wo wir uns im Norden Kaliforniens nochmals die Redwoods anschauten. Vor ein paar Wochen waren wir ja schon einmal hier, dieses Mal wirkten die Bäume aber noch eindrücklicher auf uns. Es ist einfach unfassbar wie gross und hoch diese Bäume sind und beim Wandern durch diese von Farn und Rhododendron gespickten Wälder, kommt man aus dem Staunen fast nicht mehr heraus. Auf vielen Highlightlisten, unter anderem auch auf unserer, ist diese Gegend nicht aufgelistet, wie wir nun selber feststellen mussten, zu Unrecht.
Zum dritten und wohl letzten mal auf unserer Reise trafen wir in der Nähe der Redwoods wieder auf die Familie von Arx. Die fleissigen Bloggleser erinnern sich sicherlich noch an die ersten Begegnungen beim Monument Valley und im Capitol Reef National Park. An einem schönen Flussufer verbrachten wir einen gemütlichen Abend miteinander und tauschten über das Erlebte der letzten Tage aus. Die „Strasse“ zu diesem Platz am Fluss war übrigens eine ziemliche Buckelpiste. Mit Sämis Hilfe , 4x4 Antrieb ein wenig Mut und viel Geduld und Nerven schafften wir es aber am darauf folgendem Tag wieder auf die Hauptstrasse hinauf und konnten unsere Reise fortsetzen. Die Off-road Piste war eine gute Übung für uns, weil wir nun aus eigener Erfahrung wissen wie weit wir mit Baluu gehen können, oder eben auch nicht! Diese Piste war wohl schon ziemlich nahe beim Maximum.

Entlang dem wunderschönen Highway 101 fuhren wir danach der Küste herunter bis nach San Francisco. Städte mögen wir mittlerweile nicht mehr so sehr, San Francisco - unsere Lieblingsstadt bis jetzt, bildet hier definitiv die Ausnahme. Wir nahmen uns ein wenig Zeit um noch ein paar mehr Ecken dieser Metropole zu erkunden und alt bewährtes nochmals zu geniessen. Weil wir an einem Freitag in der Stadt waren durften wir auch wieder ein hervorragendes Nachtessen beim Foodtruck-Festival einnehmen. 
Erstaunt waren wir vor allem über die leeren Flosse beim Pier 39! Die Seelöwen sind zu dieser Jahreszeit im Süden unterwegs wo sie ihre Jungen auf Sandbänken gebären. Nur ein paar Einzelgänger streckten hie und da die Köpfe aus dem Wasser und wir waren froh darüber, die volle Anzahl der hier lebenden Tiere ein paar Wochen vorher schon gesehen zu haben. Unsere Nächte verbrachten wir übrigens wieder beim Aussichtspunkt auf der Nordseite der Golden Gate Bridge! Hier trafen wir unter anderem auf ein lustiges Pärchen aus Frankreich, welche wir vielleicht in Mexiko nochmals antreffen werden.

Von San Francisco fuhren wir der Küste entlang Richtung Süden weiter. In Monterey fuhren wir den 17-Miles-Drive. Diese Strasse führt entlang einer wunderschönen Küstenregion, welche die reicheren Leute dieser Welt für sich „beanspruchen“. Hier trifft man auf Golfplätze direkt am Meer und Villen wie man sie aus den Bilderbüchern kennt. Lukis Tante, Susi, war vor einigen Jahren selbst hier und genoss die Fahrt dieser Strasse entlang. Weil es ihr so gefallen hat, sponserte sie uns die kostenpflichtige Fahrt sowie ein Essen in einem Restaurant. Wir entschieden uns für einen gutes mexikanisches Lokal, welches unserer Preisklasse weit mehr entspricht als die Restaurants beim 17-Mile-Drive und in welchem es uns auch definitiv wohler ist, ein sehr schmackhaftes und ausgiebiges Nachtessen. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön Susi 🙂! 

Die Tage um den Nationalfeiertag der Amerikaner, dem 4ten Juli verbrachten wir mit Rahel‘s Bruder, Raphael, in Santa Barbara. Raphi war die letzten Wochen in einer Sprachschule in San Diego und reist nun mit Freunden noch ein paar Tage in der USA herum bevor er wieder in die Schweiz zurück kehren wird. Santa Barbara ist eine hübsche, Spanisch angehauchte Stadt direkt an der Pazifikküste. Wir genossen also für ein paar Tage die Sonne, gute Kaffees, schauten uns Spiele der Fussball Weltmeisterschaft an und hatten einfach eine tolle Zeit zusammen. Baluu brachten wir hier übrigens noch zu einer auf VW-Busse spezialisierte Garage, da wir, bevor es auf unserer Reise weiter Richtung Mittelamerika geht, nochmals alles prüfen wollten. Es war ein guter Entscheid, denn die sympathischen und versierten Mechaniker fanden ein paar Dinge die uns zum Verhängnis hätten werden können und reparierten diese sofort. Wir hoffen nun darauf das Baluu gut für unsere weiteren Abenteuer gerüstet ist und wir Mittel- und Südamerika möglichst ohne weitere Fahrzeugprobleme erkunden können! 

Bei uns geht es nun weiter Richtung Los Angeles, danach zum Salvation Mountain und San Diego bevor wir dann vor haben Mitte Juli nach Mexiko einzureisen. Einen letzten Bloggeintrag aus der USA wird es also noch geben! Bis bald!
Crater of the Moon National monument 
Crater Lake National Park 
Zurück an der schönen Küste, Übernachtungsplatz bei einem Leuchtturm 
Redwoods und das Treffen mit der schweizer Familie
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Yellowstone National Park

Tag 1: 11.06.18 (Rahel)

Prolog: Unser Wecker holte uns um 5.30Uhr aus dem Schlaf, um die Tierwelt- und Bergwelt des Grand Teton zu bestaunen. Doch als wir dann aus dem Fenster schauten und die vielen Wolken und die Nebelschwaden sahen, stellten wir den Wecker ab und schliefen weiter... (Wenn ich das so lese bin ich nicht gerade stolz auf diese Leistung). Erst nach 9:00Uhr erwachten wir erneut, bei nur leicht besserem Wetter. Nach unseren Haferflocken mit frischen Früchten, unser tägliches Frühstück, machten wir uns auf für eine stündige Wanderung. Es war immer noch ziemlich frisch und so genossen wir einen heissen Kaffee statt ein Glace nach dieser Wanderung.

Kurz nach dem Mittag verliessen wir den Grand Teton National Park und fuhren in den direkt angrenzenden Yellowstone National Park: Der eigentliche Grund warum wir nochmals so weit in den Norden fuhren. Ein paar Kilometer vor dem Zahlhäuschen, sahen wir einen Autostopper. Hierzu muss ich nochmals ausholen und eine kleine Geschichte erzählen: Als wir zum zweiten Mal in den Grand Canyon fuhren, sahen wir zwei Autostopper mit viel Gepäck, hielten dann aber nicht da wir schon ziemlich müde waren und keine grosse Lust auf Konversationen hatten. Well... jedenfalls eine Hälfte der Truppe, es werden zum Schutz der Beteiligten aber keine Namen genannt. So winkten wir und fuhren weiter. Einen Tag später auf der Wanderung begegneten wir zwei Jungs. Sie fragten uns, ob wir einen Van haben und als wir mit „ja“ antworteten, sagten sie dass wir am Vortag an ihnen vorbei fuhren. Ich hatte ein schampar schlechtes Gewissen und wunderte mich, dass die uns wieder erkannten ohne Baluu! (Wir nehmen nicht jeden Autostopper mit, nur solche, die wie WIRKLICHE Reisende aussehen. Mit Rucksack und so...)

Zurück zu Tag 1. Es fing leicht an zu regnen und der junge Herr sah wie ein „richtiger“ Tramper aus. Darum stoppten wir dieses Mal. Ein junger Franzose, namens Meddy, kam also mit uns in den Park. Zuerst wollten wir ihn beim Visitor center wieder ausladen, irgendwie machte er aber einen hilflosen Eindruck und so boten wir ihm an, mit uns auf den Camping zu kommen wo er somit „gratis“ übernachten konnte. Irgendwie machte er keine anstalten uns zu verlassen und so kam es, dass wir irgendwie alle zusammen beschlossen, dass er die nächsten fünf Tage mit uns den Yellowstone erkundigen wird... :) Warum auch nicht!

Der erst 21jährige kam nach Amerika um Englisch zu lernen, was er mittlerweile recht gut kann. Er hat fast kein Geld und ist reist sehr einfach: Er hat nicht einmal ein Zelt, sondern schläft in einer einfachen Hängematte. Essen gibts bei ihm Brot zum Frühstück, Brot zum Zmittag und Brot zum Znacht... :) Dazwischen ein Apfel und ein paar Chips. Da führen wir im Gegensatz zu ihm ein richtiges Luxusleben. Denn am Abend hat es zum einen unzählige Mücken, zum andern wird es sehr frisch, es waren hier höchstens noch 5ºC. Wir haben dann unser Baluu, wo wir vor beidem mehr oder weniger geschützt sind... Aber wir finden es auch gut, dass es heutzutage noch so junge Leute gibt, die mit wenig auskommen und Abenteuer freudig sind! :)

Tag 2: 12.06.18 (Luki)

Als wir heute Morgen um 06:30 erwachten waren unsere Autoscheiben seit längerer Zeit wieder einmal gefroren. Noch nie haben wir Frost Mitte Juni erlebt aber hier im Yellowstone National Park ist das tatsächlich möglich! Meddy der die Nacht in seiner Hängematte verbracht hatte tat uns schon ein wenig Leid sobald wir dann aber mit Baluu unterwegs waren, bekamen wir alle ziemlich schnell wieder warm. Schon nach ein paar Fahrminuten sahen wir dann Autos am Strassenrand stehen und Leute, welche durch ihre Kameras und Fernrohre starrten. Natürlich gesellten wir uns dazu und konnten unser Glück kaum fassen, da sahen wir doch tatsächlich unseren ersten Bären hier in den USA. Der Grizzly war zwar etwas weit entfernt aber durch die Kamera konnten wir das Tier wunderbar beobachten. Unser heutiges Ziel war das Lammar Valley im Nordwesten des Parks, in welchem man sehr gut Wildlife beobachten kann. Auf unserer Fahrt dorthin durchquerten wir das wunderschöne Hayden Valley und stiessen dort auf diverse Bisonherden. Diese Bisons sind einfach eindrückliche Tiere und auch nach dem gefühlt hundertstem Tier, welches man gesehen hat bekommt man einfach nicht genug. Grosse, muskulöse, wilde und doch ruhige und gemächliche Tiere die man aber auch nicht herausfordern sollte. Es sind hier im Park schon Menschen ums Leben gekommen, weil sie diese Tiere unterschätzt haben. Nachdem wir die Passhöhe des Dunravenpass überquert hatten, fanden wir uns dann plötzlich in einer Autoschlange wieder. Alle Leute stiegen aus den Autos und liefen die Strasse herunter, was Rahel und Meddy dann auch taten, während ich im Auto blieb. Ein paar Minuten später kamen sie zurück und teilten mit, dass ein Schwarzbär am Strassenrand die Ursache für die Aufruhr sei. Langsam rollten wir dann der Strasse entlang weiter bis wir dann zum Ort kamen, wo der Schwarzbär war. Dieser überquerte ein paar Autos vor uns die Strasse, gefolgt von einem kleinen Bärchen :)! Wir konnten es nicht fassen, dass sich gewisse Touristen zu Fuss bis zu 2-3 Meter dem Tier annäherten um ein „gutes“ Foto zu schiessen! Eine Mutterbärin, welche sein Junges beschützen, will ist etwas vom gefährlichsten was man in der Wildnis antreffen kann! Zum Glück war die Bärin ruhig und es passierte nichts. Auf der Böschung auf der sich die kleine Bärenfamilie danach aufhielt, waren sie wieder sicher vor den Touristen! Wir wollen hier keine Moralpredigt halten aber einfach daran erinnern, dass es wilde Tiere sind, welche wir auf Reisen oder auch Zuhause in der Schweiz im Wald oder auf Wiesen antreffen und diese sollten wir mit dem nötigen Respekt behandeln! Nach der Aufregung durften wir dem kleinen Bären und seiner Mutter dann noch ein paar Minuten zuschauen und unter anderem sehen, wie der kleine auf einen Baum kletterte, um dort ein wenig zu Naschen. Ein unglaubliches Erlebnis, das uns für lange in Erinnerung bleiben wird! Wir sahen an diesem Tag neun, ja richtig gehört NEUN Bären ( 2 Grizzly einer davon mit Baby, und 6 Schwarzbären) und können es bis heute nicht fassen! Wir haben von Leuten gehört die schon mehrmals im Yellowstone waren und noch nie einen Bären zu Gesicht bekommen haben! Neben dem Bären beobachten wanderten wir auch viel an diesem Tag. Wir umrundeten den Trout Lake im Lamar Valley, machten die Lost Lake Wanderung bei der Tower Junction, sahen die Tower Falls und die Calcite Springs und absolvierten den Elephant Back Trail zum Feierabend! Zutiefst dankbar für diesen wunderbaren Tag und all die Bären die wir gesehen hatten schliefen wir dann richtig gut und schnell ein! 

Auch wenn die Bären das absolute Highlight des Tages waren, gab es noch einige andere Tiere die wir heute zu Gesicht bekamen: Koyoten, Elks, Murmeli, Pronghorns, Steinböcke (oder etwas in derselben Familie), Ospreys, Gänse und weitere schöne Vögel und verschiedene Eichhörnchen.

Tag 3: 13.06.18 (Rahel)

Auch heute stellten wir einen Wecker, damit wir möglichst viel vom Tag haben. Kurz nach 7:00Uhr verliessen wir den Campingplatz und fuhren wieder im östlichen Teil des Parks zuerst zur fishing Bridge, in der Hoffnung, wieder wilde Tiere beobachten zu können. Tatsächlich sahen wir in einiger Entfernung einige Elks auf einer Wiese am Fluss, die diese Wasserquelle nutzten. 

Danach fuhren wir zu den Mud Volcaons. Dort 

bestaunten wir brodelnde Tümpel, rauchende Quellen und staunten über den aktiven Boden unter uns.

Der Grand Canyon des Yellowstone National Parks war unser nächstes Ziel. Vom Artist Point auf dem South Rim Trail, hat man einen wunderbaren Ausblick auf den beeindruckenden Lower Fall. Von dort aus wanderten wir durch Wälder und Wiesen, vorbei an Seen und sahen einige Bisons. Die im Yellowstone wohnhaften Büffel, sind übrigens die Grössten ihrer Art in ganz Amerika. Sie wurden nie mit anderen Tieren ihrer Familie gekreuzt. 

Am späteren Nachmittag erledigten wir unsere Wäsche, genossen und Glace und machten nochmal einen kleinen Rundgang, den Pelican Creek Nature Trail. Tatsächlich konnten wir auch einen amerikanischen Pelikan bestaunen. 

Auf unserer fahrt zurück auf den Camping, kamen wir in den Genuss von Trompeter Schwans. Auch wenn wir heute keine Bären sahen, war es wieder ein wunderschöner und erlebnisreicher Tag und wir freuen uns bereits sehr auf Morgen, wo wir dann in den Westen des Parks fahren werden.

Tag 4: 14.06.18 (Luki)

Nachdem wir uns, wie jeden Morgen mit Haferflocken und einer Frucht (heute waren das Erdbeeren) gestärkt hatten, machten wir uns auf Richtung Westen. Am heutigen Tag haben wir uns die Region um den Old Faithful angeschaut. Um acht Uhr morgens waren wir beim Visitor Center und erkundeten uns nach den Eruptionszeiten der Geysire. Da die Eruption des Old Faithful Geysire auf 09:00 angesagt wurde, genossen wir einen guten Kaffee und warteten mit vielen anderen Leuten auf den grossen Augenblick. Um 09:10 war es dann soweit und die etwa 20`000 Litter Wasser schossen bis zu 50 Meter in den Himmel! Der Old Faithful ist nicht der aktivste und auch nicht der grösste aller Geysire im Upper Geysire Basin aber er bricht regelmässig ca. alle 90 Minuten (variiert zwischen 50-127 Minuten) aus und ist daher die Attraktion des Yellowstone National Park. Nachdem wir uns dieses Spektakel angeschaut hatten spazierten wir auf Wanderwegen und Holzstegen durch das Upper Geysire Basin und schauten uns die anderen Geysire an. Die meisten dieser Wasserspeier brechen so unregelmässig aus, dass man richtig Glück haben muss um sie zu beobachten. Es gibt aber auch ein paar kleinere Geysire welche regelmässig ausbrechen. Alle 7-10 Minuten erwacht zum Beispiel der Anemone Geysir, was sehr spannend ist da man so eine ganze Eruptionsphase beobachten kann. Das Upper Geysire Basin ist übrigens die grösste Ansammlung von Geysiren weltweit! Ansammlungen wie hier gibt es nur noch in Chile, Russland und in Island. Ein weiteres Highlight in dieser Gegend war für uns der Glory Morning Pool. Dieser mit heissem Wasser gefüllte Pool erstrahlt in allen möglichen Farben :) am besten einfach die Fotos anschauen... beschreiben nützt hier wirklich nicht viel! Mit hunderten anderen Leuten schauten wir uns dann noch ein zweites Mal den Old Faithful Ausbruch an und wir waren froh, dass wir am Morgen beim ersten Mal ein wenig mehr Platz hatten. 


Den Nachmittag verbrachten wir dann damit, uns diverse heisse Quellen, andere Geysire und brodelnde Schlammlöcher anzusehen. Der absolute Höhepunkt des Tages war dann aber der Besuch bei den Prismatic Springs! Der blau, gelb, orange, rot, braune See ist wohl allen schon einmal auf irgend einem Foto oder in einem Film vor die Augen gekommen. Fotos und Videos sind das eine, sieht man diesen Ort aber mit den eigenen Augen kommt man aus dem staunen wirklich fast nicht mehr heraus! Alles ist in einer solchen Perfektion geschaffen und sieht umwerfend aus! Hier trafen wir übrigens zum dritten Mal auf unserer Reise (nach dem Canyonlands NP und vor zwei Tagen hier im Yellowstone) auf Adam und Sarah die in der Schweiz leben und für drei Monate in Nordamerika unterwegs sind! Wir wanderten also ein wenig zusammen und redeten über Gott und die Welt. 


Die heutige Nacht werden wir auf dem Campingplatz in Madison verbringen. Dies ist im Westen des Parks. Morgen wollen wir dann zu den Mammoth Hot Springs im Norden von hier fahren. 

Tag 5: 15.06.18 (Rahel)

Als um 6.30Uhr der Wecker klingelte, ich die Kälte spürte und die dichten grauen Wolken am Himmel sah, wollte ich mich am liebsten umdrehen und weiter schlafen. Das taten wir natürlich nicht und ich bin sehr froh darüber. Denn nach unseren Haferflocken mit den restlichen Erdbeeren, machten wir uns auf den Weg zu den Artists Paints Pots. Nach einem kurzen Weg durch dichten Tannenwald, erreicht man die dampfenden Löcher, heisse Quellen und blubbernde Schlammlöcher. Die ganze Gegend schimmert in verschiednen Farben aufgrund von Mineralien und Bakterien. Einmal mehr staunten wir über die gewaltige Schöpfung! 

Die Wolken wurden dunkler als wir das Norris Geyser Basin erreichten. Verschiedene Rundgänge führen durch die Vulkanlandschaft und auch hier sahen wir kochende Quellen, wunderschöne Farben und wo das Auge hinreicht, kleine Öffnungen im Boden wo weisser Dampf empor steigt. Der geheimnisvolle Steamboat Geyser befindet sich ebenfalls im Norris Basin. Wenn man Glück hat, sieht man die selten stattfindende Eruption, bei der kochend heisses Wasser bis zu 120m empor geschleudert wird! Das ist doppelt- bis dreifach so hoch, wie der berühmte Old Faithful Geyser sein Wasser speiht. Niemand kann den nächsten Ausbruch voraussagen. Auf einer Informationstafel stand, dass er das letzte Mal am 4.Juni 18 ausbrach und es 4 Tage bis zu 50Jahren gehen kann, bis wieder ein solches Ereignis eintrifft. 

Ebenfalls in diesem Gebiet, findet man denn Swiss Cheese Pool. Aber ehrlich gesagt hat uns dieser eher wenig beeindruckt. Wir finden sowieso das Amerikaner nicht gerade Käsefeinschmecker sind...

Als wir uns auf dem Rückweg zu Baluu befanden, setzte dann der Regen ein. Für uns ist es das erste Mal seit Mitte April, dass wir Regen hatten! 

Kurz vor Mittag erreichten wir die Mammoth Hot Springs Terraces. Von diesen einmaligen Formationen mit all den Farben konnten wir uns beinahe nicht satt sehen! Schaut euch die Fotos an. Oder noch besser, besucht sie selbst! :)

Auch nach dem Mittag war es nicht viel wärmer und so gönnten wir uns einen heissen Kaffee und besuchten das lokale Visitor Center. 

Später machten wir noch eine Wanderung zu den Biever Ponds, sahen jedoch keine Bieber. Dafür ein Mule Deer und einige Elks (dies sind keine Elchs wie wir sie kennen). 

Heute war der letzte Abend zusammen mit Meddy, dem Franzosen, der uns seit 5 Tagen begleitet. Wir kochten Grill-cheese und Cinnamonrolls und tauschten einige Fotos aus. Es war eine neue Erfahrung für uns, mit jemandem Fremden zu reisen. Doch mit Willen, Flexibilität und Humor geht das wunderbar, wir hatten eine sehr gute Zeit zusammen. Morgen werden wir den Park verlassen und er wird ebenfalls weiter ziehen. Gerade jetzt wo wir uns so gut eingespielt haben zu dritt! :) 

An dieser Stelle möchten wir nochmals erwähnen, dass wir uns über jeden Besuch freuen! ;) 

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Grand Teton National Park

Wandern im Grand Teton National Park
Wandern im Grand Teton National Park

Nach dem höchsten Berg in dieser Region, dem Grand Teton ist der Nationalpark benannt. Eine mächtige Gebirgskette welche sich wie aus dem Nichts aus der Prärie gegen den Himmel erstreckt und dem Betrachter so ziemlich eindrücklich erscheint. Mit Höhen von um die 4000 m.ü.M gleichen diese Berge ein wenig den Alpen und wir fühlten uns beim Wandern fast wie Zuhause. An unserem ersten Tag im Park machten wir eine kürzere Wanderung zu zwei klaren Bergseen in welchen sich die umliegenden Berge wunderschön spiegelten. Am späteren Nachmittag besuchten wir das Visitor Center, erkundeten uns nach weiteren Wanderungen und schauten uns den spannenden Film über den Park an. Die Nacht verbrachten wir dann ausserhalb des Nationalparks in einem National Forrest, von wo aus wir einen super Ausblick auf die Teton Gebirgskette hatten. 


Am zweiten Tag im Park absolvierten wir dann eine grössere Wanderung. Wir stellten unseren Bus beim Jenny Lake ab, schnürten unsere Wanderschuhe und machten uns von dort aus auf ins Cascade Valley. Im Tal welches zu Fussen des Grand Teton liegt blühten viele Wildblumen und die Bäume und Sträucher waren saftig grün! Der zum Teil wilde Bergbach welcher durch das Tal fliesst führte wegen der Schneeschmelze eine grosse Menge Wasser mit sich, war aber an manchen Stellen auch schön flach und ruhig. Schon mehrmals durften wir auf unserer Reise feststellen, dass solche ruhigen Wasserstellen und Moore ideale Gebiete für wild lebende Tiere sind und heute hatten wir wieder einmal Glück! Wir durften eine prächtige Elchdame beobachten, inmitten dieser wunderbaren Bergkulisse, ein super Erlebnis. 


Das Ziel unserer Wanderung war der Lake Solitude. Stellt euch vor, die letzten 3.5 Kilometer wanderten wir nur noch im Schnee der hier immer noch etwa Hüfthoch die Bergwiesen bedeckte! Der See selber war immer noch gefroren und so durften wir Anfangs Juni ein wenig Winter erleben. Der Weg vom See zurück ins Cascade Valley war dann ziemlich lustig da wir die steileren Hänge auf unseren Schuhen herunterrutschen konnten. Erschöpft und glücklich kamen wir von der 26 Kilometer langen Tageswanderung zurück und richteten uns wieder im National Forrest ein. Nun wartet ein nächstes Highlight auf uns. Mehr darüber gibt es im nächsten Bloggeintrag zu lesen! 

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Bryce Canyon bis Salt Lake City

Ein Selfie aus dem Bryce Canyon
Ein Selfie aus dem Bryce Canyon

Als Abschluss unserer Erkundungstour durch den Süden Utas, besuchten wir den Bryce Canyon! Wie immer gestaltet es sich als schwierig, solch einen Ort zu beschrieben, da man für vieles was man gesehen hat, nie die richtigen Worte finden wird. Trotzdem probieren wir natürlich das gesehene und erlebte auf Papier (oder sollte man besser sagen, in die digitale Welt) zu bringen. 


Insgesamt drei Tage waren wir im Bryce Canyon. Die Nächte verbrachten wir nur ein paar hundert Meter vom Parkeingang entfernt, in einem wunderschönen National Forest. Gratis Übernachtungsmöglichkeit an einer top Lage, was will man mehr! Da wir am ersten Tag erst am späteren Nachmittag im Park eintrafen, sahen wir vom Canyon selber noch nicht sehr viel. Beim Besuch im Visitor Center konnten wir uns aber schon einmal die Wanderungen für den kommenden Tag aussuchen und uns das Parkvideo anschauen. 


Den zweiten Tag im Park verbrachten wir ausschliesslich mit Wandern was ein wunderbares Erlebnis war. Die erste Hälfte des Tages verbrachten wir im Canyon selber. Wandern inmitten der unzähligen Hodoos (Steintürme), welche in verschiedenen lachs- und weisstönen im Sonnenlicht erstrahlen, ist etwas wunderbares und man kann kaum genug davon bekommen. Am Nachmittag marschierten wir dann für mehrere Kilometer dem Canyon-Rim (der Canyon Kante) entlang und genossen die Aussicht auf die Steinformationen aus der Vogelperspektive. Hier stiessen wir aber auf erheblich mehr Mittouristen (vorwiegend aus dem asiatischen Raum) als noch am Morgen bei den strengeren Wanderungen im Tal. Nach mehr als 20 Kilometer wandern, hatten wir uns eine Eiscreme verdient :). 

Am dritten Tag im Park durfte unser Bus „Baluu“ dann auch noch ein wenig am Erlebnis teilhaben. Wir fuhren den Scenic Drive ab und steuerten dabei immer wieder Aussichtspunkte an, bei welchen wir einen kurzen Spaziergang machten oder einfach nur Fotos schossen. Ehrlich gesagt hatten wir es zum Schluss dann aber auch langsam gesehen, was nicht heisst dass uns dieser Platz nicht gefallen hätte aber drei Tage sind definitiv genug Zeit um dieses Schönheit zu bewundern. 


Unsere nächsten grossen Reiseziele liegen im Bundesstaat Wyoming. Wir füllten also den Benzintank und machten uns auf Richtung Norden. Einen kurzen Zwischenstopp legten dann aber noch in Salt Lake City ein. Ja, genau hier wo Simon Ammann an den olympischen Winterspielen 2002 als junger Bursche sein erstes Doppelolympiagold im Skispringen gewann. Eine historische Stätte für den Schweizer Wintersport! Vor der Leistung dieses Ausnahmetalents haben wir natürlich allen Respekt, die Skisprungschantze  schauten wir uns aber nicht an. Vielmehr galt unsere Aufmerksamkeit dem Temple Square im Stadtzentrum. Salt Lake City ist nämlich die „Hauptstadt“ der Church of Jesus Christ of Latter Day Saint, umgangssprachlich als Mormonen bekannt. Wir hatten während der letzten Wochen viel von den Mormonen gehört, da diese hier in Utah viele Gebiete als erste Europäer besiedelt hatten. Zudem wollten wir uns einmal ein eigenes Bild dieser „Religion“ machen um uns in Zukunft nicht mehr so fest auf Berichte oder Einschätzungen Dritter verlassen zu müssen. Mit einer jungen Schweizerin welche hier für 18 Monate auf einem Missionseinsatz ist durften wir interessante Gespräche führen und viel neues über die Mormonen erfahren. Wer Genaueres, oder unsere Einschätzung hierzu erfahren möchte, darf uns gerne per Nachricht kontaktieren. 


Wie schon erwähnt liegen unsere nächsten grossen Ziele weiter im Norden der USA. Unter anderem werden wir dort auf den ersten offiziellen Nationalpark der Welt treffen! Weisst du welcher das ist? :)  


Der Temple Square in Salt Lake City, Hauptstadt der Mormonen
Der Temple Square in Salt Lake City, Hauptstadt der Mormonen
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North Rim Grand Canyon

Unterwegs am North Rim des Grand Canyon
Unterwegs am North Rim des Grand Canyon

„Der North Rim bietet wohltuende Einsamkeit. Es gibt keine Shuttlebusse oder Busstouren. Keine Museen, keine Einkaufszentren, keine Schulen oder Tankstellen. Tatsächlich findet man hier lediglich eine klassische Lodge im Nationalpark am Schluchtrand, einen Campingplatz, ein Motel, einen Gemischtwarenladen und ein weitläufiges Wegnetz, das durch sonnige Wildblumenwiesen, schlanke Espen und hochgewachsene Ponderosa-Kiefern führt.“ Lonely Planet, USA Westen über den Nordzugang des Grand Canyons. 


Dem Einleitungstext unseres Reisführers können wir nur zustimmen - ausser das es mittlerweile eine kleine Tankstelle gibt. ;) Es ist sogar noch schöner dort, als es in Worte zu fassen möglich ist. 

Zum Parkeingang führt eine Strasse durch eine riesige, saftige Wiese, wo man Bisons, Rehe und Raubvögel bestaunen kann. Die Strasse geht weiter durch  einen Wald, wo die Bäume in verschiedenem grün leuchteten. An den Farben der Laubblätter schien es, als ob der Frühling erst gerade einzug hatte.

Und auch wenn wir selber Touristen sind, tat es sehr gut von den Menschenmassen weg zu kommen und die Natur zu geniessen. Zudem war es eine Wohltat, all das grün und wiedermal Bäume zu sehen, nach wochenlangem Aufenthalt in den Wüsten.


Wir unternahmen mehrere kleinere Wanderungen zu Aussichtspunkten über den Canyon. Unter anderem zum höchsten Aussichtspunkt des ganzen Grand Canyons der sich 2684m.ü.M. befindet. Der ganze North Rim liegt übrigens 300m höher, als der gegenüberliegende, bekanntere South Rim. Zum tiefsten Punkt, wo der Colorado River fliesst, sind es über eine Meile (eine Meile=1.6km).

Auf der Nordseite gibt es nur einen Wanderweg, der in den Canyon hinab führt. Und diesen wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Steil und im Zick-Zack ging es hinunter in die Schlucht. Auf dem Rückweg sahen wir eine Schlange, die in aller Ruhe vor uns den Wanderweg überquerte! Das war sehr schön zu beobachten, denn ausser im Zoo sahen wir noch nie ein so grosses Exemplar. :)


Übernachtet haben wir jeweils in einem National Forest, ein wenig ausserhalb des Nationalparks. Die Nächte waren angenehm kühl und am Morgen erwachten wir mit Vogelgezwitscher. 

Ein lustiges Erlebnis in diesem Wald war, als wir bei Dunkelheit austreten mussten und wir ein rascheln in den Büschen um uns herum wahrnahmen. Als Luki mit der Taschenlampe in die Dunkelheit leuchtete, waren etwa ein Dutzend im Licht reflektierende Augenpaare auf uns gerichtet! Erst nach einer Schreckenssekunde realisierte ich, dass es friedliche Rehe waren. Sie liessen sich auch nicht weiter von uns stören und führten ihren Weg unbeeindruckt fort. :)


Luki gefiel der North Rim fast ein wenig besser als der South Rim, unter anderem auch, weil es viel weniger Besucher hatte. Ich kann mich (wie in verschiedenen Dingen im Leben ;)) nicht entscheiden, ob mir eine Seite besser gefiel als die andere. Ich empfinde beide als wunderbar, schön!

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Antelope Canyon und Horseshoe Bend

Horseshoe Bend

Nach dem Besuch im Zion National Park fuhren wir Richtung Osten, durch flimmernde Wüsten nach Page. Dort befindet sich der tief blaue Lake Powell, der zweitgrösste von Menschenhand geschaffene See der USA (Der grösste ist der Lake Mead, von welchem wir bereits berichtet haben). Der Glen Canyon Damm staut Unmengen an Wasser zurück und durch die gewonnene Elektrizität in den Kraftwerken, werden 5 US Staaten mit Strom versorgt. 

Auch wenn wir im Visitor Center einiges über das grosse und interessante Projekt lernen konnten, war das nicht der Grund, warum wir in diese Region kamen. Sondern weil sich der Antelope Canyon hier befindet. 

Vor 10Jahren besuchte ich diesen Slot Canyon bereits mit meiner Familie und hatte ihn seitdem als mein „schönster Ort der USA“ in Erinnerung.

Er befindet sich in einem Indianer Reservat und ist heutzutage sehr bekannt und beliebt. Leider sind auch die Eintrittsgebühren dementsprechend hoch. Lange überlegten wir ob es uns Wert ist, soviel Geld auszugeben, doch schliesslich buchten wir eine Tour. 

Im Hauptgebäude versammelt traf uns beinahe der Schlag, als wir nun mit eigenen Augen sehen konnten, WIE viele Leute Ansturm auf das Naturspektakel machten. Die ca. 70Personen für die 12:00Uhr Tour wurden in 5 Gruppen eingeteilt und jede Gruppe spazierte zum Eingang des Antelope Canyons. Dort stellten wir uns dann etwa 30min in die Warteschlange. Unser Guide war ein ca. 16jähriger Indianerjunge und war mehr oder weniger motiviert, seine schon 4. Tour an diesem Tag zu leiten... ;P

Doch nachdem wir die steile Treppe hinunter in den Canyon stiegen, waren uns diese Kleinigkeiten egal. Die ausgewaschenen Sandsteinwände sind einfach atemberaubend schön! Es ging nur sehr langsam, in Einerreihe voran. Dafür hatten wir mehr Zeit um all die Schönheit zu bestaunen. Unser Guide schoss ab und zu ein paar Fotos mit unserem Handy und erklärte, welche Filter die Farben am besten hervorheben. Verrückt was heutzutage alles möglich ist! :P Er machte uns auch auf einzelne Steinformationen aufmerksam, die wie Tiere oder Menschen aussehen. Seht selbst in den Fotos! 


Nach einer guten Stunde und mehr als 250 Fotos reicher, erreichten wir  den Ausgang der Schlucht. Trotz allem hat es sich meiner Meinung nach sehr gelohnt und es ist nach wie vor einer meiner Lieblingsorte in den Staaten!


Nur knapp 10km vom Antelope Canyon entfernt, befindet sich der Horseshoe Bend. Der Colorado River schlängelt sich an dieser Stelle Hufeisenförmig um einen Felsen. Ein etwa 1.5km langer Spazierweg durch heissen Wüstensand, führt zu einem  Kliff, von wo aus das Naturwunder bestaunt werden kann. 


Speziell an den beiden Attraktionen ist, dass sie beide leicht zu übersehen wären. Der Antelope Canyon ist „nur“ ein Riss in der Erde, welcher an manchen Stellen nicht mal einen halben Meter breit ist. Von Oben sieht alles wie eine unspektakuläre, karge, Wüstenlandschaft aus und niemand würde ahnen, was für eine Schönheit sich einige Meter tiefer in der Erde verbirgt.

Auch die Schlucht, in welcher der Colorado River hindurch fliesst, sieht man von weitem nicht - ein kleiner Hügel aus Sand und einigen Büschen wie es rundum hunderte Kilometer weit gibt, trennt den Horseshoe Bend vom Highway.


Von Page aus fahren wir nun noch einmal zum Grand Canyon. Diesmal jedoch auf die Nordseite der grossen Schlucht. 

Adler
Adler
Frau mit im Wind wehendem Haar
Frau mit im Wind wehendem Haar
Bisonkopf
Bisonkopf
Indianerportrait mit Kopfschmuck
Indianerportrait mit Kopfschmuck
Sonnender Seelöwe (Stein) und Seepferdchen (Himmel)
Sonnender Seelöwe (Stein) und Seepferdchen (Himmel)
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Zion National Park

Der Zion National Park liegt südwestlich im Staat Utah und beeindruckt mit seinen hohen Felsen, steilen Klippen und vielen Farben. Ein Fluss schlängelt sich durch den Grund des Tales. Eine von vielen Wanderungen, führt übrigens durch genau diesen Fluss.


Im National Park taten wir, was wir auch in all den anderen Parks taten. Wir wanderten, bestaunten die Schöpfung, besuchten das Visitor Center und machten viele Fotos. Das Spezielle war aber, dass wir diesen Ort mit Freunden aus Kanada entdecken durften! Schon als wir uns Anfang März von der Familie Ruiz in Red Deer verabschiedeten, wussten wir von ihren Ferienplänen in den USA und versprachen, uns nochmals zu treffen.


Die Freude beim Wiedersehen war gross und es war schön, bis spät Abends mit ihnen am Tisch zu sitzen und zu plaudern. Wir Frauen kochten und backten zusammen, die Männer bastelten (so nennt es Reitschi die diesen Blogg verfasst hat, ich würde dazu eher „arbeiteten“ sagen...) am Stromnetz des Wohnanhängers der Familie Ruiz. Das Ehepaar hat einen 9 Monate jungen Sohn und dieser verzückte uns immer wieder mit seinem Lachen und den glucksigen Tönen, die er von sich gab. Sein Name ist Zion, so war der Besuch im Zion National Park doppelt speziell. 

Moises, Katelyn und Zion haben wir bereits im August bei unserem ersten Garagenbesuch in Red Deer kennen gelernt. Da war Zion erst gerade ein paar Wochen alt. Durch die 5 Wintermonate in Kanada durften wir ihn aufwachsen sehen und nun nach gut 2 Monaten wieder treffen - so schön zu sehen wie er sich entwickelt. :)


Insgesamt 5 Tage verbrachten wir zusammen auf einem Campingplatz. Am zweiten Tag verliessen wir Leeds, wo wir uns einquartierten erst gar nicht und genossen einen Tag ohne grosses Programm - es tat richtig gut einfach mal nichts zu tun und die vielen Eindrücke der vergangenen Wochen setzten zu lassen!


Am darauf folgenden Tag unternahmen wir dafür eine ca. 5 stündige Wanderung zum Angels Landing Point. Vor etwas mehr als 100 Jahren sagte mal jemand, der Felsen sei so steil, dass dort nur Engel landen könnten. Dieser Mann ahnte wohl nicht, dass dieser Ort ein paar Jahre später für viele Wanderer ein Traumziel ist. Man kann wohl sagen der Angels Landing Trail gehört zu den berühmtesten Wanderwegen der Welt und das zurecht! Entlang von steilen Klippen, an welchen es hunderte Meter senkrecht ins Tal herunter geht, führt der Trail durch. Die Ketten welche an vielen Orten befestigt sind, werden von den meisten Leuten gerne gebraucht. Die Aussicht vom höchsten Punkt des Trails ist einmalig. Das ganze Tal des Zion National Park liegt einem zu Füssen und das sieht schon sehr fantastisch aus! 

 

Einen Tag später ging es unter anderem zu den Narrows, neben Angels Landing der meistbesuchte Ort im Park. Die Wanderung startet mit einem ca. 2km langen Pfad, welcher in der Schlucht am Fluss entlang führt. Das Tal wird enger und enger bis der Fluss der einzige Weg bleibt, der weiter in die Schlucht hinein führt. Hier beginnen dann die Narrows (die Engen auf Deutsch). Wer also keine Lust auf nasse Füsse hat muss umkehren, was wir natürlich nicht taten. Etwa zwei Kilometer wanderten wir im Fluss aufwärts, was ein super Erlebnis ist. Eine herrliche Abkühlung mitten in der Wüste :)! Stundenlang könnte man den Fluss aufwärts wandern und die Schlucht würde dabei immer enger werden. Da wir aber mit einem Kleinkind unterwegs waren und nicht für eine Zeltübernachtung ausgerüstet, kehrten wir dann wieder um. Der kleine Zion wurde auf den Wanderungen jeweils von seinem Vater in einem Rucksackgestell mitgetragen. 


Die Zeit verging sehr schnell, doch wir genossen jede Minute mit unseren Freunden. Nach 5 Tagen trennten sich unsere Wege wieder und es zog uns weiter nach Page, Arizona. 


Übrigens bekamen wir von Katelyn mehrere kleine Geschenke überreicht von „unserer Familile“ aus Red Deer, bei denen wir im Winter wohnen durften! Solche Kleinigkeiten sind so kostbar und erwärmen das Herz. 

Unsere lieben Freunde aus Kanada, Pastor Moises, seine Frau Kately und ihr Sohn Zion
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Der Südwesten Utahs

Wandern im Canyonlands Nationalpark

Unser Aufenthalt in Colorado beschränkte sich auf den Besuch des Mesa Verde National Park. So waren wir ein paar Tage später in Utah unterwegs. Dass der Südwesten Utahs ein kleines Paradies ist, ist schon lange kein Geheimnis mehr! Einsamkeit findet man hier wohl nur noch wenn man mit einem Jeep für mehrer Tage in die spektakulären Canyons hineinfährt. Hält man sich an die normal zugänglichen Teile der Parks, muss man mit vielen Autos und anderen Touristen rechnen. Alles halb so schlimm, wenn man sich ein wenig in Geduld übt, denn was man hier an prächtiger Natur zu sehen bekommt entschädigt für vieles. 


Unseren ersten Stopp legten wir im Canyonlands National Park ein. Der riesige Park ist in drei Bezirke eingeteilt, die nicht miteinander verbunden sind und über separate Parkeingänge besucht werden müssen. Die Bezirke „The Needles“ und  „ Island in the Sky“ sind über mehr oder weniger gute Strassen mit dem Auto erreichbar. Wer das ultimative Abenteuer sucht, mit einem Jeep, genügend Proviant, Benzin und Ersatzrädern ausgestattet ist, besucht das „The Maze“ Gebiet welches nur über Schotterpisten erreichbar ist. Da unser Baluu doch schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat und wir das Risiko auf Schäden möglichst minimieren wollen, beschränkten wir uns auf den Besuch der „Island in the Sky“. Wir fuhren hier den Scenic Drive, machten ein paar kleinere Wanderungen zu Aussichtspunkten und umrundeten auf einer gut 15 Kilometer langen Wanderung den Upheaval Dome. Diese Wanderung hat uns beiden sehr gefallen. An ein paar Stellen musste man über grössere Steine bouldern, was mächtig Spass machte! 


Der Arches Nationalpark liegt nur ein paar Kilometer entfernt und war unser nächstes Ziel. Von mehreren Seiten haben wir erfahren, dass man sich hier auf viele Leute einstellen soll. Wir wurden nicht enttäuscht :). Im Wissen dass es von Leuten wimmeln wird, standen wir rechtzeitig auf und machten uns von unserem Übernachtungsplatz auf zum Nationalpark. Wir übernachteten während der Tage die wir in jener Gegend verbrachten übrigens immer auf BLM Land. Land das der Regierung gehört und auf welchem man vielfach gratis und legal für 14 Tage campieren darf, was uns natürlich sehr entgegen kommt. Als wir den Nationalpark erreichten, stellten wir fest, dass wir nicht die einzigen waren die einen Wecker gestellt hatten, es wimmelte schon von Autos und Leuten. Trotzdem durften wir einen wunderbaren Tag im Arches National Park verbringen. Wir schauten uns verschiedenste Sandsteinbögen im Park an und machten ein paar Wanderungen. Die Highlights waren zum einen der Landscape Arch der so lange ist, dass man unter ihm ein Footballfeld platzieren könnte und der Delicate Arch das Wahrzeichen des Bundesstaates. Nach einem vollen Tag hatten wir alle Sehenswürdigkeiten im Park gesehen und waren dann auch froh, konnten wir die Menschenmassen hinter uns lassen. 


Als Geheimtipp und nicht so überlaufen wie die anderen Nationalparks der Gegend, gilt gemäss unserem Reiseführer der Capitol Reef Nationalpark. Hast du schon einmal etwas von diesem Park gehört? Wenn nein, unbedingt nachholen, denn wir können sagen es ist ein „Geheimtipp“. Es mag hier nicht so spektakulär wie beim Grand Canyon sein und es gibt hier auch keine riesigen Sandsteinbögen aber der Park hat schon das eine oder andere zu bieten. In der Region um das Visitor Center, die Fruita heisst, haben sich vor längerer Zeit mormonische Siedler niedergelassen, mitten in der Wüste. Wo die Siedlung gebaut wurde, schlängelt sich ein Fluss durch den Canyon, der alles um sich herum in tiefen grün tönen gedeihen lässt. Ein paar der Häuser und ein Grossteil der Obstgärten aus dieser Zeit können heute noch besichtigt werden. In den Obstgärten können Besucher Früchte pflücken (wenn man zur richtigen Jahreszeit da ist) und im Gifford House werden verschiedene Utensilien und Köstlichkeiten verkauft. Wir gönnten uns einen hervorragenden Erdbeere -  Rhabarber Pie und einen Kaffee. Mhmm war das lecker. 

Auf dem Campingplatz im Tal erhaschten wir dann noch den letzten freien Stellplatz für die Nacht und machten uns danach auf um eine Wanderung in der Gegend zu absolvieren. Als wir am Abend auf den Campingplatz zurück kamen, staunten wir nicht schlecht als gleich neben unserem Platz der rote Mercedesbus unserer Schweizer Freunde stand, die wir vor ein paar Tage im Monument Valley getroffen hatten. Wir hatten während der letzten Tage schon ab und zu Kontakt per Email, wussten aber nie sicher wann und wo wir jeweils die Nächte verbringen werden. Die Freude sich wieder zu sehen war um so grösser und wir verbrachten einen weiteren, lustigen, spannenden, unterhaltsamen Abend zusammen bevor sich unsere Wege am nächsten Tag für unbestimmte Zeit wieder trennten. Vielleicht werden wir die Guten nochmals treffen, wenn alles wie geplant läuft sollten sich unsere Wege im Nordosten der USA nochmals kreuzen! Wir wünschen der Familie von Arx auf jeden Fall eine tolle und erlebnisreiche Weiterreise und hoffentlich bis bald :)! 


Bei uns geht es weiter Richtung Zion National Park, wo wir auf Freunde aus Kanada treffen werden. Alles dazu im nächsten Blogg. 

Unterwegs im Arches National Park
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Ureinwohner und Monument Valley

Pueblos (spanisch Dorf), Navajo National Monument

Etwas Nord-östlich vom Grand Canyon beginnt das Navajo Reservoir. Ein Gebiet, dass dem Navajo Indianerstamm, einer von den vier grossen in dieser Region wohnhaften Stämme, angehört. Hier leben Ureinwohner, mitten in der Wüste zwischen Stein- und Felsformationen. Es ist warm bis heiss und wir fragten uns mehrmals, ob die Leute wirklich schon immer hier in der trockenen Wüste, wo nichts zu gedeihen scheint, gelebt haben oder ob sie hierhin vertrieben wurden. 


Im Navajo National Monument fanden wir Antworten: 800 jährige Ruinen in einem Canyon bezeugen von einem Leben in dieser Region. Hier waren Ancestral Pueblo-Indianer (ein weiterer, von den vier grossen genannten Indianerstämmen) wohnhaft. Sie lebten aus der Selbstversorgung von angepflanztem Mais, Bohnen und Kürbissen, gejagten Tieren und wilden Pflanzen.

Speziell ist, dass sie ihre Häuser in eine Felsgrotte bauten und so vor Regen und starker Hitze geschützt waren. Durch den Schutz vor Wind und Wetter, sind die Ruinen noch recht gut erhalten - nur Steinschläge liessen gewisse Gebilde einstürzen. Sogar Felsbemalungen sind nach wie vor gut zu erkennen. Eindrücklich ist, wie sie ihre Häuser bauten. Es gab noch keine Werkzeuge wie heutzutage, trotzdem stellten sie ziegelsteinförmige Klötze aus Sandstein her! Diese verbauten sie zusammen mit Lehm, Sand, Kies und Wasser, so dass quadratische Häuser entstanden. 

Leider ist nicht viel über die Geschichte der damaligen Einwohner bekannt. Man nimmt an, dass sie von 1250 bis 1300 n.Ch. In den beeindruckenden bauten gelebt haben. Archäologen fanden Anfang der 1900 Jahre Mais, Töpferwaren, Schmuckstücke und einen noch nicht ganz verfaulten Kürbis in einem der zugemauerten Häuser. Es ist anzunehmen, dass sie vorhatten, wieder an diesen Ort zurück zu kehren und darum Vorräte gelagert haben. 

Im Visitor Center des  Navajo (ausgesprochen Nawahao) National Monument meldeten wir uns für eine Tour zu den Steinhäuser an. Um 8.15Uhr begann die kostenlose, von einer Navajoindianerin geführte Wanderung, hinab in den Canyon. Zu unserer Freude waren wir die einzigen und hatten so gute Gelegenheit um Fragen zu stellen.  Zum Beispiel haben wir erfahren, dass die Menschen dazumal nur ca. 50 Jahre in den Behausungen lebten. Man weiss den Grund für den kurzen Aufenthalt nicht, es gibt jedoch verschiedene Theorien: Wasserknappheit, Religiöse- oder Kulturelle Auseinandersetzungen oder Vertreibung durch andere Stämme. 

In Felsen eingravierte Zeichnungen, nennt man Petroglyphen. Diese sind bis heute gut erhalten und zeigen Bighornsheeps, Handabdrücke und einige Symbole von verschiedenen Stämmen. 


Nur ein schmaler Weg führte zum Eingang des kleinen Dorfes. Um zu den  Häuser im hinteren Teil der Grotte zu gelangen, musste man über die Dächer der davor gebauten Häuser steigen. 

Die Indianerin erzählte von verschiedenen Bräuchen, die bis heute gepflegt werden. Z.B. Ist es üblich, dass wenn ein Mann eine Frau heiratet, reitet er zu Pferd zu ihr und ihrem Elternhaus. Der gerittene Sattel ist ein Hochzeitsgeschenk vom Bräutigam an die Braut. Dieser Sattel wird dann im Haushalt aufbewahrt. Wenn die Frau ihren Mann nicht mehr will- sei es ob er fremd gegangen ist oder was auch immer, stellt sie den Sattel vor die Tür. Wenn der Mann nach Hause kommt und den Sattel sieht, nimmt er ihn und geht. Er hat kein Recht mehr, seine Sachen zu holen oder Fragen zu stellen. (Dieser Brauch wird von den Navajo Indianern gelebt, wir wissen nicht ob auch andere Stämme gebrauch davon machen.)


Luki stellte unter anderem die Frage, wie es für sie ist, nicht mehr so zu leben wie damals. Unsere Führerin wirkte traurig als sie erzählt, dass viele Traditionen verloren gegangen sind und die Stämme und Clans immer kleiner werden. Denn nur wer Indianerblut heiratet, bleibt im selben Stammbaum. Wer mit einem Ausländer liiert ist, gründet einen komplett neuen Stamm. Heutzutage leben meist nur noch ältere Menschen in Lehmhütten oder Zelten. Viele haben Häuser oder zumindest eine Baracke. Noch nicht alle haben fliessend Wasser und Strom, jedoch immer häufiger. 

Es ist keine schöne Vorstellung, wie es für die Ureinwohner sein musste, von „den Weissen“ verdrängt worden zu sein. 

Die meisten Kinder der Navajo Indianer gehen heutzutage wieder in eigene Schulen und lernen nach wie vor ihre Muttersprache. Im Navajo Reservat gibt es zudem eine eigene Regierung. Das amerikanische Gesetz kommt nur bei besonders schweren Verbrechen zum Zug.

All dies lernten wir an diesem sehr interessanten Morgen.


Noch am selben Nachmittag fuhren wir weiter zum Monument Valley. In unserem Reiseführer steht, dass dies ein Traumziel für jeden Roadtripp ist. Dies können wir nur bestätigen! Die hohen Mesas und und roten Felsen sind einmalig und sehr eindrücklich! 

Mit Baluu ging es über eine holprige, zum Teil sandige Schotterpiste zu verschiedenen Aussichtspunkten. Wir schossen unzählige Fotos und nach jeder Kurve dachten wir, das ist nun der schönste Winkel... :)

Gegen Abend suchten wir ein Übernachtungsplatz und fanden ein schönes Tippidorf wo wir parkierten. 

Zu unserer grossen Freude kam dann noch eine Schweizer Familie dazu. Wir waren bereits seit einigen Tagen in Email-Kontakt, leider hatten wir beide selten Internet so dass wir einander mehrmals verpassten. So wurde es ziemlich spät an diesem Abend, aber wir genossen es mega, auszutauschen, zu lachen und zu reden. Die Familie ist ein gutes Beispiel dafür, dass man auch mit Kindern reisen kann - sie haben nämlich einen einjährigen Sohn mit auf ihrem Abenteuer dabei. :)

Am nächsten Tag trennten sich unsere Wege gegen Mittag wieder - vorübergehend. In den nächsten Bloggs werden sie nochmals auftauchen... :)


Einen Tag später waren wir bereits ein US Bundesstaat weiter, in Colorado. Dort besuchten wir Mesa Verde, was übersetzt „grüner Tisch“ bedeutet. Der gleichnamige Nationalpark wurde 1906 gegründet und beherbergt über 700 Jahre alte Steinhäuser, gebaut worden von Ancestral Pueplo Indianern. Die Häuser wurden aus Sandstein, Dreck und Wasser in die Sandsteinfelsen hinein gebaut und waren teilweise mehrere Stockwerke hoch. Treppen gab es keine, um in die Siedlungen zu gelangen, musste man gut klettern können! Die Menschen lebten, wie auch zuvor schon beschrieben, aus der Selbstversorgung. Auf den Mesas, d.h. oben auf den Tafelbergen, bauten die Indianer Mais, Bohnen und Krübisse an. Sie jagten, töpferten, nähten, woben, bastelten und pflegten Traditionen. Auch von diesen Menschen ist leider nicht viel näheres bekannt. Archäologen fanden viele verzierte Töpfe, Kleiderresten, Werkzeuge, Schmuck und auch noch gut erhaltene Maiskörner. Die Gegenstände kann man in einem kleinen Museum bestaunen. 


In diesem National Park war es möglich, mit einer geführten Tour die Bauten aus nächster Nähe zu besichtigen! So kauften wir uns Ticket und wurden mit ca. 30 anderen wissensdurstigen Touristen von einer Jungen Parkrangerin zum Balcony House geführt. Um dorthin zu gelangen, musste man nach einer kurzen Gehstrecke eine etwa 10 Meter hohe Leiter erklimmen. Die Steinhäuser aus so nah zu sehen, war ein spezielles Erlebnis. Wir lernten, dass die kleinen Öffnungen in den Wänden keine Fenster waren sondern Türen. Und die davor gebauten Balkone waren die Gehwege zum jeweiligen Haus! Auch hier mussten die Menschen teilweise über die Dächer ihrer Nachbarn klettern, um zu ihren eigenen Wohnung zu kommen. 

In jedem Dorf, gab es mindestens eine Kiva. Dies ist ein rundes, meist in den Boden gebautes Haus, welches als Gemeinschaftsraum und für Zeremonien gebraucht wurde. Alle Kivas in Mesa Verde haben als spezielle Eigenschaft eine schlüssellochförmige Form, heisst sie sind nicht ganz Kreisrund. Bis heute ist unklar, wieso die Kivas in Mesa Verde diese Form haben und von allen anderen gefundenen Kivas in Nordamerika, abweichen. 

Die Leiter, welche ich vorhin erwähnt habe wurde von dem Nationalpark gebaut. Die ursprünglichen Bewohner mussten eine ca. 20m hohe gerade Felswand hinab- bzw. hinaufklettern und dann durch einen kleinen Tunnel kriechen um zu ihrem Dorf zu gelangen! Die Felswand war steil am abhang und es gab noch keine Absperrungen. Ich staune, dass dort jung und alt ein und aus ging! Auch die Siedlungen hier in Mesa Verde wurden Ende des 12. Jahrhunderts nach Christus, auf einen Schlag verlassen. War es die Dürre die während dieser Zeit in der Region herrschte der Grund für das weiterziehen der Leute? Wurden sie bedroht und mussten fliehen? Fragen die bis zum heutigen Tag offen stehen und vielleicht nie mehr beantwortet werden können. 


Einmal mehr lernten wir viel, haben grossen Respekt mit wie wenig die Menschen auskamen und wie viel kreative Ideen sie hatte!

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The Grand Canyon

Aussicht über den Canyon vom Dessert View Point

„Man muss den Grand Canyon mit eigenen Augen gesehen haben, alle Worte und Fotos können nicht beschreiben was einem hier erwartet“. Dies steht in unserem Reiseführer und wir müssen sagen mit diesem Satz wurde der Nagel auf den Kopf getroffen. Es ist einfach atemberaubend wenn man an der Kante dieser Schlucht steht und so tief in die Erd- und Gesteinsschichten hinabschauen kann, wie sonst nirgends auf der Welt. Da alles beschreiben der Farben und Formen gar nicht möglich ist, belassen wir es hier dabei und raten euch einfach einen Blick auf die Fotos zu werfen. 


Nicht wie ein Grossteil der vorwiegend asiatischen Touristen verbrachten wir nur ein paar Stunden im Park, sondern durften diesen Ort richtig auskosten. Vier Tage verbrachten wir im Park und durften so manches erleben. Am ersten Tag nutzten wir die Sanitären Anlagen im Park, machten unsere Wäsche, duschten und füllten unsere Wasser- und Duschtanks auf. Danach genossen wir noch einen kleinen Spaziergang und erhaschten die ersten Blicke auf den Canyon. Übernachtet haben wir übrigens immer kurz ausserhalb des Nationalparks, in einem National Forest. Wie in vielen National Forests, ist hier das campieren in der Wildnis erlaubt und zudem gratis, was es für uns zu einem optimalen Ausgangspunkt machte. 


Am zweiten Tag ging es entlang dem Bright Angel Trail hinunter in den Canyon. In ungefähr sechs Stunden wanderten wir dem Trail entlang bis zum Plateau Point, von dem man einen spektakulären Blick auf den Colorado River hat und von dort, wieder zurück zum Ausgangspunkt beim Canyon Village an der Schluchtkante. Leider ist es nicht möglich (möglich wohl schon aber nicht empfohlen), in einem Tag bis ganz hinab ins Canyon zum Colorado River und zurück zu wandern und uns nun durchaus verständlich wieso. Hat man nämlich seinen Zielpunkt / Aussichtspunkt im Canyon erreicht, fängt die Arbeit erst richtig an. Nun muss man sich nämlich wieder an den steilen Aufstieg aus dem Canyon heraus machen, was bei 30-40 Grad und immer voll der Sonne ausgesetzt, eine spannende Herausforderung ist und selbst den best trainierten Wanderer den Schweiss ins Gesicht treibt. Nach den Anstrengungen gönnten wir uns dann ein super Glace in der Eisbude. Übrigens ein super Geschäft, die Schlange war jedesmal, wenn wir vorgingen riesig!



Plateau Point, Bright Angel Trail, Aussicht auf den Colorado River

Auch am Tag drei im Park ging es wieder bis tief in den Canyon hinunter. Dieses mal aber auf dem South Kaibab Trail der nochmals ein bisschen schwerer zu bewältigen ist als der Bright Angel Trail. Der Weg ist ein wenig steiler und hier gibt es keine Zwischenstationen mit Wasser. Heisst, man trägt eine gute Ladung Wasser mit sich (3-4 Liter pro Person, die man übrigens auch braucht, unsere Flaschen waren nach der Wanderung leer). Da wir nur einen Rucksack dabei haben, durfte Luki sich die extra 10 Kilo an den Rücken hängen und so ein kleines Zusatztraining absolvieren. Als wir dann auf unserem Weg ins Tal noch an zwei Mauleselkaravanan vorbeikamen, die Touristen oder auch Waren ins Tal und zurück tragen, konnten wir sehr gut mitfühlen was das für eine strenge Arbeit für die Tiere ist. Hier noch ein Fakt für die Wissensdurstigen unserer Leserschaft: Ein Maulesel ist eine Mischung zwischen einem Pferd und einem Esel. Ein männlicher Esel und ein weibliches Pferd verbringen ein paar hübsche Stunden zusammen, was dann zur Zeugung eines Maulesels führt! Die guten Eigenschaften von Pferd und Esel machen den Maulesel zu einem ruhigen, starken Arbeitstier! 


Am letzten Tag wanderten wir dann noch etwa 12 Kilometer dem Canyonrim entlang und stiessen hier immer wieder auf wunderschöne Aussichten. Beim Dessert View Point durften wir am Abend einen romantischen Sonnenuntergang geniessen (keine Angst / Hoffnung, romantische Sonnenuntergänge machen nicht schwanger). Die Tage am und im Grand Canyon, waren für uns ein weiterer Höhepunkt unserer Reise, an den wir uns wohl noch lange und gerne zurückerinnern werden. 

Auf dem South Kaibab Trail
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Phoenix und die Route 66

Der Hoover Damm

Nach den vier Tagen im niemals schlafendem Las Vegas, all den Lichtern und Shows, waren wir froh als wir wieder Asphalt unter den Rädern hatten. Unweit von Las Vegas entfernt machten wir einen kurzen Stopp beim Hoover Damm. Der 220 Meter hohe Staudamm staut den Colorado River an und bildet so den grössten von Menschenhand geschaffenen See in den USA, den Leak Mead. Ein Bauwerk das Lebenswichtig für die Menschen in der ganzen Region ist, da ein Grossteil des Wassers von hier bezogen wird. Der Damm wird dementsprechend geschützt. Jedes Auto wird, bevor es ins Gebiet eingelassen wird, kontrolliert und bei unserem Van mussten wir sogar alle Türen öffnen und den Officer hereinschauen lassen. Alles in allem ein sehr grosses und bewundernswertes Bauwerk dieser Damm und einen kurzen Stopp durchaus Wert!


Unsere Reise ging danach weiter Richtung Süden! Phoenix und der Hitze entgegen. Die Hitze und ein paar lange ansteigende Strassen machten Baluu dann ein wenig zu schaffen! Ein paar mal leuchtete die Öldrucklampe bei längeren Anstiegen auf, was uns den Spass am Fahren natürlich ein wenig nahm. Phoenix erreichten wir dann aber doch ohne weitere Probleme und fuhren hier direkt, eine auf VW-Busse spezialisierte Autowerkstatt an. Nach Absprache mit unseren Freunden in Kanada und den lokalen Mechaniker, die übrigens sehr freundlich waren, entschlossen wir uns einen Ölwechsel durchzuführen und Baluu ein bisschen dickeres Öl zu geben. Das Standart Öl welches wir verwendeten wurde bei der grossen Hitze und den langen Anstiegen wohl zu heiss und flüssig, was den Öldruck bei niedrigen Drehzahlen ins problematische sinken liess.


Nun konnten wir uns auf den eigentlichen Grund wieso wir den Weg nach Phoenix unter die Räder genommen hatten, konzentrieren :). Wir besuchten hier Tante Leni (die Tante von Luki‘s Vater, Schwester von Luki‘s Oma). Sie ist vor mehr als 67 Jahren mit dem Boot aus Europa geflüchtet und lebt seit dort in den USA. Am Anfang arbeitete sie in New York und kam dann über verschiedene Zwischenstationen wie zum Beispiel Los Angeles hier nach Phoenix. Da sie mittlerweile 94 Jahre alt ist, wohnt sie in einem Pflegeheim wo wir sie dann auch besuchten. Drei Tage waren wir in Phoenix und verbrachten jeweils ein paar sehr spannende, interessante und lustige Stunden mit ihr. Die restlichen Stunden des Tages verbrachten wir dann damit, uns auf irgend eine Art eine Abkühlung zu gönnen. Sei das nun im Schwimmbad oder bei einem Glace. Es war so heiss! Die Begegnung und die Tage mit Tante Leni haben uns sehr gefallen und ein Highlight war, als wir in die Schweiz skypen konnten und sich Leni und Luki‘s Oma das erste Mal seit fast zehn Jahren wieder sahen. 


Von Phoenix aus fuhren wir danach weiter Richtung Lake Havasu. Hier wird übrigens der Colorado River nachdem Hoover Damm nochmals gestaut. Von dort aus fuhren wir dann rund 250 Kilometer auf der legendären Mutter aller Strassen, der Route 66 bis nach Seligman. Eine fantastische und zugleich kuriose Fahrt! In Oatman trifft man zum Beispiel auf „wilde“ Esel die auf der Hauptstrasse des kleinen Westerndorfs, umherlaufen und gierig darauf sind, von den Touristen gefüttert zu werden. Natürlich entstehen dann tolle Fotosujets von Eseln auf den Holzstegen vor den Souvenirläden und so weiter! Man trifft auf viele alte Autos, lustige Restaurants, heruntergekommene Häuser und Souvenirläden. Ein krönender Abschluss bildet dann in Seligman das Roadkill Cafe. Moto dieses Schuppens: „You kill it, we grill it“. ;)


Von Seligman ist es nicht mehr weit bis zum nächsten Highlight unsere Reise, dem Grand Canyon! 


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Las Vegas

Von Parhump, einer kleinen Ortschaft mitten in der Wüste, fuhren wir Richtung Las Vegas. Bevor wir uns die verrückte Stadt anschauten, stoppten wir direkt bei einem Automechaniker, um unsere Winterpneus mit All-Seasonpeus auszuwechseln.


Als wir unseren Baluu wieder abholten, war die Zeit bereits ein wenig fortgeschritten und so suchten wir eine Wäscherei auf und erledigten diese Angelegenheit. Wie immer herrschte buntes treiben beim Wäschewaschen, was das Warten zu verkürzen schien. Danach ging es weiter zum Stratosphere Tower, wo wir uns auf einem gratis Parkplatz für die Nacht einrichteten. Dieser diente uns auch die folgenden 3 Nächte als Übernachtungsplatz. 


Als es dunkel wurde, begaben wir uns auf einen Abendspaziergang Richtung Downtown Las Vegas. Wir liefen an dutzenden „World Famous Wedding Chapels“ vorbei und als wir bei tausenden Lichtern, Schildern, anderen Touristen und mehr oder weniger bekleideten Künstler / Künstlerinnen ankamen, wussten wir das wir bei der berühmten Fremont Street angelangt sind. Der ganze Rummel mit all den Shows, Angeboten und vielen Leuten war uns nach den schönen ruhigen Nationalparks fast ein bisschen zu viel...


Am folgenden Tag, dem 03. Mai 2018 war unser 1 jähriges Reisejubiläum! :) Wie die Zeit doch vergeht! Am frühen Morgen wanderten wir vom Stratosphere Tower los, um den Strip mit seinen Casinos zu erkunden.  Beim berühmten, „Welcome to Las Vegas“ Schild, gab es ein paar Selfies, bevor es wieder zurück zu all den vielen Attraktionen ging. Unser Plan war, den Strip bei Dunkelheit zurück zu Baluu abzulaufen, um die vielen Lichter besser zu sehen. So verbrachten wir mehr als eine Stunde beim berühmten Hotel Bellagio und sahen uns gleich 3 Wasserspiele an. Zum Nachtessen gönnten wir uns einen Burger in der In-n-Out Fastfoodkette. 

Als es dann dunkel wurde, waren die Strassen noch mehr gefüllt mit Menschen. Beim Mirage Hotel sahen wir uns mit tausend Anderen, den künstlichen Vulkanausbruch an. 

Dank einem Insidertipp, wussten wir, wie man gratis auf den Stratosphere Tower kommt. :) So konnten wir gratis mit dem Lift hinauf und gönnten uns, zu unserem Jubiläum ein Cider, bzw. Ein Bier. Ein sehr schöner Abschluss des Tages! Vom Turm aus, sahen wir Lichter bis an den Horizont und wo dieser aufhörte, waren es dann die Sterne, die leuchteten. 


Den nächsten Tag gingen wir etwas gemütlicher an, mit Blogg schreiben, nach Hause Telefonieren und Kaffe trinken. Als es uns in der klimatisierten Shoppingmal mit gutem Wifi zu kalt wurde, spazierten wir wieder dem Strip entlang. Es gab immer neues zu entdecken. Wir hatten bereits einige Casinos von innen gesehen und schlenderten an diesem Nachmittag wieder zwischen den Spielautomaten hindurch, doch langsam kamen auch wir zum Entschluss, dass es in etwa immer das selbe ist. Luki und ich sind uns aber einig, dass das Bellagio eines der schönsten Hotels in Vegas ist, mit den hellen Glaskuppeln und einem sehr schön gestalteten Indoor-Garten. 


Ein wenig abseits des Strips, befindet sich das Restaurant „Fyerflies“, von dem wir dank unserem Reiseführer Lonely Planet, wussten. Dort assen wir Empanadas, eine südamerikanische Spezialität, bestehend aus gefüllten, frittierten Teigtaschen. Mmmhh, die waren gut und kitzelten unsere Vorfreude auf die südamerikanischen Länder! :)


Am Abend schauten „wir“ uns ein Eishockeyspiel in einem der Kasinos an. Zu Lukis Freude gab es im Mirage Casino 8 riesige Leinwände, auf denen Sportübertragungen liefen. Ich begnügte mich in dieser Zeit mit E-Mails beantworten und Blogg schreiben. ;)


Pflichtbewusst gaben wir dann später an diesem Abend noch 3 USD in verschiedenen Casinos aus. :) Reich geworden sind wir dabei aber nicht. Ganz zur Freude unserer Familien die sich nun sicher sein können, dass uns irgendwann das Geld ausgeht und wir wieder nach Hause kommen müssen :). Das liegt aber noch ein Stücken in der Ferne, hoffen wir! 





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Das Tal des Todes

Death Valley National Park! Das Tal des Todes! Klingt gefährlich, ist es heute dank den guten Strassen und den doch gut erreichbaren Infrastruktureinrichtungen aber nicht mehr so. Der Name bekam das Tal, als 1894 zwei Gruppen von Reisenden auf dem Weg in den Westen, mit über hundert Planwagen ins Tal kamen und wochenlang keinen Ausweg mehr fanden! Sie begannen sogar ihre Zugtiere (Stiere) zu essen und benutzen das Holz der Wagen um Feuer zu machen. Als sie dann einen Weg aus dem Tal fanden, drehte sich der Sage nach eine Frau um und rief „Goodbye, Death Valley“ ins Tal zurück...


Das Death Valley ist eine der trockensten Regionen der Welt. Hier wird es im Hochsommer gut und gerne mehr als 40 Grad heiss! Die Höchste, je aufgezeichnete Temperatur liegt bei 56.7 Grad und wurde im Jahr 1913 gemessen. 


Wir kamen vom Westeingang in den Park und machten hier einen kurzen Spaziergang beim Rainbow Valley. Ein in verschiedenen rot- und brauntönen schimmerndes Seitental, wo unter anderem auch Szenen aus den ersten Star Wars Filmen gedreht wurden, was Luki als Star Wars Liebhaber natürlich freute! 

Danach besuchten wir die Darwinfalls. Von der geteerten Strasse fährt man hier ca. 4km eine rumpelnde Kiesstrasse, bis zum Start der Wanderung nach hinten. Gleich zu Beginn der Kiesstrasse trafen wir auf ein Pärchen, dass der Strasse entlang wanderte, weil ihr Mietauto nicht wirklich geeignet für solche Strasse war. Rahel sprach die Leute an und fragte ob sie mit uns mitfahren wollen. So trafen wir Karina und Tobias aus Deutschland und verbrachten mit ihnen einen lustigen und unterhaltsamen Wandernachmittag ! Wir tauschten die Adressen aus und hoffen, sie besuchen uns irgendwann mal in der Schweiz oder wir sie in München. 


Wir übernachteten dann in einem etwas höher gelegenen Seitental um am nächsten Tag möglichst rechtzeitig aufzubrechen. Wir sahen am Abend noch wilde Esel, was wir sehr lustig fanden. Die Esel lebten ursprünglich nicht im Tal, sondern wurden vom Menschen „eingeführt“. Sie richten teilweise grossen Schaden an fragilen Planzen an und besetzen und beschmutzen Wasserquellen, welche einheimische Tiere auch nötig hätten, lasen wir später in der Parkzeitung. 

Früh morgens brachen wir am darauf folgenden Tag zu unserer geplanten Wanderung auf. Den höchsten Berg des Death Valleys, den Telescope Peak (3368 m.ü.M) erreichten wir fast 3 Stunden später und froren uns so richtig an die Ohren! Es war sehr kalt und windig dort oben. Wir waren eher auf Hitze vorbereitet :)! 

Am Nachmittag besuchten wir dann noch einige Sehenswürdigkeiten im Tal. Wir machten bei Badwater Basin, dem tiefsten Punkt in Nordamerika (-85.5 m.u.M) einen Spaziergang auf dem Salzsee, sahen uns die „Natural Bridge“ an, fuhren mit Baluu auf dem wunderschönen „Artistdrive“, spazierten auf den grossen Sanddünen und legten einen kurzen Stopp beim Golden Canyon ein, bevor wir uns auf dem Campingplatz einrichteten. 


Eine ca. 8 Kilometer lange Wanderung führte uns am nöchsten Tag durch den Golden Canyon. Das war ein super Erlebnis! Eine prächtige Landschaft aus farbigen Klippen, Felsformationen und Sand. Wir kamen ins schwitzen und es wurde gegen den Mittag schon ziemlich heiss im Canyon, aber jeder Schritt hat sich gelohnt! Als wir zurück zu Baluu kamen, hatten wir zwei Nachrichten von Schweizern an der Windschutzscheibe, was uns sehr gefreut hat! Das Death Valley verliessen wir danach Richtung Las Vegas. 


 

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Highway 395, Lake Tahoe - Alabama Hills

Vom wunderschönen Yosmite Valley fuhren wir nördlich Richtung Lake Tahoe. Die Landschaft war weiterhin frühlingshaft grün, die Temperaturen sanken aber wieder mit jedem Höhenmeter den wir vorwärts kamen. Bis wir dann die ersten Schneefelder sahen... Diese konnten wir immer noch sehen, als wir bereits den Lake Tahoe erreichten. Unser Ziel war, ein Übernachtungsplatz zu finden und am nächsten Tag eine Wanderung dem See entlang zu machen, wir fuhren dann aber von einem geschlossenen Campingplatz zum anderen. So kam es, dass wir an diesem Tag fast schon um den ganzen See fuhren - was eigentlich auch für den nächsten Tag geplant war. Schliesslich fanden wir ein schönes Plätzli zum Schlafen, in den Präriehügeln in der Nähe von Carson City. Eine Bergkette trennt den Lake Tahoe und die genannte Hauptstadt von Nevada. Die Landschaft ist ebenfalls sehr differenziert. Der Lake Tahoe, umgeben von viel Wald und Schneebergen und Carson fast schon eine Oase in den weiten der Prärie.
Am nächsten Tag ging es den Pass wieder hinauf und wir machten die geplante Wanderung dem wunderschönen, teils türkisblauen See entlang. Es roch herrlich nach frischem Tannkries und Pinienbäumen! 

Gegen Abend kamen wir auf einem Walmartparkplatz an, wo sich Luki noch um Baluu kümmerte. Wir fanden nämlich wieder zwei Öllecks.

Vor knapp 10 Jahren besuchte ich mit meiner Familie und Grosseltern die Geisterstadt Bodie. Ich habe die verlassene Stadt immer noch als ein Highlight in Erinnerung und wollte dies unbedingt mit Luki teilen. So kamen wir dann über eine teils geteerte, später holprige Kiesstrasse, inmitten von Prärie Hügeln, in Bodie an. 1859 wurde dort das erste Gold gefunden und die kleine Ortschft Bodie entstand. 1879 wurde eine profitable Goldader entdeckt und das Städtchen wuchs explosionsartig auf über 8000 Einwohner. Der Boom dauerte nur gut 2 Jahre, danach mussten einige Minen schliessen, da kaum noch von dem wertvollen Metall vorhanden war und der Goldpreis sank. 
Da es sonst keine nennenswerte Einnahmequellen gab, verliessen viele Menschen den Ort genauso schnell wie sie gekomen sind.
In Bodie gab es während seiner Blütezeit der Stadt 65 Saloons entlang der Hauptstraße, zahlreiche Bordelle, ein Chinesenviertel mit und einer Opiumhöhle, eine Eisenbahn, mehrere Zeitungen, sieben Brauereien und Kirchen verschiedener Religionen. 
Die Goldgräberstädte hatte einen sehr rauen und schlechten Ruf. Die nur noch spärlich belebte Stadt erlitt 1932 einen Grossbrand und die meisten Häuser und Gebilde wurden zerstört - bis auf die geblieben die man heute noch betrachten und bestaunen kann. Nach dem Brand lebte niemand mehr dort. Bodie gilt als die best erhaltene Geisterstadt der USA.

Wenn man dem Highway 395 Richtung Süden folgt, erreicht man den Mono Lake. Ein Besuch im Visitorcenter lehrte uns, dass das Wasser des Sees aus über 10% Salz besteht. Nur wenige Schalentiere können darin leben und dienen als Nahrungsquelle für tausende von Wasservögeln, die zum Nesten in diese Regionen fliegen. 
Die Stadt Los Angeles wird seit 1941 von zuführenden Wasserquellen des Sees versorgt. So kam es, dass der Wasserspiegel drastisch sank und sich der Salzgehalt des Sees weiter konzentrierte. Dies führte zu Kalktuff-Gebilde, welche bis heute als Sehenswürdigkeiten gelten. Viele von diesen Gebilden, stehen nun aber hunderte Meter vom Wasser entfernt auf dem trockenen, dort vo noch vor einigen Jahren tiefes Wasser war. Seit Mitte der 1990er Jahre steigt der Wasserspiegel langsam wieder an, dank einigen Naturschützern, die sich für den See und die Wasservögel einsetzen. Sie haben eine Begrenzung der Ableitung der zuführenden Wasserquellen errungen.

Gut 180km südlich vom Mono Lake, liegt das historische Manzanar am Highway 395. Im 2. Weltkrieg, nachdem Pearl Harbour von den Japanern angegriffen wurde, liess man alle japanischen Ausländer sowie japanisch-abstämmende Amerikaner der US Westküste und Alaska, festnehmen und sperrte sie in 16 verschiedene Reservoirs. Das Manzanar Relocation Center bestand aus 36 Blöcken mit jeweils 12 Baracken. In jedem Block waren bis zu 300 Personen untergebracht. Die primitive eingerichteten Baracken Siedlung war von einem rund 9km langen Zaun umgeben, der mit acht Wachtürmen ausgestattet war und von einer Einheit der Militärpolizei bewacht wurde. Bevor die Betroffenen in diese Reservate kamen, hatten sie 48h alles zu packen- sie durften aber nur das mitnehmen, was sie selber tragen konnten. Die Unterkünfte waren im Sommer warm und der stetige Wind brachte im Sommer ständig Sand in die „Wohnungen“, im Winter die eisige Kälte. Für Essen, Trinken, Toilettenartikel und die Kleider wurde gesorgt, wenn auch nicht im Überschwang. 
Ich habe noch nie zuvor davon gehört, so war das Museum sehr lehrreich und interessant. 

Ganz in der Nähe von Manzanar liegen die Alabama Hills. Sie sind bekannt für viele Filmszenen die dort gedreht wurden. Die schönen Steinformationen dürfen teilweise erklimmt werden und auch gratis Campen ist in dieser Area erlaubt. Das Angebot wird sehr rege genutzt, haben wir am Sonntag Abend bemerkt, als wir fast 45minuten für einen einigermassen ebenen Schlafplatz gesucht haben... 
Diesen fanden wir schlussendlich und durften wie auch die Nächte zuvor, einen wunderschön klaren Nachthimmel mitten im Wüstengebiet geniessen.
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Yosemite National Park

Nach den erlebnisreichen Tagen in San Francisco freuten wir uns wieder darauf, ein wenig in die Natur hinaus zu kommen! San Francisco hat uns sehr gut gefallen und wir freuen uns später im Jahr nochmals zurück zu kommen. Aber wir lieben es halt einfach in der Natur zu sein. Über Oakland fuhren wir aus der Stadt hinaus und legten zum Übernachten einen Halt in Stockton ein. 

„ Das "erbärmliche" Stockton hat knapp 300.000 Einwohner. Die Stadt hat mit einem Durchschnittsalter von 29 Jahren eine sehr junge Bevölkerung. Die Arbeitslosigkeit lag während der letzten drei Jahre immer über 14 Prozent und die Immobilienpreise rasselten im gleichen Zeitraum um 58 Prozent nach“ . Wie wir dann via Google erfuhren ist Stockton die unattraktivste Stadt der USA. Wir blieben somit nicht länger als geplant und fuhren Richtung Süden zum Sequoia National Park. 


Als wir uns dem Park näherten standen plötzlich Schilder am Strassenrand: „Schneeketten zu vermieten“, „Schneeketten zu verkaufen“ und wir fragten uns ob die Verkäufer wohl ihre Schilder von der Winterzeit noch nicht weggeräumt hatten. Es war nämlich ganz schön warm und von Schnee weit und breit keine Spur zu sehen. Als wir dann den Parkeingang erreichten wurden wir von der Parkwächterin aber eines Besseren belehrt! Ab ein paar Meilen vom Parkeingang aus herrschte nämlich Schneekettenpflicht! Kaum vorstellbar aber natürlich wahr! In den Bergen der Sierra Nevada lag noch ziemlich Schnee während im Tal, durch dass wir die letzten Stunden fuhren, Orangenbäume blühten welche die ganze Luft wie nach einem Parfum duften liessen. Eine kurze Wanderung zu Wasserfällen, welche über Marmorsteine plätschern konnten wir im Park dann aber doch noch machen.


Unser nächstes Ziel war der Yosemite National Park. Der Schriftsteller John Muir schrieb einmal über diesen Park: „Es ist bei weitem der grossartigste Tempel der Natur den ich je betreten durfte“. Nach 4 Tagen welche wir im Nationalpark verbringen durften, können wir dem nur zustimmen! Die Natur und Landschaft hier ist etwas vom schönsten was wir auf unserer Reise bis jetzt gesehen haben! Hunderte Meter hohe Wasserfälle die sich über steile Felsklippen ins Tal ergiessen, Berge und Felswände welche an rauher Schönheit nicht zu übertreffen sind, Wälder und nochmals Wasserfälle, man kommt aus dem Staunen kaum heraus. Millionen Besucher kommen jedes Jahr hierher, was man im Tal selber auch merkt, bewegt man sich aber ein wenig von den Ballungszentren weg und wandert für ein paar Stunden wird es schon viel ruhiger. Was wir natürlich taten. Wir wanderten innerhalb von 4 Tagen mehr als 80km! 


Unsere erste Wanderung führte uns von der Talsohle, über den 4-Miles-Trail Richtung Glacier Point. Auf halbem Weg war der Wanderweg durch ein Schild gesperrt. Nach einem kurzen Gespräch mit einer Wandergruppe die von der gesperrten Seite her kam, entschieden wir uns dazu, unsere Wanderung nach dem Schild trotzdem fortzusetzen. Die nächsten Kilometer verstanden wir dann auch nicht ganz was das „Wanderweg gesperrt“ Schild sollte. Der Weg war abgesehen von ein paar Schritten durch Schnee nämlich in einem einwandfreien Zustand. Einen Kilometer vor dem Gipfel verwandelte sich der Weg dann aber zu einer Schnee und Eispiste an steilen Abhängen. Es gab Leute die ihren Weg hier mit Steigeisen an den Füssen weiter gingen. Wir entschieden uns aber zur Umkehr da uns das Unterfangen ohne geeignete Ausrüstung doch ein wenig risikoreich vorkam. Am Nachmittag unternahmen wir dann noch eine kleine Wanderung zum nahegelegen Mirrorlake. 


Am zweiten vollen Tag im Park wanderten wir dann hoch zu den Upper Yosemite Falls und zum Yosemite Point. Eine Wanderung, welche sich steil den Berg hinauf schlängelt und zu atemberaubenden Aussichtspunkten führt! Die Yostemite Falls sind mit einer Gesamthöhe von 739m die höchsten Wasserfälle in Nordamerika. Ja, es war ziemlich spektakulär dort oben zu stehen und zu schauen, wie das Wasser über die Klippe schiesst und dann ins Tal fällt! Ein super Erlebnis und wohl die beliebteste Wanderung im Park. Das zeigte sich dann auch beim Abstieg (wir waren früh unterwegs um ein wenig vor den Menschenmassen auf der Wanderung zu sein). Ziemlich viele Leute waren noch mit dem Aufstieg beschäftigt, was kein Zuckerschlecken ist und wir sahen den eint- oder anderen „mutigen“ Zeitgenossen in Sandalen! Was uns schon ein wenig zum Schmunzeln brachte. 


Am letzten Tag im Park legten wir dann noch unsere längste Wanderung zurück. Eigentlich wollten wir nur zu den Vernan- und Nevadafalls wandern was was hin-und zurück etwa 8.5 Kilometer gewesen wäre. Als wir bei den Wasserfällen ankamen fühlten wir uns aber noch so fit und unternehmenslustig, dass wir unsere Wanderung entlang dem Panoramatrail fortsetzten. Ein wunderschöner Weg mit super Aussichten über das Tal und den Half Dome der uns zum Glacier Point führte. Zu dem Punkt also, den wir zwei Tage zuvor, wegen zu viel Schnee auf dem anderen Zugangsweg nicht erreicht haben! Da auch die Strasse die zu diesem Punkt führt zu dieser Jahreszeit noch gesperrt war, waren wir fast die einzigen Leute hier oben und genossen die Ruhe und Aussicht in vollen Zügen! Es hat uns sehr gefreut, den Glacier Point doch noch zu erreichen. Nach mehr als 30 gewanderten Kilometern kamen wir am Abend glücklich und erschöpft im Camping an! 


Falls es möglich ist, wollen wir den Yosemite National Park später im Jahr nochmals für ein, zwei Tage besuchen um auch noch den Half Dome zu erklimmen. Hierzu braucht man allerdings eine Bewilligung und muss warten, bis die Seile welche als Unterstützung hoch zum Gipfel führen, Ende Mai montiert werden. Wir hoffen es klappt :)! 

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Neues Video! Kanada Teil 2!

Wir freuen uns, euch Teil 2 unseres Roadtripvideos präsentieren zu dürfen! Mit einem Klick auf das Bild unten landet ihr direkt in unserem Cockpit und fahrt mit uns von Red Deer in Calgary nach Victoria in British Columbia! Auf was wartest du noch ;)? Spring auf! 

Ps. Wir arbeiten schon am nächsten Video, USA Teil 1 (Westküste). 
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San Francisco

Der Freitagnachmittag war sonnig und warm und mit jedem Kilometer den wir fuhren, wurde ich etwas aufgeregter. Dann, nach einem Tunnel sahen wir sie endlich, die Golden Gate Bridge! :) 


Unser erster Plan nachdem wir parkiert hatten war, Tickets für eine Tour nach Alcatraz zu kaufen, da wir aus mehreren Quellen wussten dass diese begehrt sind. Dies hat sich gelohnt, die nächst möglichen Plätze auf einem Boot waren nämlich erst am Sonntag frei. Alle Touren am Freitagnachmittag und Samstag waren schon ausverkauft. Mit den Tickets im Gepäck ging es weiter zum Pier 39. Hier kamen mir einige Erinnerungen auf, da ich vor fast 10 Jahren mit meiner Familie und Grosseltern schon Mal hier war. Der Pier besteht aus vielen kleinen Souvenirshops, Imbissbuden und kleinen Geschäften. Die nahegelegenen Stege werden von Seelöwen bewohnt und sind ein weiteres Touristenmagnet. Auch wir genossen es, den lustigen Tieren für eine Weile zuzuschauen. 


Vom Telegraph Hill aus, wanderten wir den Cable Car Schienen entlang bis zum Cable Car Museum. Das kleine gratis Museum beinhaltet die grossen Antriebe der Cable Cars und mehrere Informationstafeln über die Geschichte. Auch die Funktionsweise des Cable Car Systems wurde hier eindrücklich und für jedermann verständlich erklärt. Natürlich wollten wir auch mit dieser weltweit einzigartigen Bahn fahren und so kauften wir uns für je 7 Dollar ein Ticket und stellten uns zu den anderen Touristen in die Warteschlange. Der Start liegt direkt beim „Cable Car Turnaround“, wo die einzelnen Wagons noch mit Mannskraft auf einer Drehscheibe gedreht werden! :)

Die Fahrt durch die Stadt zurück zum Hafen verbrachten wir auf dem Trittbrett. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich erinnere, wie mein Vater vom Kondikteur freundlich darauf hingewiesen worden war, sich nicht zu sehr hinaus zu hängen... (gäll Papi ;)) Andere Touristen haben uns voller schrecken beobachtet, da wir sehr nahe an geprakten Autos und noch näher an den gegüber kommenden Cable Cars vorbei fuhren. :)


Auf dem 3.5km langen Fussmarsch zurück zum Parkplatz, kamen wir an Foodtrucks vorbei. Luki erinnerte sich davon gelesen zu haben, dass es jeweils Freitags, Samstags und Sonntags ein Foodtruckfestival gibt, immer an einem anderen Ort. Und da wir unser Tagesbudget noch nicht ganz aufgebraucht hatten, gönnten wir uns zwei kleine Burger mit Süsskartoffeln Pommes als Nachtessen. Der Tag endete mit einem wunderschönen Sonnenuntergang direkt hinter der Golden Gate Bridge.


Am Samstag erkundeten wir San Francisco mit einem Tandem! Schon lange war es mein Traum, einmal mit einem zu fahren. Die ersten paar Meter waren lustig und abendteuerlich, bis wir den „tramp“ etwas raus hatten. :) Unsere Route führte zuerst über die Golden Gate Bridge und zurück, danach weiter durch den Golden Gate Park und dann etwas kreuz und quer in der Stadt herum. Nach 6h fahren, tat mir mein Hinterteil ziemlich weh und ich spürte bereits den Muskelkater in den Beinen aufkommen. So war ich froh, als wir das Zweierfahrrad zurück brachten und zu Fuss weiter zogen. Trotzdem war es ein sehr tolles Erlebnis!  


Am Sonntag wanderten wir durch das ehemalige Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz. Eine Audiotour nahm uns zurück in die Zeit zwischen 1934 und 1963, wo ehemalige Offiziere und Gefangene von ihren Erlebnissen berichteten. So hörten wir zum Beispiel Geschichten über verschiedene Fluchtversuche der Gefangenen. Man weiss heutzutage aber von keinem einzigen Fluchterfolg. Drei Brüder, die mit Löffeln den Lüftungsschacht vergrösserten und dann eines Nachts hindurch aufs Dach kletterten und sich so befreiten, sind bis heute unauffindbar. Man nimmt an, dass sie in den Meeresströmungen umgekommen oder im kalten Wasser erfroren sind. Andere munkeln, dass sie es auf Südamerika geschafft haben und dort untergetaucht sind (Luki glaubt, dass diese Theorie die richtige ist. Wer befreit sich schon aus einem Gefängnis um nachher zu ertrinken, die Burschen haben sich schon etwas einfallen lassen). Tja, einige Dinge werden wir wohl nie erfahren...


Nun sind wir auf dem Weg ins Landesinnere. Die Stadt San Francisco mit ihren schönen Häusern, freundlichen und teilweise verrückten Leuten, urchigen Fischerkneipen und hippigen Quartieren werden wir aber auf jeden Fall nochmals besuchen, wenn wir die Westküste ein zweites Mal hinunter fahren. Bis jetzt ist sie unseres Empfinden nach, die schönste Stadt von Amerika! 

We love San Francisco!
Unser Übernachtungsplatz mit bester Aussicht!
Unser Übernachtungsplatz mit bester Aussicht! 
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Von Oregon nach Kalifornien

Die Stadt Seattle erkundeten wir zu Fuss mit gut 26‘000 Schritten, was ca. 16 km entspricht (laut iPhone Schrittzähler). Von der Mercer Island aus, wo wir auf einem ruhigen, gratis Parkplatz übernachteten, nahmen wir den Bus bis nach Downtown Seattle. Ein wunderschöner Frühlingstag kündigte sich an und wir genossen die warmen Sonnenstrahlen. Zuerst ging es am Meer entlang an Piers vorbei, dann weiter in den Kerry Park, wo man eine schöne Aussicht auf die Stadt mit ihrem Wahrzeichen, der Space Needle hat. Mitten in der Stadt blühten unzählige Magnolienbäume, was mich extrem freute und Luki mir irgendwann sagte, er wisse nun, dass mir diese Bäume gefallen... :)

Von dem, auf einer Anhöhe gelegenen Park, ging es wieder hinunter in die Stadt zum Pike Market. Ein grosser überdachter Markt wo man alles mögliche kaufen kann: Früchte, Gemüse, Fische, Meeresfrüchte, Honig, Kleider, Souvenirs, Pasta und noch vieles mehr. Unser Highlight der Stadt! Wusstet Ihr, dass Starbucks in Seattle gegründet wurde? Wir wissen es dank unserem Reiseführer „Lonely Planet“. Und so besuchten wir den „Starbucks Reserve Roastery & Tasting Room“. Das Hipster Lokal verkauft hauptsächlich verschiedene Kaffeesorten und Souvenirs, welche mehr oder weniger etwas mit Kaffee zu tun haben. Es gibt auch eine Kaffebohnenröstmaschine (mir fällt grad kein besseres Wort ein), diese war aber zum Zeitpunkt unseres Besuchs nicht in Betrieb. Dort werden die noch grünen Kaffebohnen geröstet. Natürlich wird dort auch Kaffee serviert. Aber nicht solcher, wie er in den Starbucks sonst angeboten wird. Es gab ganz spezielle Kaffeesorten mit noch spezielleren Sirups, Likören oder hochveganen anderen Mixturen. :) Da wir die meisten Angebote auf der Getränkekarte sowieso nicht verstanden, bestellte Luki einen klassischen Cappuccino und ich, ganz abendteuerlustig, einen Esspressomix mit Vanille-Ölsyrup. Was für ein Geschmackserlebnis! Wirklich ausgezeichnet!

Unseren Städtemarsch beendeten wir beim Seattle Footballstadoin und nahmen dann den Bus zurück. Ein sehr spannender und schöner Tag neigte sich dem Ende zu, aber etwas beschäftigte mich trotzdem am Abend. Es gibt sehr viele Obdachlose und Drogenabhängige. Ständig wird man nach etwas Kleingeld gefragt. Wie leid mir diese Menschen doch tun, so ohne Lebenssinn. Und wie gut wir es doch haben! 


Von Seattle fuhren wir südlich Richtung Portland. Auf dem Weg dorthin machten wir Halt bei einem Vogelreservoir und konnten dort Enten, Gänse, Vögel und mehrere Adler beobachten. 

Für anderthalb Tage blieben wir in Astoria. Dort besuchten wir ein kleines Museum, das Flavel House. Es wurde im Jahr 1885 erbaut und von Captain Geroge Falvel und seiner Familie bewohnt. Ich liebe solche alten Villen mit ihren Geschichten! :)


Aufgrund des regenerischen Wetters und weil auf vielen Pässen noch Schnee liegt, waren wir gedrängt, unsere Weiterreise weiter hinaus zu planen. Und so haben wir beschlossen, zuerst südlich der Westküste entlang zu fahren, weiter östlich ins Landesinnere zu all den schönen Canyons und Nationalpark (z.b. Yosemite NP, Grand Canyon) und dann wieder nördlich zum Yellowstone Nationalpark zu reisen. Und weil uns die Oregonküste so gut gefällt, werden wir diese dann noch einmal fahren. 

Durch das viele Fahren, verbrachten wir eine intensive Zeit mit Baluu. :) 


Im Redwood Nationalpark kamen wir in den Genuss von sehr, sehr grossen Bäumen. Sehr faszinierend! Mitten in diesem Nationalpark konnten wir auch Elks (dies sind Rentiere, keine Elchs wie wir sie kennen), von unserer Baluu-Dachterasse aus, beobachten. Die rauen und oft in Dunst gelegten Küstenstrassen sind so schön, dass einem das lange Fahren gar nicht so lang vorkommt. Wobei ich da nur für mich sprechen kann. Luki war nämlich die meiste Zeit gefahren und die hunderten engen bis sehr engen Kurven liessen ihn nachts jeweils gut schlafen.

Eines Tages machten wir relativ spontan Halt in einer Bucht, welche „Harbor Seal Pupping Area“ heisst. Dort sahen wir wenige Stunden alte Seehundbabys und wie sie ihre ersten robb- und schwimmversuche gemacht haben. Bei einigen war sogar noch die Nabelschnur zu sehen! Nach einer Weile tauchten weiter aussen im Meer noch Grauwale auf... was soll ich sagen! Es war unglaublich herzig und schön zum beobachten! 


Der letzte Stopp vor San Francisco war im Somona Valley im Sugarloaf Ridge State Park. Dort genossen wir nach dem vielen Fahren wiedermal eine schöne Wanderung. Im Oktober des vergangenen Jahres, hat es dort gebrannt. Viele Bäume sind darum kahl und schwarz. Trotzdem, oder eben darum, hatte die Landschaft ihren ganz eigenen Reiz, denn langsam beginnt sich der Boden zu erholen und neue Pflanzen drücken sich zwischen den Aschen und der verbrannten Erde hindurch. 


Im nächsten Blogg geht es weiter mit San Francisco! 

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USA here we are!

Nach den regnerischen Tagen im Norden von Vancouver Island, waren wir froh in Victoria wieder auf Sonnenschein zu stossen. Unser erster Stopp in der Umgebung von Victoria, waren die Buchart Gardens. Die Gärten wurden in einer alten Kiesgrube angelegt und gehören zu den schönsten Gartenanlagen in Kanada. Obwohl wir noch ein bisschen früh im Jahr unterwegs sind, blühten schon zahlreiche Blumen wie Krokusse, Narzissen, Primeli, Sternmagnolien, Kamelien, Hyazinthen und Rhododendronsorten (Die Aufzählung dieser Blumensorten gilt vor allem unseren blumeninteressierten Leserinnen. Für Rechtschreibfehler haften wir nicht). Auch durften wir zum ersten Mal dieses Jahr Kolibris beobachten. Der rund zweistündige Besuch im Garten hat sich sehr gelohnt und wir haben es sehr genossen. Am Nachmittag machten wir noch eine etwa 3 stündige Wanderung zu einem Aussichtspunkt, bevor wir dann weiter nach Victoria fuhren. 


Dank dem App iOverlander, welches wir seit dem Beginn unserer Reise zur Suche und Weitervermittlung von Übernachtungsplätzen nutzen, fanden wir einen super Parkplatz zum Übernachten. Mitten in der Innenstadt von Victoria, direkt am Hafen. Dort war für zwei Tage unser Zuhause.  


Victoria hat uns sehr, sehr gut gefallen. Neben Quebec unser Städtehighlight von Kanada. Die Stadt und Innenstadt ist nicht wirklich gross hat aber einen sehr speziellen Charme. Viele kleine Kaffees und Restaurants säumen die Strassen und laden zum Essen und Trinken ein. Wir schlenderten im Beacon Hill Park (dem Stadtpark von Victoria) umher und genossen die Sonne während wir von einem Bank aus den Vögeln und Leuten zuschauten. Der Fishermans Wharf ist ein „Stadtteil“, welcher es uns besonders angetan hat! Hier leben ein paar „verrückte“ Stadtbewohner in ihren farbenprächtigen Hausbooten auf dem Wasser. Auf dem Steg gibt es kleine Imbissbuden in welchen natürlich vorwiegend Fish and Chips serviert wird. Auch einem Seehund konnten wir hier vom Steg aus noch in die Augen sehen. Der schaute mit seinen grossen Kulleraugen richtig niedlich nach oben und wollte wohl zu einer leichten Mahlzeit kommen. Nach mehr als zehn Monate in Kanada, war Victoria unser letzter Stopp in diesem wunderschönen und grossen Land! Mit ein bisschen Wehmut machten wir uns am darauffolgenden Tag aber daran, das Land zu verlassen. Wir haben uns noch die Zeit genommen unsere Highlights in Kanada auf einer Liste zusammenzufassen und stellen diese Interessierten Personen gerne zur Verfügung! 


Mit der Fähre ging es von Victoria nach Port Angeles in den USA. Noch auf kanadischem Boden fanden die Grenzformalitäten für die USA statt. Nach längeren, ausführlichen Gesprächen mit den freundlichen aber strengen Grenzbeamten bekamen wir eine Bewilligung um erneute 6 Monate in den USA zu sein. Unser einjahres Visa wäre im Juni abgelaufen und die Zeit wäre so schon eher knapp geworden. Nun dürfen wir theoretisch bis Ende September in den USA sein bevor wir nach Mexiko ausreisen müssten. Den Grenzbeamten konnten wir für ihre Kooperation natürlich keine Schweizer Schokolade in die Hand drücken, es hat uns trotzdem sehr gefreut! 


Port Angeles im Norden der Olympic Penninsula war unser erster Stopp in den USA. Was uns hier als erstes wieder auffiel: die grossen Supermärkte haben wieder 24h geöffnet, die Leute sind sehr gesprächsfreudig, fast jeder hat die Nationalflagge vor seinem Haus aufgehängt und in Fast Food Ketten kannst du dir zu Preisen etwas zum Essen kaufen, die dich wirklich überlegen lassen ob du überhaupt noch selber kochen sollst (was wir natürlich nach wie vor hauptsächlich tun). Die folgenden Tage verbrachten wir mit Wandern im Olympic Nationalpark. Hier gibt es zum Beispiel noch einen der einzigen Regenwälder der gemässigten Klimazone. Riesige, von Moos bewachsenen Bäume, wilde Strände an denen die Wellen des Pazifiks an Land treffen, schöne Seen und Berge, viele Adler und Wildtiere machten diese Tage zu einem weiteren unvergesslichem Erlebnis. Von einem älteren Herr, bei welchem wir eine Nacht im Vorgarten campierten, bekamen wir dann noch zwei Packungen mit Lachs (einmal geräuchert und einmal als Filets) die wir in den letzten Tagen gegessen haben. Mhmm war das gut! 


Die kommenden Tagen werden wir in der Umgebung von Seattle verbringen. Hier gibt es zum Beispiel einen riesigen Fischmarkt zu sehen. Darüber Berichten wir aber ein nächstes Mal! Bis bald! 

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Back on the Road again

Am Montag 5.März 2018 durften wir unsere Reise fortsetzen! Laurel organisierte am Samstag zuvor noch ein kleines Abschiedstreffen mit all unseren Freunden, die wir in Red Deer kennen gelernt haben. Zuerst ging es zu den Bower Ponds (gefrorener Teich) wo wir Schlittschuh liefen und Sheldon ein schönes Feuer machte. Direkt nebenan auf einer Wiese, waren etwa fünf Rehe friedlich am grasen. Danach trafen wir uns mit allen noch in einem Tim Hortons!  
Die Verabschiedung nach 5 Monaten zusammenleben mit Hoch- und Tiefs, viel uns einerseits schwer, andererseits war es nun Zeit zum weiterreisen. Wir freuten uns sehr!

Unser Ziel war die Westküste, genauer gesagt das knapp 1200km entfernte Vancouver. Dort war es deutlich wärmer als die -20°C die in Red Deer immer noch herrschten. Den ersten Stopp legten wir in Calgary ein. Dort trafen wir Mike (Sheldons Bruder) zum Abendessen. Schon während unserer ganzen Zeit in Red Deer sprachen wir davon, einmal zusammen Nachtessen zu gehen. Wir freuten uns sehr, dass es am Schluss dann noch klappte! Wir besuchten ein brasilianisches Restaurant, bei welchem die Kellner in regelmässigen Abständen mit verschiedensten Fleischspiessen an den Tisch kamen und jedem der wollte ein Stück abschnitten. Danach fühlten wir uns kugelirund!

Die zweite Nacht verbrachten wir in einem Hotel in Kamloops und erreichten am darauf folgenden Tag dann Vancouver, an der Wesstküste Kanadas (Den noramerikanischen Kontinenten haben wir somit einmal von Ost- nach West durquert).

Vancouver ist eine sehr schöne Stadt, man scheint dort alles zu haben – das Meer, schneebedeckte Berge, Stadt und schöne Parks. Am Freitagabend besuchten wir einen NHL Match, Vancouver Canucks gegen Minnesota Wild (Eishockeyspiel). Zu meinem erstaunen war es noch ganz interessant! ;) Zu Beginn des Spiels, wurden die kanadische- und die amerikansche Nationalhymne gesungen und es gab viel Show in den Pausen. Als die letzten Spielminuten angebrochen waren und ein Tor gegen Vancouver geschossen wurde, fingen die Zuschauer in Scharen an das Stadion zu verlassen. Wir konnten es kaum glauben. Ein treuer Fan bleibt doch bis zum Schluss des Spiels auch wenn es schon mit Bestimmtheit verloren ist!? Wir wurden an diesem Abend eines besseren belehrt. Es scheint hier ein wenig anders  zu- und her zu gehen als in der Schweiz / Europa. 

Endlich konnten wir wieder in unserem geliebten VW Bus schlafen, kochen, sitzen, reden und einfach leben. Die Abenteuerlust welche wir zu Beginn unserer Reise fühlten, ist wieder voll da! 

Am Tag nach dem Hockeyspiel ging es nordwärts nach Whsitler. 2010 als Vancouver Austragungsort der Olympischen Spiele war, fanden hier unter anderem die Wettkämpfe der alpinen Skifahrer statt. Wir hatten wunderschönes Wetter und wollten eigentlich Wandern gehen. Doch zu dieser Jahreszeit sind die meisten Wanderwege noch schneebedeckt und auch bei den Campingplätzen konnten wir nicht wählerisch sein. Nichts desto trotz, wir genossen die warmen Sonnenstrahlen und die wunderschön, verschneite Bergwelt bei kleineren Spaziergängen und Autofahrten. Am Sonntag 11. März war Lukis Geburtstag. Wir hatten den Wecker gestellt um möglichst viel von diesem besonderen Tag zu haben. Doch als dieser uns aus dem Schlaf riss und wir die gefrorenen Fensterscheiben im Inneren unseres Buses sahen, einigten wir uns auf eine weitere Stunde im warmen Bett. Dies wiederholte sich nocheinmal. Später stellten wir fest, dass unsere Uhren verschiedene Zeiten aufwiesen. Im Visitorzenter haben wir dann erfahren, dass auf Sommerzeit umgestellt wurde und wir eine Stunde „verloren“ hatten. So gab es für Luki in diesem Jahr nur einen „kurzen Geburtstag“. Dafür aber herrlich schönes Wetter und einen guten Kaffee in einem hippen, lokalen Imbissrestaurant. Mit einer feinen Pizza zum Znacht rundeten wir den Tag ab. 

Unsere letzten Tage in Kanada verbringen wir auf Vancouver Island. Mit der Fähre ging es nach Nanaimo (wo die berühmten Nanaimo Bars herkommen. Bars hat nichts mit Alkohol zu tun… Das sind Süssigkeiten). Von Nanaimo aus, fuhren wir auf einem kleinen, kurvenreichen Highway Richtung Nordwesten. Nach einer Übernachtung vor einer Kirche (Obwohl der Campingplatz der Kirche geschlossen war durften wir auf dem Parkplatz stehen bleiben und Übernachten) erreichten wir am nächsten Tag Tofino und den nahegelegenen Pacific Rim Natioanl Park. Hier konnten wir viele schöne Wanderungen bei frühlinghaftem Wetter geniessen und Walfische vom Ufer aus beobachten. Auch viele Weisskopfseeadler konnten wir beim fliegen oder auf Bäumen beobachten. Die Region war für uns beide ein weiteres Highlight auf unserer Reise durch Kanada.

Weiter nordwärts, im Strathcona Provincialpark sahen wir viele hübsche kleinere und grössere Wasserfälle. Noch weiter im Norden der Insel, liegt Port Hardy. Ein kleines Hafendörfchen, dass vor allem vom Whalewatching im Sommer lebt (vermute ich auf jedenfall..und Luki weiss das es so ist wobei die Fischerei auch eine grosse Rolle spielt). Hier trafen wir Striling (seine Frau trafen wir vor einiger Zeit in der Kirche in Red Deer), welcher uns viele Wanderungen in purer Wildniss empfehlen konnte. Einige davon machten wir bereits, andere würden wir noch gerne. Seit zwei Tagen regnet es aber in Strömen und unsere Wanderschuhe und Turnschuhe trocknen schon gar nicht mehr. Der Wetterbericht sagt auch für die nächsten Tage Regen voraus. Darum überlegen wir uns nun den Norden der Insel zu verlassen und südlich nach Victoria zu fahren. Das Wetter ist dort für die nächsten Tage um einiges besser und es gibt auch dort noch ein paar schöne Dinge zu sehen. 

Wie Luki mich aber so gut gelehrt hat – Sei nicht traurig über das was du nicht siehst, sondern freue dich an dem was du siehst! - Wie recht er doch hat! Auch wenn die Wanderungen hier in völlig unberührter, nichttouristischen Wäldern mich sehr reizen, es gibt noch so viel schönes zu sehen!

Bis zum nächsten Mal 

Fotos von Vancouver und Whistler
Fotos von Vancouver Island
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Kurzferien in der Schweiz

 Schon vor unserem Start in unser Abenteuer wussten wir, dass Lukis Bruder im Winter 2018 heiraten wird. Jedoch wussten wir noch nicht, dass wir dafür in die Schweiz zurück fliegen würden. Dies war abhängig von den finanziellen Ausgaben und vor allem wo wir gerade sein würden. Da wir sowieso im kanadischen Winter „feststeckten“ und auf die Reperatur unseres VW Buses warteten, sagten wir uns, dass wir diese Zeit auch mit unseren Familien und Freunden zu Hause verbringen könnten. Zudem brauchten wir die vergangenen Monate etwas weniger Geld, da wir nicht herum reisten. Anfang Januar haben wir uns dann entschieden, für diesen besonderen Anlass nach Hause zu fliegen. Und es hat sich mehr als gelohnt! Es war sehr schön unsere Familien und besten Freunde zu sehen! 

Was besonders war: Wir sagten niemandem etwas von unseren „Ferien in der Heimat“, ausser die Organisatoren der Hochzeit (Lukis Bruder Tobias und seine Frau) wussten davon. Sie organisierten jeweils, dass die ganze Familie zu Hause war und wir somit alle gelichzitig überraschen konnten. Inklusive dem Brautpaar. Danach haben wir auch bei Freunden einfach an der Haustüre geklingelt. Es war köstlich all die überraschten Gesichter zu sehen. :)

Die zweieinhalb Wochen in der Schweiz vergingen sehr schnell und wir wurden von Familie und Freunden mehr als verwöhnt. An dieser Stelle nochmals ein herzliches DANKESCHÖN an alle! Uns wurde neu bewusst wie wertvoll es ist, eine liebe Familie und Freunde in der Heimat zu haben.

Und das Hochzeitsfest, der eigentlich Grund warum wir die Kurzferien machten, war ebenfalls wunderschön! 


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Testfahrt nach Lake Louse

#Winterwonderland 

Wie im letzten Blog angekündigt, stehen bei uns in den nächsten Tagen und Wochen Testfahrten mit unserem Baluu an, um sicher zu gehen, dass sich die neuen Teile gut in unserem VW „einleben“. 

Unsere erste etwas grössere Testfahrt, führte uns in den Banff National Park nach  Lake Louise. Im August waren wir bereits einmal dort, jedoch war der Ort dermassen überfüllt von Touristen, dass wir keine Parkmöglichkeit gefunden hatten und direkt auf dem Parkplatz wieder kehrt machten mussten. Wir besuchten an dem besagten Wochenende den Lake Moraine und haben uns vorgenommen ein anderes Mal zurück zu kommen. Und das sind wir nun auch. Es war wunderschön! 
In den Tagen zuvor hatte es geschneit und die Bäume und Hausdächer waren voll mit Schnee. Wenn die Sonne hinter den Bergen hervorkam, glitzerte alles im Sonnenlicht. Rund um die Sonne bildete sich ein regenbogenartiger Kreis. Eine kanadische Freundin erklärte mir am nächsten Tag, dass dies ein „sun dog“ ist. Kleine Eiskristalle in der Luft, welche das Sonnenlicht reflektieren. Dieses Phänomen tritt erst bei einer gewissen Kälte auf. Das selbe Naturschauspiel sahen wir übrigens in der Silvesternacht bei (fast) Vollmond.

Neben wunderschönen Bergwelten haben wir auch mehrere Herden Elks gesehen. Die Herde auf den Fotos sahen wir am Strassenrand des Highways. Luki nahm die nächste Ausfahrt und fuhr auf einer Nebenstrasse zur Herde hin. Näher als vom Highway aus, aber immer noch mit Genug Abstand konnten wir die wunderschönen Tiere beobachten.

Die Testfahrt ging grundsätzlich gut, ausser, dass zweimal das Öldruckwarnlicht anging. Es ist nicht sicher ob es tatsächlich am Öldruck lag oder an den dafür verantwortlichen Sensoren. Diese haben wir sicherheitshalber ausgewechselt und werden bei der nächsten Fahrt sehen, ob dies das Problem war. Auf jeden Fall sind wir sehr Happy wieder in unserem „vertrautem Heim“ unterwegs zu sein.

Wir wünschen allen ein schönes Wochenende, bis bald!

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Winterzeit in Kanada

Vorab wünschen wir allen Leserinnen und Lesern unseres Blogs ein gutes Neues Jahr! Wir hoffen, ihr seid gut ins 2018 gestartet und wünschen euch nur das Beste! Wir sind sehr gespannt darauf, was uns dieses Jahr erwartet und hoffen natürlich, möglichst viel von den amerikanischen Kontinenten zu sehen und euch darüber zu berichten. Seit unserem letzten Blogeintrag sind schon wieder ein paar Wochen vergangen. Höchste Zeit für ein Update! 

Gute Nachrichten gleich zu Beginn: Baluu (unser VW-Bus) ist komplett repariert und wieder auf den Strassen anzutreffen! Unsere Zylinderköpfe und Zylinder sind restauriert, was sich wohlbemerkt auch ein wenig auf die Leistung des Busses ausgewirkt hat. Das Fahren fühlt sich nun allgemein ruhiger / schöner an und wir können nun (wenn wir das dann auch wollen) ein wenig schneller unterwegs sein. Die Schläuche des Kühlwassersystems sowie Teile des Schaltgestänges wurden ersetzt und somit das Risiko auf Lecks im Kühlsystem oder Probleme mit der Schaltung auf ein Minimum reduziert. Auch haben wir die Zeit genutzt, um die vom Abschleppen gekennzeichneten Teile unseres Fahrzeuges neu zu lackieren und haben dem Guten Nebel- und Zusatzscheinwerfer verpasst, die uns bei schlechtem Wetter oder Nachts bessere Sichtweite bieten. Unsere Freunde von Mikasa Automotive haben eine super Arbeit geleistet (wir sagen es zwar nicht gerne, aber wohl um einiges besser als bei manchem Mechaniker in der Schweiz). 

Unsere Pannen mögen den meisten Betrachtern wohl als mühsam und nervig erscheinen (war es teilweise auch). Wir möchten an dieser Stelle aber klarstellen, dass wir gerade wegen dieser Situation viel über unser Auto erfahren / lernen konnten und neue Freundschaften schliessen durften, die nun unser Leben bereichern. Manchmal hat jemand andere Pläne als sie in unserem Buch stehen, bessere! 

Wir sind froh, dass unser fahrendes Zuhause nun langsam aber sicher wieder zu unserer Heimat wird. Da wir den kanadischen Winter zur Zeit in voller Pracht erleben dürfen, heisst mit Temperaturen bis zu -40 Grad und im Moment auch viel Schnee, werden wir noch ein paar Tage hier in Red Deer bleiben, wo wir ein warmes Zuhause haben dürfen. Wir werden den Februar nutzen um Tagesausflüge / Testfahrten zu unternhemen. Unsere erste Testfahrt hat uns letzte Woche nach Edmonton geführt, wo wir uns mit Freunden zum Essen trafen. Wie ihr den Bildern entnehmen könnt, war das ganze eine verschneite Angelegenheit. Leider ist Rahel seit diesem Tag krank und hat die letzten 7 Tage mit Fieber, Bindehautentzündung und Erkältung im Bett verbracht. Es geht ihr aber wieder besser und wir hoffen nächste Woche wieder ein wenig mit Baluu unterwegs zu sein. Unser Plan ist es unsere Reise Anfangs März Richtung Westen fortzusetzen. Heisst Vancouver und Vancouver Island zu besuchen und danach Richtung Süden, ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten einzutauchen. 

Alle die, die sich nicht wirklich für Geschichte und Geografie interessieren dürfen an dieser Stelle ausklinken und sich auf unseren nächsten Blogeintrag freuen :) . Da wir Kanada nun doch schon seit etwa 8 Monaten, bereisen hier ein paar Facts zu diesem wunderschönen Land: 

- Kanada ist mit einer Fläche von 9`984`670 km² rund 242 mal so gross wie die Schweiz. Nach Russland das zweitgrösste Land der Welt und fast so gross wie ganz Europa. 

- In Kanada leben etwa 36.5 Milionen Einwohner was einer Bevölkerungsdichte von 3.6 Einwohner pro Quadratkilometer entspricht. In der Schweiz sind wir bei ca. 204 Einwohner pro Quadratkilometer. Vielleicht hinterlegen diese Zahlen ein wenig unsere Aussagen von der Weite und der Freiheit in diesem Land. 

- Kanada ist noch ein sehr „junges Land“ im vergangen Jahr feierten die Kanadier den 150 Geburtstag ihres Heimatlandes. 

- Kanada ist eine Parlamentarische Monarchie. Premeirminister ist zur Zeit Justin Trudeau. Dank seinem jungen Alter und sympatischem Auftreten ein „Star“ in der Politikerszene. Interessanterwiese sind wir während unserer Reise noch auf keinen Kanadier getroffen der mit ihm zufrieden ist oder ihn gut findet. Wir hatten aber meistens auch mit Leuten von ländlichen Gegenden zu tun (eher koservativ) und vermuten dass es in den Städten (wo bekanntlich mehr linkslastig gewählt wird) wohl ander aussehen würde.

- Bekannt ist Kanada für den Ahornsirup, welcher vor allem im Osten des Landes von Ahornbäumen gewonnen wird und natürlich auch für den Lachs. Abertausende von Lachsen schwimmen jeden Herbst vom Ozean zurück zu ihren Brutstätten in den Flüssen Kanadas. Ein wahres Wunder der Natur und ein Highlight für jeden Fischer un Naturliebhaber. 

- Die berühmteste Fast-Food-Kette des Landes ist Tim Hortons. Hier bekommt der Kanadier Kaffee, Muffins, Cookies, Frühstück oder ein Sandwich. Mehr als 3000 Fillialen gibt es im ganzen Land. Ja wir haben uns auch ein wenig in Tim Hortons verliebt und wohl schon mehr als 100 Fillilaen auf unserer Reise durchs Land besucht. 

- Kanada ist das Mutterland des Eishockey. Die Kanadier lieben ihre National- und Clubmannschaften. Die Nationalsportart ist Lacrosse. Canadian Football, Baseball, Curling, Cricket, Langlauf, Fischen, Jagen sind Sportarten die Kanadier gerne praktizieren. 

Dies ein paar Facts zu diesem wunderbaren Land das ein Besuch auf jeden Fall wert ist! 

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Vorweihnachtszeit in Kanada

Der Motor von Baluu ist nun endlich geflickt und wir könnten wieder fahren. Damit es nicht noch einmal vorkommt, dass so viel Schutt und Gestein in unseren Motor gelangt, haben wir letzte Woche noch Schutzplatten bestellt. Auf diese warten wir noch und wollen bis diese montiert sind, nicht auf die schmutzigen/salzigen Strassen. Die Wartezeit nutzen wir auch gerade, um ein paar anfällige kleinere Reparaturen, wie die Steinschläge im Autolack, auszubessern. Luki hat sich zudem die Mühe gemacht, den ganzen Unterboden zu putzen und den Unterbodenschutz zu erneuern! 

Auch wenn wir momentan nicht in unserem Baluu unterwegs sind, geniessen wir die Zeit hier in Kanada. Oft werden wir gefragt, ob wir Familie  und Freunde vermissen. Ja und Nein.Natürlichwürdenwir Weihnachten gerne mit unseren Liebsten verbringen. Es ist aber auch spannend, Weihnachten draussen in der weiten Welt, in einer etwas anderen Kultur zu feiern. 

Als wir Ende September zurück nach Red Deer kamen und heraus kam, dass es länger dauern würde bis der VW geflickt ist, dachten wir: Wenigstens werden wir dann wieder einmal weisse Weihnachten erleben! Nun ja, dies wird sehr wahrscheinlich nicht der Fall sein. Wir hatten bisher 1x einen ganzen Tag Schneefall aber seit drei Wochen scheint nun die Sonne. Die Temperaturen liegen meistens unter null, so hat es hie und da noch Schneehäufchen. Auch die Aussichten auf Schnee in diesem Jahr sind klein. Die Kanadier sagen, dies sei normalerweise nicht der Fall. Von November bis März liegt normalerweise Schnee. Nun ja, jetzt geniessen wir halt die Sonne! :)

Auch wenn es nicht viel Schnee hat, in Weihnachtsstimmung kommt man hier schon. Im Radio läuft seit dem 1. Dezember Weihnachtmusik auf und ab! Die Häuser und Einkaufsläden sind mit allerlei Weihnachtsdekorationen in allen nur möglichen Farben geschmückt! Als die ersten Nachbarn ihre (sehr) farbigen, blinkenden Lichterkette(n!) aufgehängt haben, fragte ich unsere Freunde in einem wohl eher sarkastischem Ton, ob es normal sei, dass die Deko hier so farbenfroh sei. Well... nun ja, das ist es! ;P 
Der Weihnachtsbaum steht auch schon seit zwei Wochen.

Letzten Freitag durfte ich meinen 24. Geburtstag feiern. Ich hatte einen sehr schönen Tag und wurde am Morgen sogar mit Frühstück im Bett verwöhnt! Ich fühle mich sehr gesegnet und freue mich auf alles, was uns im nächsten Lebensjahr erwartet und bin gespannt, welche Orte wir besuchen werden. Wir starteten an diesem Tag mit Guetzli backen. Normalerweise mache ich diese mit meiner Grossmutter, somit ist es das erste Mal, dass ich es alleine probiere. Und ich habe beschlossen, dass es auch das letzte Mal war. :) Ich mache es lieber wieder mit ihr, denn ich muss noch viel lernen! 

Wir wünschen euch allen eine schöne, besinnliche und gesegnte Adventszeit- und Weihnachtszeit!

Liebe Grüsse
Rahel und Luki



Adventskalender für die Familie
Auch die Lebkuchensaison ist eröffnet
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Canada - Ländervideo

Mit einem Klick auf die Kanadakarte landet ihr direkt bei unserem ersten Ländervideo - Canada. Viel Spass beim anschauen! Wir freuen uns über eure Kommentare.

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Nichts Neues unter der Sonne

In den letzten Wochen sind wir mehrmals gefragt worden, was denn nun los sei bei uns und ob wir nun endlich weiter reisen können. Die Antwortet lautet: Nein! Wir sind immer noch in RedDeer...!:) Dies können wir mittlerweile entspannt zur Antwort geben und bibbern nicht mehr mit der Zeit. Den ersten und zweiten Schnee hatten wir bereits und der Wetterbericht sagt kalte Tage und Nächte bis -20Grad Celcius voraus. Wir helfen weiterhin bei Kleinigkeiten in der Garage und im Haushalt mit. Auch lernte ich in dieser Zeit von Laurels Mutter, wie man eine Bettdecke aus Schafswolle selber näht. Die Tage vergehen schnell. Wir verbringen sie entweder Zuhause beim Kochen und Backen (was ich sehr gern mache!), mit spielen mit den Kids auf dem Spielplatz, im Shop, bei Tim Hortons oder auch mal mit Lesen und Tee trinken. Letzte Woche waren wir bei Schweizer Auswanderern zum Brunch eingeladen. Es gab Schweizer Käse und Birchmermüesli. :) 


Die Familie Teierle hat uns eingeladen, bis Weihnachten zu bleiben. Dies ist mega lieb und wir freuten uns riesig über die Einladung! Wir wissen aber noch nicht, ob wir so lange bleiben. Zeit haben wir ja eigentlich, wir vermissen jedoch das Reisen. Zudem war unser eigentliches Ziel, dass wir immer dem Sommer nach reisen. Dieser Plan geht nun jedoch nicht mehr auf. Aber es wird ja bald wieder Frühling :).
Im Moment nehmen wir einfach Tag um Tag und freuen uns über all die Dinge, die wir hier erleben und lernen dürfen. 
Wir wissen nicht warum dies alles passiert ist mit den vielen Pannen, aber wir wissen, dass Gott einen guten Plan hat und es einen Grund gibt für den langen Aufenthalt hier in Red Deer.
Baluu ist immer noch in der Werkstatt. Wir haben der Familie gesagt, dass sie unseren VW dann flicken soll, wenn es ihnen am besten passt. Der Shop läuft nämlich auf Hochtouren und wir wollen, dass sie zuerst die Fahrzeuge flicken, die wirklich Priorität haben. So ist es nun, dass der Mechaniker mehrmals in der Woche an unserem Baluu arbeitet, aber nicht täglich. Und jedesmal wenn er daran arbeitet, findet er nochmals etwas, was ersetzt werden muss. Dann werden die Teile bestellt und es wird gewartet, bis sie ankommen. Auch Luki und ich haben ein Projekt an Baluu. Der untere Teil des Autos hat sehr viele Steinschläge abbekommen von der schlechten Strasse, so dass die Farbe stark beschädigt wurde und teilweise bis auf das Metallgestell abgeblättert ist. Wir werden nun die Raddeckel und den besagten Bereich neu abschleifen und mit einer vor Rost schützenden Farbe neu besprayen. Weil wir nicht mehr die selbe Farbe bekommen, wird es für Baluu nicht nur einen neuen Motor geben, sondern auch einen neuen Style. :)

Thanksgiving war schön, es gab reichlich und feines Essen und wir lernten nette Leute kennen. Ich habe zum ersten Mal beim Backen von Apple- und Pumpkin-Pie mitgeholfen. Vielleicht für den einen oder anderen ein guter Grund, um uns, wenn wir dann wieder in der Schweiz sind, zu besuchen... Ihr müsst euch aber wohl noch ein wenig gedulden :) 

Die oben eingefügten Fotos entstanden bei der Red Goat Lodge, in der Nähe von Iskut, BC. Wir haben dort ein paar Tage verbracht, während wir auf den Abschleppdienst warteten. 
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Still waiting..

Wir sind immer noch in Red Deer und warten bis unser Baluu geflickt wird. Damit das Warten nicht so langweilig ist, versuchen wir uns etwas nützlich zu machen. Luki hilft fleissig mit bei der Gartenarbeit, welche darin besteht, den "black dirt" heraus zu baggern, um dann "gute Erde" aufzufüllen. Damit niemand in das ausgehobene Loch fällt, das etwa 1,8 m tief ist, hat Luki einen Haag entworfen, den wir heute zusammen aufgebaut haben. Es müssen etliche Kubikmeter Erde umgewälzt werden. Aber welcher Mann würde zu dieser Arbeit mit dem Minibagger schon nein sagen... :-)!


Ich helfe im Haushalt beim Putzen, Kochen, Backen und Kinderhüten (7 und 4) mit  :-). Morgen ist Thanksgiving in Kanada und ich durfte Laurel heute beim Vorbereiten der traditionellen Apple-Pies und Pumpkin-Pies helfen.
Wir haben die Familie sehr ins Herz geschlossen und ich weiss jetzt schon, dass dieser Abschied nicht so einfach werden wird, auch wenn wir uns wieder sehr aufs Weiterreisen freuen. Heute wurden wir von der Familie angefragt, ob die Kinder uns nicht mehr "Mister Luki and Misses Rachel" nennen müssen, sondern auf "Uncle Luki and Aunty Rachel" wechseln dürfen. Ist das nicht süss?! :-) Mich hat es sehr berührt und gefreut. Laurel hat mir erklärt, dass in Kanada nicht nur Blutsverwandte Onkel und Tante genannt werden, sondern auch sehr gute Freunde. 
Nun sind wir sehr gespannt auf das Thanksgiving-Dinner morgen und wünschen euch in der CH einen guten Start in die neue Woche. 
Liebe Grüsse aus Red Deer,
Rahel und Luki

Kanadisches Raclette:

Die Kinder fragten uns, was unser Lieblingessen ist und wir erzählten ihnen, dass wir beide sehr gerne Raclette haben. Zwei Tage später haben sie sich einen Racletteofen besorgt :-)!

Baluu ist in der Werkstatt und wird wieder auf Vordermann gebracht. Ein Zylinder im Motor hat einen Riss und hat sich dadurch mit Kühlflüssigkeit gefüllt, was natürlich nicht sein sollte. Die Zylinderköpfe mussten daher ausgebaut werden. Der fehlerhafte Zylinder wird jetzt ersetzt. Auch gibt es noch ein Problem mit dem Verteiler, welches gelöst werden muss. Stellt euch vor, bevor überhaupt mit der Arbeit begonnen werden konnte, haben wir insgesamt ca. 8 Stunden mit Waschen des guten Baluus verbracht....!!! Noch nie haben wir oder auch die Garagecrew so viel Dreck an einem Auto gesehen. Der Dempster-Highway lässt grüssen.....!!!

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Baluu der Grummelbär

Es liegen weitere sehr aufregende und nervenaufreibende Tage hinter uns. 
In Eagle Plains haben wir ein Schweizer Paar aus Bern getroffen, welches für gut 3 Wochen in Kanada/Alaska unterwegs war. Wir verbrachten einen tollen und lustigen Abend bei ihnen im Camper, wo sie uns zum Znacht eingeladen hatten. Sie sind dann auch am späten Abend mit uns auf den Dempster Highway hinaus gefahren und haben uns auf die Nordlichter aufmerksam gemacht. Sie waren in dieser Nacht wolkenarteig weiss erschienen und wenn wir nur kurz an den Himmel geschaut hätten, wären wir nie auf die Idee gekommen, dass dies die Nordlichter sein könnten! Erst bei längerem hinsehen waren sie zu erkennen. Es war das erste Mal, dass wir sie sahen und es war wunderbar!
Wir wurden von Eagle Plains abgeschleppt und leider ist auch noch unsere Heckscheibe durch einen Steinschlag zersprungen. Da in Dawson City kein Mechaniker Hand anlegen wollte an einem VW, organisierten wir einen Transport nach Whitehorse. Der freundliche Mann, welcher uns aus dem Nirgendwo abgeholt hatte, half uns dabei. So wurde Baluu in einen Lastwagen verladen und wir nahmen den Shuttlebus nach Whitehorse. Die Garage dort, die offiziell auch eine VW Garage ist, hatte leider aber erst 5 Tage später Zeit, um sich unseren Bus überhaupt einmal anzuschauen. Wir haben diese Zeit in einem B&B verbracht, bei einem älteren, sehr netten Ehepaar. Sharon, die Inhaberin, versorgte uns jeden Tag mit einem sehr leckeren Frühstück, später mit Muffins und Früchten und weil wir in einer «ausserordentlichen Situation» steckten, auch mit einem feinen Abendessen. Hunger mussten wir in diesen 6d also nicht haben! Die Unterkunft war etwa 15km ausserhalb der Stadt und dies war perfekt, um die Nordlichter und den wunderschönen Sternenhimmel zu bestaunen. Die Aurora Lights treten zwar nicht immer auf bei klarem Nachthimmel, wir sahen sie jedoch zweimal. Einmal sind sie sogar in tiefem Grün, Rot/Rosa und Weiss erschienen. Ein sehr faszinierendes Erlebnis! 
Am Mittwoch konnten wir dann unseren Baluu abholen. Die Garage war uns nicht annähernd so sympatisch wie die in Red Deer bei Sheldon. Als wir während der Wartezeit hinfuhren, um die wichtigsten Sachen aus dem Auto zu holen, waren beide Vorderräder auf spitzen Steinen parkiert. Und als wir dann am besagten Mittwoch dort ankamen, stellten wir fest, dass sie uns nicht wirklich ernst nahmen. Luki hat nämlich schon diverse Dinge getestet und die Schaltgestänge vom Getriebe getrennt, damit wir das Auto im Neutralgang abschleppen konnten. Er hat alles, was er schon versucht hat, in einem E-Mail zusammen gefasst. Der Garagist meinte dann, dass das Problem, welches wir mit der Gangschaltung hatten davon kam, dass das Schaltgestänge nicht mehr mit dem Getriebe verbunden sei. Er könne sich aber nicht erklären wie so etwas passiere könne…! Tztztz….
Wie auch immer, einer der Mechaniker hat uns auf Deutsch erklärt, dass er alles wieder zusammen gebaut hat und das Gestänge nach wie vor etwas verbogen sei. Wir sollen einfach aufpassen beim Fahren und ja nicht würgen! Aber mehr konnten sie nicht herausfinden, da alles viel zu dreckig sei und sie nichts sehen können. Falls sie noch etwas daran machen sollen, müssten wir das Auto also zuerst waschen. Als ich zur Rückseite des Autos ging stellte ich fest, dass das Blech hinten ganz verbogen war. Ich sprach ihn darauf an, was passiert sei und er meinte, es käme vom Abschleppen. Die Garage hat den VW von der Truckfirma nämlich noch zu ihrer Garage transportieren müssen. Der Mechaniker meinte, wir müssen es halt wieder zurechtbiegen. Kochend vor Wut (vor allem Rahel) und Enttäuschung,  verliessen wir die Garage. Trotzdem waren wir auch sehr erleichtert und dankbar, dass unser Baluu wieder fahrbar war! Der erste Gang klemmte zwar nach wie vor, Luki hat aber rasch herausgefunden, wie man den Gang trotzdem, ohne gross zu würgen, benutzen konnte.
Wir haben unseren Baluu dann gewaschen, einen Steinschlag flicken lassen, die zersprungene Scheibe mit einer Folie provisorisch abgedeckt und alles gepackt, so dass wir am Donnerstag weiter fahren konnten. 
Nun ging es darum, wo wir als nächstes hinfahren sollen. Luki wäre sehr gerne - trotz allem -  nach Alaska gefahren. Ich möchte unbedingt auch mal nach Alaska, aber in Anbetracht der Zeit, die wir bereits in Red Deer und auch danach verloren haben und unser Auto noch nicht wieder ganz "gesund" ist, wollte ich zurück nach Red Deer. Mein lieber Mann hat nachgegeben und wir machten uns auf den Weg zurück in den Süden. Wir entschieden uns wenigstens einen kleinen Umweg (ca. 600km) zu nehmen, so dass wir noch eine andere Strecke sehen. Die erste Nacht wieder im Baluu, an einem schönen See, war fantastisch! Wir freuten uns wie kleine Kinder! ;-)
Am nächsten Tag ging die Freude weiter, als wir eine Elchkuh mit ihrem Jungen sahen! Um die Mittagszeit machten wir eine kurze WC-Pause auf einem Rastplatz. Als wir weiter fahren wollten, stellte unser Bus nach ca. 50m einfach ab. Danach konnten wir den Motor nicht mehr starten. Wir haben ihn im Neutralgang (alle Gänge funktionierten einwandfrei!!) zurück auf den Parkplatz gerollt und versucht herauszufinden, was denn jetzt schon wieder los sei. Leider hatten wir bis jetzt kein Glück… Ein Amerikanisches Paar hat uns dann ca. 8km zurück zur nächsten Lodge gefahren, wo wir ein Telefon zur Verfügung hatten. Der ältere Herr, der Inhaber der Lodge, zeigte sich sehr hilfsbereit und telefonierte mit den einzigen zwei Mechanikern im Umkreis von ein paar hundert Kilometern. Es war Freitag und beide hatten natürlich keine Zeit. Mitch, der Chef der Lodge, war so freundlich und hat mit uns zusammen Baluu beim Rastplatz geholt und zu seiner Lodge abgeschleppt. Die Details dieser abenteuerlichen Abschleppaktion erzählen wir hier nicht. Mitch meinte, dass sei wohl nicht sehr legal. Aber sind wir ehrlich, wen interessiert das schon hier draussen.....??!!
Am Abend hatten wir Hunger und ich ging zum Auto, um unser «Mikrowellenreis von Onkel Bens» zu holen. Als ich später nochmals zum Auto wollte, war der Autoschlüssel wie vom Erdboden verschluckt! Ich habe die Bettlaken vier mal ausgeschüttelt, unter dem Bett und jedem Möbel gesucht, bin zweimal mit der Taschenlampe zurück zum Auto gelaufen, Hosen, Jacken, Schuhe, alles wurde gekehrt und geschüttelt, aber der Schlüssel war weg. Der einzige Ort, an dem ich noch war, wo wir aber nicht mehr suchen konnten, war das WC… Tja, an diesem Abend ging es ohne Zähneputzen ins Bett.
Der nächste Tag begann wie er aufgehört hatte – mit Schlüssel suchen. Ich konnte einfach nicht glauben, dass er NIRGENDWO war. Ich betete und hoffte, aber leider kam er nicht zum Vorschein. Gott sei Dank haben wir noch einen Ersatzschlüssel im Reserverad unter dem Auto. Um dorthin zu kommen, brauchten wir aber Werkzeug. Die waren natürlich im Auto. Gegen Mittag konnten wir dann Mitch ausfindig machen und uns Tools von ihm ausleihen. Danach ging die Suche nach dem eigentlichen Problem weiter. 
Nun haben wir 3 Nächte hier gebucht und den ganzen Samstag mit Sheldon (unser treuer Mechaniker von Red Deer) hin und her geschrieben, um heraus zu finden, was wohl kaputt sein könnte. 
Wir hoffen, dass wir es noch herausfinden bis am Montag und dann die Diagnose dem Mechaniker überbringen können. Oder noch viel besser wäre, wenn wir unseren Bus selber wieder zum Laufen bringen! Es braucht weiterhin viiiiel Geduld und Nerven aber wir wissen, dass wir in dieser Sitation nicht alleine sind…! 
Ach und übrigens… Mitch klopfte am Samstag Abend an die Tür und bat mich, ihn bei strömenden Regen zu begleiten. Er führte mich den Weg in Richtung Lodges und zeigte plötzlich auf den Boden. Dort lagen unsere Schlüssel!!! Ich habe nie einen Fuss auf dieses Gelände gesetzt aber ich erinnere mich, dass die (vier) Hunde an mir hochgesprungen sind, als ich das Essen aus dem Auto holte. Ich weiss zwar nicht ob es so war, aber ich kann mir vorstellen, dass dann einer davon den Schlüssel erwischte und ihn dann irgendwie dort hin brachte… Aber eben, ich habe keine Ahnung was genau geschah, ich bin einfach mega froh, dass sie wieder da sind!!

Von Red Deer bis fast zum Arctic Circle

Nach mehr als drei Wochen mussten wir uns von unseren neuen Freunden in Red Deer verabschieden. Natürlich waren wir froh, dass unsere Reise nun endlich weiter gehen konnte, die Verabschiedung von Sheldon, Laurel und den Kindern fiel uns aber schwer. Wir wurden die letzten Wochen so herzlich aufgenommen und gehörten schon ein Stück weit zur Familie. Wir hoffen sehr, dass wir die Vier in ein paar Jahren in der Schweiz empfangen und ihnen etwas von ihrer Gastfreundschaft und Nächstenliebe zurückgeben können. 
Nun waren wir also wieder auf der Strasse und mussten uns, ehrlich gesagt, schon wieder ein bisschen an das Roadtrip-Leben gewöhnen. Von Red Deer fuhren wir nördlich an Edmonton vorbei und danach weiter Richtung Dawson Creek. 
Die Stadt hat um die 12'000 Einwohner, liegt im Nordosten in British Columbia und ist eigentlich nur wegen etwas bekannt. Der berühmte Alaska Highway startet hier und führt über 1422km nach Delta Junction im US-Bundesstaat Alaska. Ein Foto mit dem grossen Schild beim Visitor Center «You are entering now the world famous Alaska Highway» mussten wir natürlich machen. Mit dem Bau des Highway wurde im April 1942 begonnen. Mit enormen Kräften wurde der Bau des Highway vorangetrieben, so arbeiteten zum Beispiel bis zu 10'000 Soldaten an der Strecke. Da es von grossen Teilen der Strecke noch keine Karten gab, wurden auch Flugzeuge zum Erkunden des Landes eingesetzt. Im Oktober des selben Jahres konnte die Strecke durchgehend befahren werden, im November wurde das von den USA und Kanada erstellte Bauwerk dann eröffnet. Anfangs war der Highway nur eine Kiesstrasse, mittlerweile ist die gesamte Strecke asphaltiert.
Die Fahrt auf dem Alaska Highway von Dawson City nach Whitehorse ist ein absolutes Highlight unserer Reise. Die ersten paar Kilometer führen noch durch bewohnte Gebiete, schon bald fährt man aber durch die pure kanadische Wildnis. Da die Laubbäume hier schon ihr Herbstkleid tragen, erstrahlten die Wälder in goldenen und roten Farben. Einfach eine unvergessliche, wunderschöne Fahrt. 
Wir legten einen Zwischenstopp bei den Liard-Hot-Springs ein, wo wir für ein paar Stunden unsere Seele baumeln liessen und im heissen Quellwasser badeten. Ein wunderbarer Ort mitten im Wald, welchen wir nur wärmstens weiterempfehlen können. Gerade als wir von dort weiter fuhren, lief uns eine Büffelherde über die Strasse.
In Watson Lake besuchten wir den Sign Post Forest. Dieser entstand 1942, als ein heimwehkranker Soldat sein Nummernschild an einen Pfosten anbrachte. Viele Reisende tun es ihm nun gleich und hängen hier ihr Nummernschild oder sonst ein Andenken an Holzpfähle, was an ihre Heimat erinnern soll. Natürlich kreierten auch wir ein Schild und hängten es im Schilderwald auf. Falls du also mal in der Gegend bist, denk daran und suche unser Schild. Es würde uns sehr freuen, wenn du es finden würdest. Hängt in der Nähe vom orangen Baar Umleitungs-Schild in der Happy Hill Reihe… ;-). 
In Whitehorse verliessen wir dann den Alaska Highway und fuhren auf  dem Klondike Highway Richtung Norden. Unser nächstes Ziel war Dawson City. Hier fand in den Jahren 1897-1898 der berühmte Goldrausch statt. Im Bonanza Tal wurde Gold gefunden und ein paar Wochen später waren tausende Leute im Klondike unterwegs, um nach Gold zu schürfen. Viele Gebäude aus dieser Zeit sind noch erhalten, so dass man sich bei einem Rundgang durch das kleine Städtchen ein wenig in die vergangene Zeit zurückversetzt fühlt. Auch wir versuchten im Bonanzatal unser Glück und schürften nach Gold, reich wurden wir dabei aber nicht… ;-)!
Nach ein paar Gesprächen mit Reisenden und Einheimischen entschieden wir uns, den Dempster Highway unter die Räder zu nehmen. Diese 700km Schotterstrasse führt von Dawson City über den Arctic Circle, bis hoch nach Inuvik. Im Nachhinein müssen wir nun aber eingestehen, dass es die falsche Entscheidung war, diese Strasse zu befahren. Die ersten rund 250km war die Strasse noch einigermassen gut und trocken. Was danach folgte war eine reine Rutschpartie, durch bis zu 15cm hohen Matsch. Wir beide haben noch nie so eine schlechte Strasse gesehen. Da es auf der gesamtem Strecke nur eine Tankstelle gibt und wir bereits mehr als die Hälfte unseres Benzins verbraucht hatten, war ein Umkehren unmöglich und uns blieb nichts anderes übrig, als unseren Weg Richtung Norden fortzusetzen. Der Regen ging bald in Schneegestöber über und der Zustand unseres Autos, wir konnten kaum mehr die Gänge wechseln, verschlechterte sich mit jedem Kilometer. Schlussendlich verklemmte unsere Gangschaltung und wir tuckerten die letzten gut 30km bis zur einzigen Siedlung im Umkreis von 350km (Einwohnerzahl 9) im zweiten Gang. Zudem war die Benzinanzeige schon ganz unten, beinahe schon unter dem rot markierten Bereich. Diese endlos scheinenden Stunden werden wir wohl nicht mehr so schnell vergessen.
Seit zwei Tagen sind wir nun in Eagle Plains und versuchen das Abschleppen / Reparieren unseres Fahrzeugs zu organisieren. Da wir so abgelegen sind, wird das Ganze wohl eine Stange Geld kosten. Wie es aussieht werden wir morgen nach Dawson City abgeschleppt, wo wir dann weiterschauen müssen. Leider sind die Angestellten der Lodge sowie der «Autogarage», die es hier gibt, nicht gerade von freundlichster Natur und können / wollen uns nicht wirklich helfen. Wir haben aber Kontakt mit Sheldon von der Autogarage in Red Deer, der uns gutmöglichst via Messenger unterstützt. Thank you Sheldon and Laurel!
Das Wichtigste aber ist, dass es uns beiden gut geht und wir wohlauf sind. 
Wir hoffen aus der Sache mit möglichst kleinem finanziellen Verlust herauszukommen und vor allem hoffen wir auch, dass unser Bus zu einem "erträglichen" Betrag wieder geflickt werden kann!!
Liebe Grüsse aus dem Nirgendwo! 
Luki und Rahel