Feuerland und Ruta 3

Feuerland, das Ende der Welt! Ab und zu hört man etwas von diesem Fleckchen Erde. Als wir die Fähre über die Magellanstrasse nahmen, wussten wir aber auch nicht wirklich was uns erwarten würde. 

Als Ferdinand Magellan mit seinen Männern im Jahr 1520 auf der Suche nach einem Weg zu den Gewürzinseln die Magellanstrasse entdeckte, sahen sie vom Schiff aus viele Feuer, die an Land brannten. Was liegt da näher als das neu entdeckte Gebiet „Tierra del Fuego (Land des Feuers)“ zu nennen? In grossen Teilen Feuerlands herrschen ideale Bedingungen für die Schafzucht, welche bis heute intensiv betrieben wird. Die Goldvorhaben welche 1879 entdeckt wurden und zahlreiche Immigranten brachten, erwiesen sich als eher klein und waren schnell erschöpft. 

Wie erwähnt erreichten wir Feuerland mit der Fähre. Da es schon am eindunkeln war, als wir auf der Insel eintrafen, parkierten wir gleich bei der Anlegestelle der Fähre um die Nacht dort zu verbringen. Zwei freundliche Polizisten wiesen uns dann darauf hin, dass es im 20 Kilometer entfernten Dorf Cerro Sombrero ein Touristenbüro gäbe, wo wir parkieren und gratis ein Dusche nehmen können. Wir entschieden uns also dort hin zu fahren. Ok, die Ortschaft war dann fast 50 Kilometer weit entfernt und als wir dort eintrafen, sahen wir,  dass die Parkplätze des Büros gerade umgebaut wurden. So mussten wir am Strassenrand parkieren was aber gut ging. Mit einem Pärchen aus Australien, welches auch mit einem Camper unterwegs und mit uns auf der Fähre war, genossen wir dann ein gemeinsames Nachtessen. Die Duschen im Informationszentrum waren übrigens herrlich! Das Gebäude war beheizt und es kam richtig warmes Wasser und alles war peinlich sauber. Auf einer Reise wie unserer lernt man, solche Dinge (die in der Schweiz / Europa einfach normal sind) zu schätzen und zu geniessen! 

Von Cerro Sombrero aus fuhren wir dann Richtung Süden zum „Parque Pingüino del Rey“. Ein privater Park, wo eine Kolonie Königspinguine lebt. Bis vor ein paar Tagen wussten wir nicht, dass es in diesen Regionen Königspinguine gibt, so waren wir sehr erfreut als wir davon erfuhren und planten den Stopp hier natürlich ein! Königspinguine sind die zweitgrösste Art der Pinguine auf der Welt. Erwachsene Tiere werden um die 85-95 cm gross und 16 Kilogramm schwer. Die Vögel mit dem wunderschönen schwarz, weiss, orangefarbenen Erscheinungsbild, brüten auf subantarktischen Inseln zwischen dem 45 und 55 südlichem Breitengrad. In der Kolonie gab es auch ein paar richtig flauschige Jungtiere zu sehen! Oder wie unsere chinesischen Freunde sagen würden: „laufende Kiwis“! Der kleine Park gefiel uns sehr gut und trotz dem eiskaltem Wind, der uns um die Ohren pfiff, beobachteten wir die Pinguine möglichst lange. 

360 Kilometer trennten uns dann noch von Ushuaia. Dem südlichsten Punkt auf unserer Reise.  „Ushuaia ist ein schönes Städtchen, besucht es umbedingt“ aber auch „Nach Ushuaia fahren! Wieso? Dort unten gibt es eh nichts spannendes zu sehen“ waren Sätze die wir von anderen Reisenden gehört haben. Wie fast immer in solchen Situationen entschieden wir uns dazu, uns selber ein Bild zu machen (Sind wir mittlerweile ein wenig kleine Rebellen und glauben nicht mehr alles was uns von anderen Leuten und den Medien an den Kopf geworfen wird, sondern machen uns lieber selber ein Bild? Wir glauben schon...). Unsere Meinung ist, ja, es lohnt sich definitiv bis nach Ushuaia zu fahren und das gleich aus mehreren Gründen! Der Norden Feuerlands ist vorwiegend flach und man fährt stundenlang an Graslandschaften vorbei wo tausende Schafe weiden. Gegen Ushuaia zu, erreicht man dann die letzten Ausläufer der Andenkette. Verschneite Berggipfel, herbstfarbene Wälder, Flüsse und Seen, eine Landschaft wie wir sie halt einfach mögen und die uns darum begeisterte. Ushuaia selber ist dann eine einfache Hafenstadt und das Tor zur Antarktis. Obwohl ein wenig rau und vom Tourismus geprägt, strahlte das Städtchen einen gewissen Charme aus den wir mochten! Die Region weiss sich gut zu vermarkten „Fin del Mundo“, das Ende der Welt ist das Motto hier! Natürlich machten wir Fotos bei den berühmten Schildern, liessen uns einen Stempel in den Pass drücken und schlenderten durch die Souvenirläden. In den letzten fast zwei Jahren sind wir von Eagle Plains im Norden von Kanada (ein paar wenige Kilometer entfernt vom Arctic Circle) bis hier ans südlichste Ende Amerikas gereist, gewisse Reiseteilnehmer wurden da schon ein wenig sentimental...
Nun da wir das Ende der Welt erreicht hatten, lagen noch ein wenig mehr als 3000 Kilometer zwischen uns und Buenos Aires wo wir das Auto zurückgeben würden und von wo aus wir auch unsere Reise zurück in die Schweiz antreten werden. 3000 Kilometer nordwärts einen Grossteil davon der Atlantikküste von Patagonien entlang. Die „Ruta 3“ war für die nächsten Tage unser Zuhause. Ein  Grossteil dieser Strecke führt durch patagonisches Grasland. Heisst: flach, windig, viele Guanacos, wenig Verkehr und gerade Strassen die sich bis zum Horizont erstrecken. Wir fuhren viel und verbrachten die meisten Nächte bei Tankstellen. Aber natürlich gab es auch auf dieser scheinbar langweiligen Strecke ein paar spannende Orte zu entdecken. Im „Bosques Petrificados de Jaramillo National Park“ bestaunten wir auf einer kurzen Wanderung versteinerte Bäume, wie wir sie bisher erst einmal im Yellowstone Nationalpark in den USA gesehen hatten. Dort war es nur ein Baum, hier lagen hunderte versteinerte Bäume herum! Ein sehr spannender uns sehenswerter Platz. Leider forderte die rund 60 Kilometer lange Kiesstrasse bis hierher auch ihre Opfer und wir mussten einen platten Pneu auswechseln. An den Stellen wo die „Ruta 3“ direkt an der Küste entlang führt, trafen wir auch immer wieder auf Seelöwen und diverse Vogelarten. Auch trafen wir während der Fahrt immer wieder auf Flamingos welche in den hunderten kleinen Lagunen auf Nahrungssuche waren! Die Peninsula Valdez ist bekannt für die Walfische, Pinguine und viele andere Tiere die dort ihre Jungen gebären / grossziehen. Jetzt im April ist ein Grossteil der Tiere aber für die „Winterferien“ Richtung Äquator gereist um dort in wärmeren Gewässern Zeit zu verbringen. So machte ein Besuch dieser Region für uns nicht wirklich Sinn und wir liessen dieses Naturschutzgebiet links bzw. rechts liegen. Während der Saison soll es aber ein absolutes Paradies sein! Also ja nicht vorbeifahren wenn man(n) einmal zur richtigen Zeit dort sein solltet!!
Etwa 900 Kilometer südlich von Santiago durften wir dann noch einen letzten sehr tollen Ort auf unserer Reise erkunden. Das Dorf El Condor ist vor allem als Badeort bei Einheimischen beliebt. In den Sommermonaten (November-Februar) soll es hier nur so von einheimischen Touristen wimmeln! Als wir jetzt im April durch das Dorf fuhren, fühlten wir uns eher wie in einer Geisterstadt! Aber das machte uns nichts aus, denn wir sind nicht zum baden hier hin gekommen sondern für die Papageie! Hier befindet sich nämlich die grösste Papageienkolonie der Welt! Mehr als 35’000 Paare der Papageienart „Loro Barranquero Patagónico“ leben hier in den Felswänden an der Küste. Ein Geheimtipp, denn bisher ist der Massentourismus noch nicht auf diesen Ort aufmerksam geworden und in den Reiseführern wird der Platz, wenn überhaupt, nur in einem Nebensatz erwähnt. 
So konnten wir fast alleine das Spektakel geniessen. Jeden Morgen bei Sonnenaufgang verlassen tausende dieser Vögel ihre Höhlen und machen sich auf um Nahrung zu suchen. Wenn die Sonne wieder untergeht kehren Sie zu ihren Felsbehausungen zurück! Wir schauten den Flugkünstlern begeistert zu und genossen das ohrenbetäubende Geschnatter. Vor allem Reitschel die seit wir unterwegs sind, richtig angetan ist von Vögeln, konnte kaum genug bekommen. 

Zurück in Buenos Aires gaben wir dann „Semafora“ zurück. Die vergangenen drei Monate war dieser kleine Bus unser Zuhause. Trotz den Problemen die wir ab und zu hatten und die, wie wir mittlerweilewissen, einfach zu einem Roatrip dazugehören, war es eine tolle Zeit mit diesem Auto. Natürlich sind wir dann froh, wenn wir wieder mit unserem „Baluu“ unterwegs sein dürfen aber es war eine sehrgute Lösung für die letzten Monate unserer Reise. Wir verbrachten einen halben Tag mit dem Putzen des Autos, bevor uns dann unsere chinesischen Freunde Jack und Yuan, die auch gerade in Buenos Airesunterwegs sind, abholten. Die letzten 3 Tage unserer Reise werden wir zusammen mit Ihnen in einem Airbnb in der Stadt verbringen bevor wir dann nach zwei Jahren umherreisen, zurück in die Schweizfliegen werden. Aber das ist eine Geschichte fürs nächste mal.... 

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