Panama & San Blas

Auch der Grenzübergang nach Panama verlief gut, wenn auch etwas chaotisch. 
Wir merkten schnell einen Unterschied zu Costa Rica. Das lateinamerikanische Flair, welches wir etwas vermissten, war irgendwie wieder mehr spürbar. Die kurvigen Strassen durch das Festland der Provinz Boca del Toro führten an kleinen Dörfern mit einfachen aber sehr schönen Häusern vorbei. Nicht mehr so stabile Bauten wie wir sie noch in Costa Rica sahen, dafür mit viel Charme. Die meisten Häuser bestehen bis auf das Blechdach aus Holz und sind auf stelzen gebaut. Oft säumte ein wunderschön verschnörkelter Holzzaun die kleine einfache Veranda. Teilweise hatte man aber das Gefühl, beim nächsten kräftigen Windstoss bricht alles zusammen...

Unser erster Stop legten wir in einem indigenen Dorf mit dem Namen Rio Oeste Ariba ein, um eine Tour durch eine Kakaoplantage zu machen. Schliesslich wollten wir mit eigenen Augen sehen, wo unsere feine Schweizer Schokolade ihren Ursprung hat! :)
Zuvor fragten wir an, ob wir dort campieren dürfen um am folgenden Tag die Plantage zu besuchen. So kamen wir am späteren Nachmittag an, wurden mitten auf dem Dorfplatz platziert und waren schnell von einer Kinderschar umgeben. Die Kleinen waren überhaupt nicht scheu und plaperten ununterbrochen, nahmen schnell meine Hand und führten mich herum. Sie waren auch sehr begeistert von unserem VW Bus und all den Landesflaggen die wir nun mittlerweile auf unserem Baluu aufgeklebt haben. Die Leute waren alle sehr freundlich und aufgeschlossen und wir wurden mit Kochbananen und Mandarinen beschenkt.

Nach einer angenehmen Nacht erwachten wir beizeiten. Um 10 Uhr startete unsere Tour, geführt von zwei jungen Einheimischen. Auf dem Weg zu der Plantage erzählten sie uns über die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten der vielen angebauten Pflanzen und Kräuter und wir lernten, dass es hier über 22 verschiedene Bananensorten gibt! Auf der Tour erfuhren wir, dass es drei Jahre dauert vom setzen der Bäume bis sie ihre ersten Früchte tragen. Interessant ist, dass es keine Saison für die Kakaobohne gibt, sondern die Bäume das ganze Jahr über Früchte tragen. Ebenfalls speziell ist, dass die Früchte am Stamm und den Ästen wachsen, nicht wie zum Beispiel Äpfel an Stielen. So sahen wir einen Baum, der die Blüte, eine Knospe, die junge Frucht, eine wachsende Frucht und eine reife Frucht zur selben Zeit trug! 
Seit einigen Jahren werden die Bäume von einem Pilz befallen, was einen Verlust von über 85 % der Ernte ausmacht! Nochmals etwa 3 % verlieren die Farmer an Tiere. Um diese von den Kakaofrüchten abzulenken, haben sie wie schon erwähnt, andere Früchte wie Bananen, Kokospalmen und andere Früchte inmitten der Kakaobäume angepflanzt. 
Die ganze Plantage ist biologisch, es werden daher keine chemischen Mittel zur Pilzbekämpfung und keine genmutieren Bäume mit höherem Ertrag eingesetzt. Sehr bemerkenswert wie wir finden. Ohne den zusätzlichen Verdienst durch die direkten Touren mit Touristen, können sie kaum überleben, wie sie uns sagen. Wir sind sozusagen ihre Haupteinkommensquelle! Denn für ein Pfund (453gr.) fertig geröstete Kakaobohnen (etwa 20 Kakaofrüchte), erhalten sie umgerechnet lediglich 85Rappen! (Noch in den 70iger Jahren waren es 3Franken!)
Und das trotz Zusammenarbeit mit Fairtrade. Und als wir erfuhren, dass ihre Käufer vorwiegend Schweizer Firmen sind, waren wir plötzlich nicht mehr ganz so stolz auf unsere Heimat. 
Was wir aber nicht wussten ist, dass auch wenn wir extra Fairtrade kaufen, nicht alle davon profitieren. Laut unserer Guides profitieren nicht alle Farmer sondern eher die Zwischenhändler davon. Trotzdem betonten sie, sei Fairtrade für die Betroffenen hilfreicher als Produkte ohne Label zu kaufen. 

Und hier noch kurz der ganze Prozess von der Frucht bis zur Schokolade:
Wie erwähnt wachsen die ersten Früchte drei Jahre nach dem anpflanzen des Kakaobaumes. Die Blüten werden von Mücken und Fliegen bestäubt, nicht von Bienen. 
Nach ca. 6 Monaten sind die Früchte reif. Diese werden von Hand geerntet, geöffnet und das Fruchtfleisch (auch Plazenta genannt) von den Bohnen getrennt. Das Fruchtfleisch ist sehr süss und lecker! Die Bohnen werden dann zuerst 8Tage in Bananenblätter fermentiert und danach noch 9 Tage getrocknet. Dabei müssen sie immer wieder gedreht und bewegt werden, um nicht von Schimmel befallen zu werden. 

Wenn die Bohnen fertig getrocknet sind, werden sie geröstet, geschält und gemahlen. Aus der Masse wird dann Schokolade gemacht.
In Zentralamerika wird die Kakaomasse meist nur mit Zucker oder Honig vermischt, Milchschokolade wird praktisch keine hergestellt. Sie ist sogar ein wenig bitter, eigentlich die Zartbitterschokolade wie wir sie kennen. Aber sehr gut! 

Nach der sehr interessanten Tour gab es noch ein Mittagessen bestehend aus einem Stück Hühnchen, blauer Kartoffel, Kraut der blauen Kartoffel und Reis - ein typisches lokales Gericht. 

Am selben Nachmittag fuhren wir weiter nach Boquete. Dieses kleine Städtchen, das auf 1100m.ü.M. liegt, steuerten wir hauptsächlich wegen eines empfehlenswerten Automechs an. Wie im letzten Blogg Eintrag beschrieben, machte Baluu in letzter Zeit des öfteren faxen und die in El Salvador zusammengebastelten Stossdämpfer waren bereits wieder kaputt... Beim Cafe Malu kann man für 12US$ die Nacht campieren und hat ein gemütliches und sicheres Plätzchen. 

Wir verbrachten 4 Tage in Boquete, zwei davon beim Automech. Wie könnte es auch anders sein, war ein Wochenende dazwischen, was uns nichts anderes übrig blieb als zu warten. 
Doch Josh half uns wirklich sehr! Er diagnostizierte das komische Ruckeln auf ein Problem mit dem Benzinfilter. Bis dahin wusste ich nicht Mal das dieser überhaupt existiert.... 😁 so fuhren wir je 40min in die Grossstadt David um nach 5 Geschäften, kurz vor Ladenschluss doch noch einen für Baluu passenden Filter zu bekommen! Was für ein Geschenk! Auch die Stossdämpfer (passende für unseren VW Syncro) ersetzte er zu einem fairen Preis.
In Minca machten wir gar nicht viele Fotos, bis auf folgende wunderschön farbigen Vögel! 
Auf der Weiterfahrt Richtung Panama City stellten wir rasch eine Verbesserung beider Probleme fest: dank den neuen Stossdämpfer schüttelte es nicht mehr so stark und auch das unheimliche häufige Ruckeln trat kaum noch auf. Was für eine Erleichterung!

Da wir nur noch zwei Tage Zeit hatten, bis wir mit dem Papierkram um Baluu zu verschiffen starten mussten, fuhren wir direkt Richtung Hauptstadt. Die Strassen waren in gutem Zustand und die Landschaft gefiel und gut.
Unterwegs übernachteten wir seit langem wieder einmal bei einer super modernen Tankstelle wo es eine erstklassige Infrastruktur gab: sehr saubere WCs, gratis Duschen, Kaffe für 90Cent und die Benützung der Waschmaschinen inkl, Trockner Kostete nur 2 US$. Das einzige Negative waren die Lastwagen, die ihre Generatoren für die Klimaanlage laufen liessen. Doch dies hörten wir mit der Zeit auch nicht mehr. :)

Am nächsten Tag fuhren wir dann in die Grossstadt Panama hinein. Oweh, dieser Verkehr... Bis wir dann beim Hostel Amador ankamen, begann es bereits einzudunkeln.

Am Freitag 07.12.18 waren wir um 6:15 Uhr beim Office bereit mit unseren Papieren für den ganzen Bürokrieg. Das Büro befand sich in einem sehr heruntergekommenen Viertel und wir waren nicht böse, als das ganze dann 2.5h später erledigt war. 
Es war ein mega heisser Tag und so gönnten wir und einen kalten Kaffee im Starbucks und schlenderten durch eine nahe gelegene, riiiiesige Shoppingmall. 
Am selben Nachmittag mussten wir nochmals zurück zu dem Office, um weitere Papiere die wir für die Verschiffung nach Kolumbien brauchten, entgegen zu nehmen. Auch hier warteten wir wieder etwa 2h. Langweilig wurde es uns aber nicht, da wir Die Zeit mit plaudern verbrachten. John & Liam die ein Auto besitzen und Gregorio mit seinem Motorrad teilten nämlich den Container nach Cartagena mit uns. So konnten wir die Kosten aufteilen. 

Am Samstag darauf feierten wir meinen 25. Geburtstag beim Panama Kanal. Wir waren pünktlich bei Öffnung des Museums dort und konnten gerade noch ein grosses Frachtschiff beim passieren der Schleusen beobachten. Das nächste Schiff war dann erst wieder am Nachmittag geplant. 
Im Museum erfuhren wir auch noch so einiges über den wahnsinnig, gewaltigen Bau. Dieser ist 82 km lang und verbindet den Pazifik mit dem Atlantik. Er dauerte von 1881 mit Unterbrüchen bis 1914, als das erste grosse Schiff den Kanal erfolgreich passierte. Der Bau forderte 28’000 Menschenleben, die meisten davon starben an Malaria. 

Zwei Tage später konnten wir unseren Baluu dann trotz einiger Aufregung in den Container verladen. Denn noch am Freitag erhielten wir die Nachricht von unserem Agenten, dass die Hafenarbeiter streikten. Gott sei Dank war der Streik am Montag wieder beendet, denn wir hatten unser Segelschiff für die Überfahrt nach Kolumbien bereits gebucht und zudem erwarteten wir Besuch aus der Schweiz!

So war Baluu am Montagnachmittag dann verladen und wir nahmen einen Bus nach Puerto Lindo. Dort verbrachten wir zwei ruhige Tage in einem kleinem Fischerdorf an der Karibikküste bevor auch wir mit einem kleinen Segelboot in die See stachen, um nach Kolumbien zu kommen.

Am Mittwoch trafen wir unseren schwedischen Captain Goeran, der uns ans Herz legte, Reiseerkrankungspillen schon vorbeugend zu nehmen. Kurze Zeit später merkten wir, dass wir unsere nicht mehr hatten! Wir hatten extra welche gekauft und ich weiss auch, wo wir diese versorgt hatten. Doch am selben Ort hatten bewahrten wir alte Quittungen auf und als ich ausmistete, muss ich die Tabletten wohl ausversehen mitentsorgt haben. 
Und wie könnte es auch anders sein, wurden wir schon wenige Stunden nach dem ablegen Seekrank und hingen über der Reling...

Erst am nächsten Morgen, als wir auf ruhigem Wasser waren, ging es besser. Hellblaues Wasser, Korallenriffe, weisser Sand, tausende Palmen und strahlend blauer Himmel liessen uns die vergangenen Stunden vergessen. Wir schnorchelten, schwammen, spazierten auf der Insel, genossen frische Kokosnüsse und unterhielten uns und machten Spiele mit den anderen 8 Passagieren. Es war einfach nur herrlich und wunderschön! Das ganze Szenario (inklusive Seekrankheit) spielte sich dann einen Tag später nochmals ab. 
Trotzdem genossen wir die Zeit wahnsinnig und würden sofort wieder aufs Schiff - ein weiteres Mal dann einfach mit Reiseerkrankungsmedikamenten...

In Cartagena angekommen mieteten wir zwei Betten in einem Hostel und Luki verbrachte fast drei Tage am Hafen, bis Baluu‘s Papiere endlich bereit waren und er den Wagen aus dem Hafen fahren durfte. In der Zwischenzeit kam Samuel und Rebekka, Lukis Bruder und seine Frau, in Cartagena an. Wir werden Weihnachten und Neujahr mit ihnen verbringen und zusammen insgesamt vier Wochen durch Kolumbien reisen!












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Kommentare: 1
  • #1

    Hermann (Sonntag, 13 Januar 2019 09:53)

    Danke für die wunderbaren Bilder und Beschreibungen.
    Ich freue mich für euch, dass ihr trotz des Auscheidens Eures Gehilfen Balu weiterreisen könnt. Hoffentlich sind die Busse ebenso angenehm zum Reisen.

    Weiterhin alles Gute und Gottes Segen