Nicaragua

Nicaragua ist nach Haiti das zweitärmste Land der westlichen Hemisphäre. Die Leute hier hatten es in der Vergangenheit nicht einfach, da immer wieder Bürgerkrieg herrschte oder Revolutionen im Gange waren. Nach ein paar Jahren, in welchen es so aussah, als fände das Land wieder die nötige Stabilität sieht es nun wieder schlechter aus! Es brodelt wieder gewaltig! Mitte 2018 gingen tausende Menschen auf die Strassen, errichteten Barrikaden und demonstrierten gegen den amtierenden Präsidenten Daniel Ortega. Das Militär und die Polizei (unter der Obhut des Präsidenten) ging ziemlich gewalttätig gegen die Demonstranten (die auch nicht alle nur friedlich demonstrierten) vor. Mehr als 500 Leute wurden während dieser Zeit getötet. Da wir Nicaragua auf unserem Weg Richtung Südamerika so oder so durchqueren mussten, verfolgten wir die Situation natürlich gespannt. Im schlimmsten Fall hätten wir das Land in einem Tag durchfahren, zum Glück hat sich die Situation aber wieder beruhigt (auf jedem Fall im Vordergrund). Wir konnten so ein paar wunderbare und erlebnisreiche Tage in Nicaragua verbringen. Natürlich bemerkten wir während dieser Zeit, dass die Situation noch lange nicht wieder normal ist. Wir treffen nur auf wenige Touristen, ein paar Sehenswürdigkeiten sind geschlossen und viele Unterkünfte und Gastronomiebetriebe kommen erst langsam wieder zum laufen. Auch hören wir Geschichten von Familienvätern, welche ins Gefängnis gesteckt wurden weil sie einen Nicaraguaaufkleber (die Landesflagge ist das Zeichen der Bewegung gegen Ortega) auf dem Taxi hatten. Es scheint, so als würde jeder der „öffentlich“ etwas gegen den amtierenden Präsidenten sagt, wir nennen ihn hier einmal einen Diktator (wir hoffen hiermit niemanden anzugreifen, unsere Meinung basiert ganz einfach auf dem gesehenen und gehörten), weggesperrt oder eliminiert wird. Wir hoffen sehr, dass dieses Land baldmöglichst wieder zu Ruhe und Stabilität finden kann, denn viele Bewohner sind vom Tourismus abhängig. Wie ihr den folgenden Zeilen entnehmen könnt, gibt es auch einiges zu sehen!

 

Nachdem der Grenzübergang zwischen Honduras (wir waren übrigens nur ein Tag in Honduras unterwegs, da alle Sehenswürdigkeiten weit entfernt von unserer Route lagen, oder uns nicht wirklich Wert waren zu besuchen) und Nicaragua besser als erwartet über die Bühne ging, legten wir unseren ersten Stopp in der Stadt Leon (Spanisch für Löwe) ein. Leon ist eine verfallene Kolonialstadt im Nordwesten von Nicaragua. Fast die gesamte Kolonialzeit hindurch war Leon die Hauptstadt des Landes und darüber hinaus auch das wichtigste kirchliche Zentrum der Region. Kein Wunder kann man hier viele schöne Kirchen bestaunen. Unser Highlight war ganz klar der Besuch bei der „Catedral de Leon“. Die grösste Kathedrale in Zentralamerika! Für ein paar wenige Pesos darf man hier, über eine schmale Treppe auf das Dach der Kirche steigen. Auf dem weissem Gebäude wird man von der Sonne ziemlich geblendet, trotzdem genossen wir natürlich die Ausblicke über die Stadt und die Vulkane in der Region. Nach einem ganzen Tag, welchen wir in der Stadt verbrachten, hatten wir es aber auch gesehen (verzaubert hat uns dieser Ort nicht gerade) und wir machten uns auf zum nächsten Ziel. 

Der Vulkan Masaya welcher sich in der Nähe von Managua, der Hauptstadt des Landes befindet, ist einer der aktivsten Vulkane in Nicaragua. Weil in Zentralamerika alles ein bisschen einfacher zu und her geht und der Vulkan zudem gut überwacht wird, kann man hier bis zum Kraterrand fahren. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so stehen wir bei Anbruch der Dunkelheit am Eingang des Nationalparks. Nach einem Rundgang durch das spannende Museum fahren wir dann hoch zum Krater parkieren Baluu, schnappen unsere Kameras und laufen die paar wenigen Schritte bis zum Kraterrand. Von hier aus beobachten wir das Lava, welches ein paar hundert Meter unter uns brodelt! Die gesamte Umgebung erscheint in einem orange - rötlichem Farbton, was die Spanier dazu veranlasste zu glauben, dies sei das Tor zur Hölle. Das Kreuz, das ihr auf dem Foto erkennen könnt, stammt übrigens aus dieser Zeit. Mit Hilfe von diesem wollte man sicher gehen, dass der Teufel auch ganz sicher dort unten bleibt. 

Bei der Laguna de Apoyo nisten wir uns danach auf einer herrlichen Hotelanlage ein! Wir dürfen hier mit unserem Büssli campieren und die gesamte Anlage nutzen! Wir spielen Billard und Boccia, nutzen die Kayaks welche uns zur Verfügung stehen und baden im kristallklaren Kratersee. Ein wunderbares Plätzchen Erde :)!

 

Vom Städtchen Granada haben wir schon viel Gutes gehört und gelesen. Wir wurden in keiner Weise enttäuscht! Granada ist einer der ältesten Städte in der neuen Welt und die Spanier wollten hier zeigen, dass sie mehr zu bieten hatten als bizarre Religionen und fortschrittliche Militärtechnik. Was definitiv gelungen ist! Man realisiert dies, wenn man nach einem Stadtspaziergang inklusive Fotokamera in der Hand zurück kommt und mehr als 200 Fotos geschossen hat! Für uns ist Granada wieder eine Kolonialstadt wie wir sie lieben! Zwar kommt sie wohl nicht ganz an unsere bisherige Lieblingsstadt Antigua in Guatemala heran, trotzdem fühlen wir uns hier richtig wohl! Wir steigen auf die Kirchtürme hinauf, bestaunen die Aussichten, spazieren durch die Gassen, geniessen guten Kaffee und gutes Essen, besuchen den Markt und haben einfach eine gute Zeit. Während wir in einem günstigen Hostel übernachten, darf Baluu übrigens bei der Feuerwehr im Hof stehen! Es war schon immer sein Traum neben einem Feuerwehrauto zu schlafen :) !

Granada liegt übrigens am grössten See von Zentralamerika dem „Lago de Nicaragua“. In diesem See, direkt vor der Stadt liegen die „Las Isletas“. Eine Inselgruppe, bestehend aus 365 Inseln! 70 Prozent davon sind bewohnt. Neben den einheimischen Fischerfamilien haben sich hier auch reiche Familien aus Nicaragua und aller Welt niedergelassen. Wir erkunden einen Teil der Inselgruppe auf einer Kayaktour. Unser Guide lebt mit seiner Familie auf einer der Inseln und konnte uns daher sehr viel interessantes über die Flora und Fauna erzählen. Auch wusste er natürlich über die Villen, welche auf manchen Inseln zu sehen sind, Bescheid. Der Ausflug zu den Isletas hat uns super gut gefallen! Wir haben viele wunderschöne Vögel und Affen gesehen und durften auch einen Einblick in das Leben hier gewinnen. Falls du einmal in Granada sein solltest, unbedingt einen Besuch hier einlegen! 

Alles hat ein Ende und so verlassen wir Granada nach ein paar Tagen und fahren weiter südlich. In San Jorge legt nämlich die Fähre zur Isla Ometepe ab, welche wir für ein paar Tage besuchen wollen. Wir lösen unsere Tickets und parkieren Baluu auf der Fähre. Hierbei wird übrigens Millimeterarbeit geleistet. Während ich mit Hilfe des Captains unser Auto auf der kleinen Fähre parkiere, kann Rahel kaum zuschauen. Jeder Zentimeter wird ausgenutzt, dass auch ja möglichst viele Autos und Lastwagen Platz finden. Um das Ladegewicht scheint sich hier niemand wirklich Gedanken zu machen, dass Schiff liegt ziemlich schräg im Wasser aber wir überstehen die etwas mehr als einstündige Überfahrt problemlos. Die achtförmige Vulkaninsel im Lago de Nicaragua gefällt uns dann sehr! Die beiden Vulkane sind von fast überall auf der Insel zu sehen, alles ist herrlich grün und meistens geht ein angenehmer Wind! Unsere erste Nacht verbringen wir bei einer Hotelanlage, die einem Europäer gehört. Wir campieren hier im Garten und dürfen die Infrastruktur nutzen. Die zwei flugunfähigen Papageie, welche hier auf einem Baum leben tun es uns besonders an! Wir sind die einzigen Gäste und können so die Poolanlage und Hängematten für uns allein geniessen. Während den nächsten 3 Tagen fahren wir auf der Insel herum, machen kleinere Wanderungen und besuchen ein Schmetterlingshaus. Einmal mieten wir uns Kayaks und paddeln zur Affeninsel. Schon bald erspähen wir Tiere und sind so richtig begeistert! Zum ersten Mal treffen wir nämlich auf wild lebende Kapuzineraffen. Natürlich wollen wir uns die flauschigen Äffchen aus der Nähe anschauen und paddeln ein wenig näher heran. Wir erschrecken ziemlich, als die Affen dann in unsere Richtung kommen, fauchen und uns ihre spitzigen, langen Zähne ins Gesicht strecken. Wir schauen dem Spektakel nach diesem Erlebnis dann aus grösserer Entfernung zu... 

Unsere letzten Tage in Nicaragua verbringen wir am Pazifik im Örtchen San Juan del Sur. Diese Gegend ist vor allem bei Surfern beliebt. Es gibt hier viele Hostels wo man auf braungebrannte Surferboys- und Girls trifft und natürlich auch viele Bars und Restaurants. Da wir uns bis jetzt noch nicht wirklich für den Surfsport begeistern konnten, nutzen wir die Zeit mit Spaziergängen am Strand. Auch statten wir der „Jesus Statue“, welche auf einem Hügel über dem Ort thront einen Besuch ab und geniessen die schönen Ausblicke von dort. An unserem letzten Abend in Nicaragua besuchen wir dann noch das Restaurant „Asados Juanita“. Ein kleines Restaurant, das von einer lokalen Familie Betrieben wird. In der Decke hat es ein grosses Loch und man sieht die Tragkonstruktion und das Blechdach, an den Wänden hängen Ventilatoren aus den Zeiten des Zweiten Weltkrieges und man sitzt auf Plastikstühlen. Das Essen ist aber fantastisch und günstig! Kurz und einfach ein Ort wie wir ihn lieben, von A bis Z!

 

Die Tage in Nicaragua haben uns sehr gefallen! Das Land hat extrem viel zu bieten und trotz der im Moment angespannten Situation, sind die meisten Leute sehr freundlich und hilfsbereit. Gracias Nicaragua!

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Kommentare: 2
  • #1

    Gotti (Samstag, 17 November 2018 19:47)

    Ihr Lieben, einmal mehr spannend geschrieben und so schön,von euch zu hören und zu lesen. Ja hier liest und hört man nichts Gutes aus Nicuragua, schön werdet ihr so gut bewahrt und behütet.
    Diese Landschaft, Tiere und Pflanzen, sagenhaft schön. Und ihr Zwei, einfach so herzig.
    Gott befohlen
    Gotti

  • #2

    Sophie Grignon (Dienstag, 20 November 2018 15:25)

    So good to read from you.
    1988, I was in Nicaragua. I lived in the family of Ulga in a little place called Esteli. I have very good memories of this place.
    When you'll reach Peru, please send me a mail. I would like to present you my friend Luis.
    Con carinos