456 Topes, 3 Strassenblockaden und wunderschöne Ruinen

Die drei Tage in San Cristobal waren schnell vorbei mit spazieren, die Stadt erkunden, Kirchen besichtigen, Märkte besuchen, Wäsche erledigen und dem geniessen des angenehm kühlen Klimas. 


Weiter ging es nordöstlich, Richtung Palenque. Von unserem Reiseapp, iOverlander wussten wir, dass die direkte Strasse von San Cristobal nach Palenque teilweise von Einheimischen gesperrt wird. Darum informierten wir uns bei einer Militärstation zuerst über die Strassenverhältnisse. Uns wurde versichert, dass momentan alles in Ordnung sei und wir ohne Probleme fahren können. Sehr gut, dachten wir denn andererseits hätten wir je nach dem über 360km Umweg fahren müssen.

In einem Reiseblogg von anderen Travelers lesen wir ein paar Wochen zuvor, dass es auf dieser 220km langen Strasse, besonders viele „Topes“, die bekannten Strassenunebenheiten, geben soll. So nahm ich einen Zettel und Stift und beschäftigte mich neben dem bestaunen der Landschaft, mit „meiner Strichliliste“. :)

Die kurvigen Strassen führen durch wunderschöne Berggegenden auf rund 2000 M.ü.M. Auch hier treffen wir auf Ureinwohner, mit ihren schönen Trachten! Die Männer teilweise schwer beladen mit gesammeltem Holz, Frauen mit Ihren Kleinkinder in Tragtücher, weiter Kinder an der Hand. 


Nach knapp 2h fahren, treffen wir plötzlich auf Stau. Schnell merken wir, dass etwas geschehen sein musste und fahren ganz frech an den am Rand geparkten Autos vorbei. Etwa 20 Meter vor der durch Steine gesperrten Strasse fahren auch wir an den Strassenrand und warten.  „Que paso?“, fragen wir und erhalten keine wirklich ausführliche Antwort (=Was ist passiert?). Nach guten 45min tut sich was und wir können fahren- natürlich nicht gratis, schliesslich haben sie die Steine weggeräumt und wir bezahlen 50Pesos. Umgerechnet 2.80Sfr. Wir erhalten ein spanisches Flugblatt mit Informationen über die Demonstrationen.


Mit meiner Strichlisliste bin ich bis dahin bereits bei über 100...!


Eine weitere Strassensperre, diesmal bestehend aus einem Nagelbrett, erwartet uns eine Stunde später. Viele Leute befinden sich links und rechts am Strassenrand mit Schlagstöcken und Macheten. Es lächeln aber alle und reden freundlich mit uns. Auch hier müssen wir 50 Pesos bezahlen und dürfen dann sofort passieren. Auf diesem A4 Papier können wir unter anderem die Wörter „democracia“ und „presidente“ entschlüsseln, was unsere Vermutung über politische Angelegenheiten, bestätigt. 


Gegen 13:30Uhr treffen wir auf die 3. Strassensperre. Hier steht ein Polizeiauto quer über der Strasse und „Polizisten“ mit selbst gedruckten T-shirts und Gummiknüppeln sitzen wichtig tuend darauf herum, auch hier liegen Nagelbretter am Boden (Die „Policia Rural“ ist eine selbsternannte, eigenständige Polizei hier im Hochland Chiapas. Von der richtigen Polizei halten sie hier nicht so viel). Die Jungs sind bestimmt alle zwischen 18 bis max. 25 Jahre alt und fühlen sich hier in der Gruppe so richtig gross!

Wir warten und warten... Nach einer Stunde laufe ich auf sie zu und Frage auch hier was denn los sei. Zuerst werde ich ausgepfiffen und als „reicher Gringo“ beschimpft. Für uns werde es 100 Dollar kosten wenn wir passieren wollen, nicht wie auf einem Kartonstück angeschrieben, 100 Pesos. Ich stelle klar, dass ich nicht aus den Staaten komme und wir keine Dollarwährung in der Schweiz haben. Wie ein umgedrehter Schalter werden sie auf einmal sehr freundlich, machen Komplimente und schwatzen ein wenig...

Die Sperre zu Fuss zu umgehen ist erlaubt, so viel wir mitbekommen haben auch gratis. So sahen wir dutzende Menschen auf der einen Seite aus dem Bus zu steigen um auf der anderen Seite der Sperre wieder ein Bus oder ein Taxi zu nehmen. Natürlich müssen sie alles nochmals bezahlen. Langsam glauben wir, dass die Taxifahrer ebenfalls involviert sind in dieses ganze Theater - eine kleine Mafia eben! 

Mit der Zeit kommen wir ein wenig ins Gespräch mit einem mexikanischen Paar aus Guadalajara, dass 8 Tage Ferien macht. Sie hatten bereits gestern nicht passieren können und nervten sich fürchterlich über die Sperre. Was wir auch verstehen, denn wenn man nur eine begrenzte Zeit für Ferien hat und einen ganzen Tag verliert, ist das schon nicht schön. Der junge Mann spricht etwas englisch und erklärt uns, dass die Einheimischen sich von der Regierung nicht gerecht behandelt fühlen und mehr Rechte wollen. Viele leben in grosser Armut, habe keine bis eine geringe Schulbildung, leiden unter den Importen vom Ausland und unter Rassismus. 

Auf eine gewisse Weise verstehen wir das ja, aber Strassensperren ist bestimmt nicht der Richtige Weg, um diese Ziele zu erreichen! 

Erst nach mehr als vier Stunden warten in der Hitze, konnten wir weiter fahren. Diesmal mussten wir sogar 100pesos bezahlen. Für was sie das Geld denn brauchen werden, fragen wir und erhalten ein schelmisches Grinsen zurück. Ich frage: für Bier?, und erhalte prompt eine Bejahungen darauf! Schade, dass sie das Geld nicht wenigstens für etwas gescheites gebrauchen.


Da es nun schon bald eindunkeln wird, mussten wir uns auch nicht mehr entscheiden ob wir noch bis Palenque fahren werden. Es war zu weit. So machten wir einen Zwischenstopp in Aqua Azul.

Die dortigen Wasserfälle sind sehr schön, umgeben vom Dschungel. Wir liefen am Morgen Flussaufwärts und wissen schnell was andere Reisende gemeint haben mit: „es gibt überall Verkäufer, die dir ihre Ware verkaufen wollen!“. Einen Verkaufsstand nach dem anderen treffen wir auf unserem Spaziergang an.

Da es am Tag zuvor geregnet hatte, war das Wasser nicht ganz so blau wie auf den Werbefotos. :) Trotzdem sah es sehr schön aus auch wenn man den Grund nicht sah. Als es wärmer wurde und wir einheimische Kinder beim Plantschen sahen, verflogen die letzten Zweifel ob wir uns ins Wasser wagen sollteb oder nicht. Es war herrlich kalt! Bald gesellen sich mehr Leute zu uns und ein Bademeister taucht auf. 

Auf dem Weg zurück zu Baluu, gönnen wir uns frisch zubereitete Empanadas (mit Fleisch, Käse oder Gemüse gefüllte Teigtaschen) an einem der Stände. Mmhh! 


Weiter ging es auf der berüchtigten Strasse 199. Wir treffen nochmals auf zwei harmlose Blockaden: gespannte Schnüre durch Frauen und Kinder die uns Nüsse, frittierte Bananen und Obst verkaufen wollen. Einer älteren Frau bezahlten wir 10 Pesos für frittierte Bananen (obwohl wir auch durch gekommen wären ohne etwas zu kaufen) und mit drei kleinen Mädchen machten wir eine Art Tauschgeschäft. Da wir nicht mehr genug Münz hatten und sie uns Orangen verkaufen wollten, tauschten wir eine Orange gegen ein paar frittierte Bananen die sie sofort gierig verschlangen und gaben ihnen das restliche Kleingeld...


Danach kamen wir ohne Zwischenfälle sicher in Palenque an. 

Ich zählte bis zur Stadt 456 Topes. Ein Strich gabs jedesmal wenn wir aufgrund der künstlich erschaffenen Strassenunebenheit abbremsen mussten.


Am nächsten Tag „feiern“ wir unseren 4. Hochzeitstag in Palenque und besuchen die gleichnamigen Maya Ruinen. Um 7:30Uhr spazieren wir los, damit wir als erstes zu den Ruinen können bevor der grosse Besucherandrang kommt. Auf dem kurzen Spaziergang dorthin, sehen wir zum ersten Mal Brüllaffen. Diese haben wir nun schon mehrmals gehört, gesehen aber noch nie. 

Die Pyramiden und Bauten mitten im Dachungel beeindrucken uns einmal mehr! Nach einigen Kilometern Fussmarsch durch das Areal und viiiiiielen Fotos, besuchen wir ein kleines Museum wo über die früheren Bewohner der Städte, Informiert wird. Bis heute sind nach wie vor viele Fragen unbeantwortet.

Am Abend geniessen wir dann noch ein feines Essen im Restaurant auf dem Campingplatz „Maya Bell“.


Am folgenden Tag ist wieder Tanken angesagt. Wir bezahlen umgerechnet 1.15Sfr. pro Liter (dies als kleiner Einschub für die, die es Wunder nimmt. Die Preise variieren in ganz Mexiko kaum). In Mexiko fährt man an die Tankstelle und sagt, wieviel getankt werden soll. Selbständig darf man hier nichts machen. Wie immer sagen wir, „Queremos illenar por favor“ was volltanken bedeutet. Beim losfahren meint Luki, der Mexikaner habe unseren Tank so sehr gefüllt, dass der Benzinanzeiger gar nicht mehr zu sehen ist! Wir fahren weiter, aber schon bald nehmen wir ein stottern unseres Baluus wahr. Als dann kurz darauf eine Zahlstelle kommt, würgt der Motor mitten auf der Strasse ab! Wir können auch nicht mehr starten. Ojee was nun? Mir kam die Befürchtung, dass sie uns falsches Benzin bzw. Diesel getankt haben. Luki jedoch schickt mich hinaus mit der Anweisung, ich solle den Tank aufmachen und Luft reinlassen. Gesagt getan. Ein lautes Gurgeln ertönt und Baluu kommt mühsam wieder zum laufen. Das Problem ist nun diagnostiziert: Zu viel Benzin Benzin im Tank! Also fahren wir bei der nächsten Gelegenheit auf einen Platz, nehmen unseren Benzinkanister vom Dach und stecken einen Schlauch in unseren vollen Tank, sofort löuft etwas Benzin heraus, stoppt dann aber. Luki erklärt mir, dass er nun ansaugen werde. Mir ist nicht wohl dabei aber ich habe auch keine andere Idee. Und natürlich passiert das Unglück und Luki erwischt ein Mund voll Benzin! Ich geriet fast in Panik, hole schnell Wasser damit er sich den Mund spülen kann. Zwischenzeitlich fliesst Literweise Benzin in unser Ersatzkanister. Als dieser fast zur Hälfte gefüllt war, unterbrechen wir das Ganze und setzen unsere Reise fort - mit immer noch fast vollem Tank! 

Luki hat Gott sei Dank kein Schaden davon getragen (ich (Luki) würde sogar sagen eine gratis Intensivzahnreinigung bekommen zu haben und einen Schaden hab ich eh schon, sonst wären wir nicht hier :) ) . Zudem wissen wir nun, dass es auch noch andere, ungefährliche Möglichkeiten gibt...


Weiter nordöstlich auf der „Ruta de los Piratas“, liegt Campeche. Seit 1999 gehört die Stadt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Laut unserem Reiseführer gibt es dort nicht viel zu sehen. Die Kolonialstadt bietet jedoch eine schöne Strandpromenade, Palmen gesäumte Strassen, Festungen aus dem 17. Jahrhundert (vielleicht wegen den Piraten!?) und nebst einigen imposanten Kirchen auch schöne, farbige Gassen.   

Wir genossen dort einen guten Kaffe und schlenderten zwischen den Häuser herum, bevor wir uns auf zum nächsten Übernachtungsplatz machen.


Vor dem Tor zu den Ruinen von Edzna übernachten wir, damit wir am nächsten Tag als eine der Ersten auf Besichtigungstour gehen können. Unser Plan ging auf, wir rechneten jedoch nicht mit so vielen Mücken! Trotz Mückenspray, Mückencreme und langen Hosen greifen uns die fiesen Tiere an. Stehenbleiben geht nicht und die grossen Wiesenflächen auf dem Gelände, die noch mit Morgendunst überzogen sind, wirken zusätzlich als Mückenmagnet. So flüchten wir wild um uns schlagend auf die Ruinen wo im laufe der immer wärmer werdenden Sonne, die Plage ein wenig abnimmt. Einheimische kommen auf uns zu und fragen nach Mückenspray den wir in den Hosentaschen herumtragen. Natürlich geben wir gerne, leider hilft dieser nur begrenzt. Schon bald machen wir uns auf den Rückweg zum Auto und wollen nur noch weg von den Mücken...! 


An diesem Tag besuchen wir noch eine weitere Ausgrabungsstädte in Kabah. Was für ein Meisterwerk, dass die Mayas da erschaffen haben! So viele schöne Details an Gebäuden von Blumen über Kreuzchen, Zickzack, Inschriften aber auch etwas komische Figuren. Es ist einerseits wahnsinnig schön anzuschauen, jedoch auch speziell da man weiss, dass diese Fratzen oft ihre Göttzenbilder waren. Okkulte Rituale wurden oft praktiziert, die bis umhin zu Tier- und Menschenopfern reichten.


Nicht Mal 20km von Kabah befindet sich  Uxmal. Diese beiden Orte waren mit einer Pflasterstrasse  miteinander verbunden.

Uxmal war einer der grössten und wichtigsten Städte zu Beginn der ersten Jahrhundert nach Christus. Ihre Blütezeit wird auf das Jahr 700 n.Ch. geschätzt. Die dortigen Pyramiden und Gebäude wurden im Verlaufe verschiedener Herrscher, immer wieder umgebaut und vergrössert. Auch hier konnten viele Details und Verzierungen an den Gebäuden rekonstruiert werden. 

Heute ist ein kleiner Teil des einstmals 10 Quadratkilometer grossen Gebietes für Touristen zugänglich. Viele nicht ausgegrabene Gebäude werden nach wie vor von dichtem Urwald bedeckt. 

Wer sich für einzelne Gebäude von Uxmal interessiert, findet auf folgendem Link unter „Bauformen in Uxmal“ eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Komplexe: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Uxmal 

Auch hier übernachteten wir direkt vor dem Eingang und hatten das Privileg, die Ruinen vor dem grossen Andrang an Touristen zu besichtigen.


Mérida ist eine Grossstadt, eine gute Stunde Nordöstlich von Uxmal. Hier verbrachten wir die vergangenen zwei Nächte im Hinterhof eines Hostels. Zu Fuss erkunden wir die Stadt, welche uns aber nicht so ganz überzeugt. Zwei, drei schön restaurierte Gassen in verschiedenen Pastellfarben und einzelne schöne Gebäude entzücken uns, doch der viele Verkehr, verschmutzte Strassen und die oft heruntergekommenen Gebäude, lassen das Hochgefühl das wir nun von anderen Städten kennen, aus. 

Was wir uns aber auch hier nicht entgehen lassen wollten, war der Markt. Wir lieben die frischen Früchte und Gemüse die es zu kaufen gibt und der Einblick in das bunte Treiben der Einheimischen. Für 90 Pesos (4.80Sfr.) kaufen wir 3 Bund Radieschen, eine yucatetische Riesenavocado, 2 Limetten, eine grosse Zwiebel, 2 Drachenfrüchte, 10 Bananen, 7 Tomaten und einen Bund frischen Koriander ein!! 

Im Hostel lernen wir Oscar kennen, der uns am Abend mit „auf den Tanz“ nimmt. Er ist Mexikaner und versichert uns, dass wir in dieser Stadt keine bedenken haben müssen um die Sicherheit. Denn normalerweise befolgen wir den Rat, nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf die Strassen zu gehen.

Viele Gebäude sind beleuchtet, es geht nicht mehr so hektisch zu und her und der Verkehr hat sich deutlich gelegt. Auf dem „Parque de Santiago“ treffen wir dann auf Livemusik und viele ältere (sogar sehr alte) Paare die Tanzen als wären sie erst 20! :) Es war so rührend, sie konnten kaum mehr stehen und laufen aber manche Tanzten, dass man nur schon vom zuschauen ins schwitzen kam, während andere eng umschlungen im Takt mit wippten! Die Zeit verflog rasch und als das letzte Lied gespielt war, ging es keine 5 Minuten und der Platz war leer. Lastwagen fahren heran und beginnen mit aufräumen der Stühle, die jeden Dienstag Abend aufgestellt werden für die Zuschauer und Verschnaufpausen zwischen den Tänzen. Es war ein wunderbarer Abend und einmal mehr fallen wir müde aber von Herzen dankbar ins Bett, über all das Gute und Schöne was wir erleben dürfen!


Auch die kommenden Bloggs werden von den Spuren der Mayas handeln, wir werden Cenoten besuchen und hoffentlich einen weiteren Einblick in die wunderbare Tier- und Pflanzenwelt von Mexiko erhalten.

 


Passstrasse 199 und Agua Azul
An unserem Hochzeitstag besuchten wir die Ausgrabungsstädte von Palenque und sahen Brüllaffen
Kolonialstadt Campeche
Ruinen von Edzna mit viiiielen Mücken
Kabah...
... und Uxmal!
Die schöne Seite von Mérida ;)

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Kommentare: 1
  • #1

    Gotti (Freitag, 07 September 2018 18:27)

    Meine zwei Globetrotter,
    Eure Blogs werden immer dramatischer. Was ihr doch so alles erleben dürft und müsst. Zum Glück immer Gott in eurer Mitte.
    Aber die Landschaft und die farbigen Häuser gefallen mir ausserordentlich. Schön, könntet ihr euren Hochzeitstag so schön feiern. Wer kann denn das schon.
    Aber das Essen ist ja sehr günstig und darum glaube ich, ihr könnt noch lange Reisen.
    Hoffe ihr bleibt gesund und munter, trotz Benzin und vielen Mücken.
    Alles Liebe
    Gotti