Von Teotihuacan bis San Cristobal - Ruinen und Schildkröten

Etwa 40 Kilometer nordöstich von Mexiko Stadt befinden sich die Ruinen von Teotihuacan. Im riesigen Ausgrabungsareal steht, unter vielen anderen eindrücklichen Bauwerken, auch die drittgrösste Pyramide der Welt! Dies war natürlich Grund genug für uns, dieser Anlage einen Besuch abzustatten! Wir erreichten die Ortschaft San Martin de las Piramides am Nachmittag und nisteten uns auf einem gemütlichem „Campingplatz (gemähte Wiese mit Bäumen)“einer netten mexikanischen Familie ein. An Orten wie diesem zu Übernachten, mögen wir sehr! So kommt man immer wieder ein wenig in Kontakt mit der lokalen Bevölkerung. Kaum parkiert, durften wir eine für uns neue Frucht, eine Tuna probieren. Schon auf dem Weg hierhin sind uns die grossen Kaktusfelder immer wieder ins Auge gestochen, jetzt wussten wir auch wieso hier so viele Ohrenkaktusse anzutreffen sind. Tunas sind nämlich die Früchte dieser Pflanzen. Sind die Früchte erst einmal vom Kaktus gepflückt, müssen die Stacheln entfernt werden, bevor dann die Schale aufgeschnitten und die Frucht gegessen werden kann. Uns schmeckte es sehr und so kaufte Reitschel der Familie kurzerhand ein paar weitere Früchte ab und backte daraus Muffins, welche sie später dann an die Familienmitglieder verteilte. 
Tuna - Frucht des Ohrenkaktus
Am nächsten Morgen standen wir um 07:00 auf, assen unser Morgenessen und spazierten dann zum nahegelegenen Eingang der Ausgrabungsstätte. Einmal mehr durften wir merken, dass sich früh aufstehen lohnt! Wir waren, abgesehen von einem symaptischem Zeitgenossen aus Japan, mit dem wir ein wenig umherliefen und plauderten, nämlich fast die einzigen Leute auf dem ganzen Areal. So bestiegen wir die Sonnenpyramide ohne in einer mühsamen Schlange anstehen zu müssen. Auf der Spitze bot sich uns eine fantastischer Ausblick über die Anlage! Zudem war der ganze Himmel mit Heissluftballonen übersät, was das ganze fast ein wenig kitschig erscheinen liess! In den nächsten Stunden schauten wir uns die anderen Bauwerke an und merkten wie der Besucherstrom zunahm. Gegen die Mittagszeit, als wir uns Richtung Ausgang aufmachten war die Anlage dann voll mit Besuchern aus aller Welt und wir dachten mit einem Lächeln auf dem Gesicht, an die einsamen Morgenstunden zurück.

 Für die Geschichtinteressierten unserer Leserschaft hier noch ein paar Fakten zu Teotihuacan: Berühmt ist die Anlage vor allem wegen den zwei grossen Pyramiden, der Piramide del Sol (Sonnenpyramide) und der Piramide de la Luna (Mondpyramide). Die Stadt, welche vor hunderten Jahren um die Pyramiden angelegt wurde, war die Hauptstadt des Königreiches welches hier vor der spanischen Invasion blühte. Wirtschaftliche Gründe und Änderungen im sozialen System führten wohl zu einem Kolaps um das 8te Jahrhundert. Jahrhunderte nach dem Kolaps wurde die Städte zu einem Pilgerort der Azteken, die glaubten alle Götter hätten sich hier geopfert um die Sonne zum Beginn der fünften Welt in Bewegung zu setzen. Bis heute sind die Pyramiden eine berühmte Pilgerstätte für New Age Anhänger, die sich jedes Jahr hier treffen. 

Beeindruckt von der grösse der Pyramiden setzten wir unsere Reise dann Richtung Osten fort. Schon am nächsten Tag waren wir wieder beim spazieren zwischen Ruinen anzutreffen. Bei den Ruinen von Tajin verbrachten wir einige Stunden. Diese sind zwar um einiges kleiner als die Pyramiden in Teotihuacan, für unseren Geschmack aber um einiges schöner und detailierter. An allen Ecken sind hier schöne Verzierungen an den Gebäuden angebracht und interessante, in Stein gemeiselte Bilder prägen die Seitenwände der Ballspielplätze. Auch zwei bekannte Gesichter erscheinen plötzlich zwischen den Ruinen, Fredi und Jaqueline haben es auch hier hin geschaft. 
Am Nachmitag besuchen wir dann noch die nahe gelegene Stadt Papantla. Auf dem Platz vor der Kirche sollen hier die berühmten Voladores anzutreffen sein. Wagemutige Männer, die sich angemacht an einem Seil von einer etwa 30 Meter hohen Plattform stürzen und dann 13 Umdrehungen später am Boden ankommen. Ein Weltkulturerbe! Leider verpassen wir gerade eine Vorstellung und werden beim Nachfragen darauf hingewisen, dass in einer Stunde wieder eine Aufführung zu sehen sein. Wir plaudern ein wenig mit Fredi und Jaqueline, welche auch hier sind, statten dem nahe gelegen Markt einen Besuch ab, schauen bei einer Hochzeit in der Kirche zu und warten zwei Stunden später immer noch bis sich etwas tut. Fredi spricht dann die Akrobaten, welche gemütlich unter einem Baum im Schatten liegen an und fragt sie, wann es jetzt losgehe!? Es seien nicht genügend Leute hier, es lohne sich nicht die Aufführung durchzuführen, bekommt er als Antwort. Nach ein paar Minuten Diskussion, zückt Fredi dann eine 500 Pesos Note aus der Hosentasche (25 Franken) und die Akrobaten erheben sich wie von einer Biene gestochen! Wir haben noch nie Mexikaner gesehen, die sich so schnell bewegt haben! Fünf Minuten später ist alles bereit und wir dürfen dem Ritual dann doch noch zusehen! Es macht Spass dem Ganzen zuzusehen und wir dürfen tolle Fotos schiessen, einen faden Beigeschmack hat das ganze Erlebniss für uns aber doch! Schade, dass die Akrobaten hier nicht mit Herzblut zu ihrer Kultur und den Ritualen ihrer Vorfahren am Werk sind, sondern nur aufs Geld aus sind! Weltkulturerbe….für uns nach diesem Erlebniss fraglich! 

Die nächsten Tage verbringen wir auf dem Camping Coco Loco am Golf von Mexiko. Eigentümer hier ist der Schweizer Martin. Ein sehr, fröhlicher, aufgestellter Mensch der viel zu erzählen hat! Zusammen mit den Rupps die einen Tag später als wir auch hier eintreffen, lachen wir viel, tauschen Geschichten aus, und reden über Gott und die Welt. Natürlich dürfen auch gemütliche Stunden in der Hängematte, ein Glas Bier oder eine gute Pizza aus Martins Restaurant nicht fehlen! Es tut gut, nach doch ein paar ereignissvollen Tagen hintereinander wieder ein wenig zu relaxen. Martin ist übrigens leidenschaftlicher Schildkrotenschützer! Schildkröteneier gelten bei vielen Mexikanern als Potenzmittel und wurden in der Vergangenheit deshalb sehr viel illegal verspeisst. Auch heute gibt es auf dem Schwarzmarkt / oder unter dem Tisch noch Schildkröteneier zu kaufen. Die Lage hat sich aber erheblich verbessert und die Tiere werden vermehrt geschützt. Auf zwei nächtlichen Touren sind wir dann mit Martin am Strand unterwegs und dürfen dabei den Riesenschildkröten beim ablegen der Eier in den Sanddünen zuschauen. Ein für uns unvergessliches Erlebniss, diese gigantischen Tiere zu beobachten! 
Die grossen Tiere legen etwa 100-200 Eier in den Sand. Hierzu steigen sie vom Meer in die Sanddünen hinauf und hinterlassen dabei eine Spur wie ein Traktor! Mit den Hinterflossen gräbt das Tier dann ein Loch, welches bis zu einem Meter tief sein kann und legt die Eier darin ab (Martin erzählt uns, dass das Graben mehr als eine Stunde lang dauern kann). Ist das Loch dann wieder fein säuberlich mit Sand zugedeckt kehrt die Schildkröte zum Meer zurück und überlässt die Eier ihrem Schicksal. Schildkrötenschützer markieren dann entweder die Nester und bewachen diese oder graben die Eier aus und brüten sie in einem Brutkasten aus. Plus/minus Fünfzig Tage nach der Eiablage schlüpfen die kleinen Schildkröten aus und gehen ins Meer. Nach rund zwanzig Jahren im offenen Ozean kommen die Schildkräten, wenn alles gut geht, dann wieder an den Strand ihrer Geburt zurück und legen ihrerseits Eier ab! Einfach fantastisch! 
Martin zeigt uns dann auch noch ein kleines Dörfchen in der Umgebung, welches von französischen Auswanderern gegründet wurde. Die französischen Wurzeln sind hier bis heute gut sichtbar! So haben viele Häuser zum Beispiel Dächer mit Biberschwanzziegeln und wir treffen auf den ein oder anderen Dorfbewohner, der französisch spricht oder ein Bild des Eifelturmes in seinem Wohnzimmer hängen hat.

Nach vier Tagen auf dem Camping Coco Loco verabschieden wir uns von Fredi, Jaquelien und Martin und setzen unsere Reise fort. Auf einen Tipp von Martin hin, machen wir einen kurzen Zwischenstopp in einem wunderschönen Dörfchen mit dem Namen Tlacotalpan. Es gefällt uns sehr hier! Häuser in allen möglichen Farmen säumen hier die Strasse und man sieht Säulen so weit das Auge reicht! Auf dem Parkplatz einer Tankstelle verbringen wir hier eine sehr ruhige Nacht und Reitschel verschenkt zum ersten mal Kleider, welche wir von Freunden aus der USA bekommen haben, an die Dorfbewohner. Wie erwartet stossen wir hierbei auf verschiedene Reaktionen! Viele Frauen haben Freude einfach so, gratis Kleider für sich oder ihre Kinder zu bekommen und können es kaum fassen, dass wir die Kleider wirklich gratis abgeben wollen! Es spricht aber auch ein Mann mit Reitschel der die ganze Aktion irgendwie nicht ganz versteht, es wahr wohl der, der am meisten Geld hatte….! Wie Reitschel dann so schön gesagt hat freuen wir uns aber ab den lachenden Gesichtern der Frauen und vergessen die negative Reaktion ganz einfach!

Die nächsten Tage fahren wir relativ viel! Unser nächstes grosses Reiseziel ist die Stadt San Cristobal de las Casas im zentralen Hochland vom Bundesstaat Chiapas. Auf dem Weg dorthin legen wir ein paar kurze Stopps ein. So übernachten wir zum Beispiel bei einem Kinderheim, welches Campingplätze für Reisende wie uns zur Verfügung stellt um einen Austausch zwischen den Kindern und Reisenden zu schaffen. Eine sehr gute Idee wie wir finden! Ganz in der Nähe statten wir Cascada el Aquacero eine Besuch ab. Eine Schlucht mit Wasserfällen die ein wenig an den Film Avatar erinnert, weil alles so grün ist und Lianen von den Bäumen ins Tal hinab hängen. 
Wir durchfahren die Hauptstadt Chiapas, Tuxtla Gutierrez und kaum haben wir diese hinter uns gelassen geht es ins Hochland! Über tausende  Kurven, vorbei an kleinen Bergdörfern gelangen wir immer weiter und höher ins Hochland hinein. Zum ersten mal auf unserer Reise sind wir froh um unsere Benzinkanister auf dem Dach! Durch die vielen Kurven und die Höhe von mehr als 2000 Meter über Meer brauchen wir mehr Benzin als „geplant“! Der Tankzeiger befindet sich tief im roten Bereich und wir nehmen schon ein stottern war als wir an einer sicheren Stelle anhalten und den Tank auffüllen können! Das Hochland in dieser Gegend wir bis heute von Mayas bewohnt und es gefällt uns ausserordentlich gut hier! Immer wieder kommen wir an Maisfeldern vorbei welche an steilen Berghängen angelegt sind, sehen Frauen in ihren schönen traditionellen Kleidern und durchqueren kleine Bergdörfer in welchen die Einheimischen neugierig unser vorbeifahrendes Reisemobil beobachten und freundlich Grüssen! Wir bewundern diese Leute die in solchen einfachen Verhältnissen Leben, Wirtschaften und ihre Kultur pflegen! 

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Mami (Montag, 27 August 2018 17:07)

    Eimal meh sooo super, was ihr erläbed, gsehnd und all die liebe Lüüt, won ihr immer wieder känne lerned :-). Prima und au dFotis find ich jedesmal genial und wunderschön. Ich fange mich immer meh a freue uf eusi Reis zu eui :-). Alles Liebi und sind wiiterhin em Schutz vo eusem treue GOTT aabefohle! Herzlichi Grüess

  • #2

    Gotti (Dienstag, 28 August 2018 12:02)

    Liebe Rahel und Lukas
    Diese Fotos einfach unglaublich schön. Dass ihr soetwas erleben dürft, grossartig. Auch euer Bericht sehr spannend und lehrreich. Freue mich so mit euch und denke viel an euch.
    Klappt es gut mit eurem spanisch sprechen. Ich finde diese Sprache sehr schön.
    Weiterhin gute Reise und freue mich wieder von euch zu lesen oder hören.
    Gottes Segen
    Gotti