Ein wenig Heimat mitten in Mexiko

Charlies Restaurant, Santa Elena
Charlies Restaurant, Santa Elena
In der kleinen und unscheinbaren Ortschaft Santa Elena, etwa 100 Kilometer im Osten der zweitgrössten Stadt Mexikos „Guadalajara“, machen wir für sechs Tage halt. Für Reisende wie uns, gäbe es eigentlich keinen Grund, sich hier für so lange Zeit niederzulassen, wäre da nicht Charlies Restaurant! 

Charlie ein ausgewanderter Schweizer, lebt hier schon 27Jahre. Gepackt vom mittelamerikanischem Lebensstil hat er sich hier, während der letzten Jahre eine wunderschöne Anlage aufgebaut, zu welcher neben Bungalows und Campingmöglichkeiten auch ein Restaurant gehört. 

Am ersten Abend treffen wir leider erst ein, als das Restaurant schon geschlossen hat. Charlie lädt uns aber auf ein Bier ein und wir dürfen ihn, seine Familie und auch seinen besten Freund Urs, der mit seiner Familie hier in den Sommerferien ist, kennenlernen. Am nächsten Morgen erwachen wir mit dem Duft von frischem Brot in der Nase und dürfen einen Blick in Charlies Backstube werfen. Zwei mal in der Woche wird hier frisches Brot für das Restaurant und den Eigengebrauch gebacken und wir bekommen einen Laib zum probieren! Mhmm, mit Abstand das beste Brot welches wir seit langem gekostet haben. Kein Wunder ist nach ein paar Stunden kein Krümmel mehr übrig. Gegen den Abend geniessen wir dann zum ersten (und nicht letzten mal in den nächsten Tagen) ein Menü im Restaurant. Auf der Speisekarten stehen hier: Bratwürste, Hackbraten, Cordon Bleu, Forellen, Spaghetti Bolognese, gefüllte Pouletbrust, Rindsfilet und viele andere Leckereien. Wir schätzen es sehr, wieder einmal ins Restaurant zu sitzen und aus der Heimat bekanntes Essen zu konsumieren. 

Charlie und Urs laden uns ein, am Sonntagmorgen mit ihnen eine kurze Wanderung auf den „Hausberg“ zu machen. Wir sagen hierzu natürlich nicht nein und stehen am Sonntagmorgen um 07:00 bei Charlie in der Küche. Hier trinken wir einen Kaffee, streichen ein paar Sandwiches und ein paar Minuten später sind wir unterwegs. Zuerst spazieren wir durch das noch verschlafene Santa Elena und später einem Weg entlang Richtung Gipfelkreuz des Hausberges. Hier geniessen wir die Aussicht über die Gegend und essen danach bei einem nahe gelegenen, wunderschönem grossen Baum unseren Zwipf. Etwa zwei Stunden später sind wir zurück und verbringen den Rest des Tages mit Faulenzen und gutem Essen. 

Montag und Dienstags ist das Restaurant geschlossen und Zeit für Familie angesagt. Am Morgen begleiten wir Charlie und Urs in die nahe gelegene Stadt, essen Tacos zum Morgenessen und erledigen ein paar Dinge. Dann geht es noch kurz zu einem lokalen Käser der in Frankreich und der Schweiz gelernt hat Käse herzustellen. Hier dürfen wir Käse degustieren und decken uns danach mit Appenzeller, Grüyer (wird hier so geschrieben) und Raclettekäse ein. Kurzerhand werden wir zum Mittagessen bei Charlies Schwiegereltern eingeladen. Für uns eine mexikanische Familie wie aus dem Bilderbuch! Als wir beim Haus der Familie ankommen ist schon ein riesiger Betrieb! Kein Wunder bei einer 19-köpfigen Familie (Grossvater und Grossmutter, 15! eigene Kinder plus 2 Pflegekinder). Enkelkinder rennen umher, die Grossmutter ist am Kochen, der Grossvater begrüsst uns mit einem riesigen Sombrero auf dem Kopf und wir werden von allen sofort herzlich empfangen und fühlen uns mehr als wohl! Es gibt Pozole, eine mexikanische Spezialität, eine Art Eintopf mit Mais, Gemüse und Schweinefleisch. So lecker, dass wir noch eine zweite Portion nehmen, obwohl wir eigentlich genug hatten. Vielen Dank!

Am Dienstagmorgen dürfen wir in der Stadt dann eine Getreidemühle besichtigen. Der Geschäftsführer dieser Mühle ist der Schweizer Valentin. Einen Mann vor dem wir nur den Hut ziehen können! Vor langer Zeit als er gerade nach Mexiko ausgewandert ist, klopfte ein Nachbar bei ihm an der Türe und fragte, ob er eine Arbeiten wolle. Welche Art von Arbeit wurde ihm nicht mitgeteilt, trotzdem willigte Valentin ein und sass ein paar Tage später auf dem Sessel als Geschäftsführers der Mühle! Mit einem noch kleinen spanischem Wortschatz und ohne jegliches Wissen über Mühlen, von wo auch! Mit geschickter Hand, viel Einsatz und Lernfreudigkeit führte er die Mühle in nur wenigen Monaten von den roten Zahlen zurück in den Gewinn bringenden Bereich. Genug Argumente, dass er den Chefsessel auch nach der „Probezeit“ behalten durfte. Heute ist die Mühle Marktführer in der ganzen Region! 
Valentin nahm sich ausführlich Zeit für uns und führte uns durch das gesamte Areal. Jeder Vorgang und jede Maschine erklärte er uns bis ins Detail und wir durften viel lernen! Nie hätten wir gedacht, dass eine Getreidemühle eine solch komplexe Sache ist! So werden zum Beispiel in einem Labor von jeder Arbeitsschicht Mehlproben ausgewertet, Testbrote gebacken und die Qualität von Korn, welches eingekauft werden soll, geprüft. Mit zwei Säcken Vollkornmehl aus der Steinmühle und einem Kilogramm Weizenkeime, die wir als Geschenk mitnehmen durften, verliessen wir die Mühle wieder!  Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an Valentin und all die netten Mitarbeiter für diese Führung! 

Am Donnerstag, unserem letzten Tag bei Charlie, luden uns ein paar seiner Servierfräuleins ein, am Abend mit ihnen den Zirkus im Dorf zu besuchen. Wir willigten ein und nach dem erneut hervorragendem Nachtessen im Restaurant (wir wählten beide den Hackbraten zum Abschluss) spazierten wir durch das Dorf zum Fussballplatz, wo der Zirkus aufgebaut wurde. Ein paar Minuten später tauchten die Fräuleins auf und wir betraten das Zirkuszelt. Alles beschreiben zur Zirkusausstattung nützt nichts, am besten schaut ihr euch einfach die Fotos an. :) Nur so viel, der Licht- und Tontechniker auf seinem Gerüst war unserer Ansicht nach schon ein halber Akrobat :), so wacklig und unstabil war das Gebilde! Die Aufführung selbst war dann sehr einfach! So entdeckte man den Ticketverkäufer vom Eingang  ein paar Minuten später als Clown und dann in der nächsten Nummer akrobatisch an einem Seil turnend!  Was der Zirkus aber besitzt, sind Lautsprecher und diese nutzten sie bis an ihre Grenzen...
Obwohl wir nicht viel verstanden, lachten wir viel und hatten einen wunderbaren Abend inklusive Zuckerwatte!

Zum Schluss ein grosses Dankeschön an Charlie und Urs, ihre Familien, Mitarbeiter und Freunde! Wir haben die Zeit bei euch sehr genossen und wer weiss, vielleicht kreuzen sich unsere Wege wieder einmal!

Frisches Brot aus der Backstube
Frisches Brot aus der Backstube
Besichtigung der Getreidemühle
Besichtigung der Getreidemühle
Eine Wissenschaft für sich! Das mahlen von Korn zu Mehl
Eine Wissenschaft für sich! Das mahlen von Korn zu Mehl
Potzole eine mexikanische Spezialität
Potzole eine mexikanische Spezialität
Im Zirkus mit den Fräuleins die und eingeladen haben den Abend mit ihnen zu verbringen
Im Zirkus mit den Fräuleins die und eingeladen haben den Abend mit ihnen zu verbringen
Dorfzirkus in Mexiko! Alles ein bisschen einfacher als in der Heimat, wir lieben es!
Dorfzirkus in Mexiko! Alles ein bisschen einfacher als in der Heimat, wir lieben es!
Manege frei für die Akrobaten
Manege frei für die Akrobaten

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Kommentare: 1
  • #1

    Mama (Freitag, 17 August 2018 21:01)

    Waaaaaas? Ich bin mal die Erscht, wo en Kommentar chan schriebe und würklich das vor minere Schwöschter Mirjam..... ;-). Jetzt weiss ich vor luuter Überraschig fascht nümme was schriebe...;-)!!! Aber ich bin jedesmal sehr beidruckt, was ihr immer wieder erläbe dörfed und finds so genial, was für Lüüt ihr scho alles känneglernt händ und die Gaschtfründschaft vo so villne Lüüt. Ich grüess eu ganz herzlich und sind GOTT aabefohle!