Festland Mexiko

Die Baja California hat uns gut gefallen. Die schönen Strände und das Beobachten von Walhaien an der Sea of Cortez, die unendlichen Kaktuswälder im Herzen der Halbinsel und die nette mexikanische Familie, welche wir kennenlernen durften, waren unsere Highlights hier. Ganz ehrlich, nur um hier ein paar Wochen Sommerferien zu machen, würden wir aber nicht zurück kommen. Wenn es auf der Reiseroute liegt, ist die Baja aber durchaus ein Plätzchen wo man ein paar Tage verbringen kann.

Von La Paz aus wollten wir die Fähre nach Mazatlan nehmen, welches im Staat Sinaloa auf dem Festland Mexikos liegt. Wir fuhren also zum Fährhafen in La Paz. Als erstes passiert man hier eine Polizeikontrolle. Der freundliche Beamte wollte kurz unsere Pässe und die Einfuhrgenehmigung für unser Auto sehen (TIP). Danach öffneten wir ihm noch ein paar Türen damit er kurz ins Innere unseres Buses blicken konnte, was auch schon die ganze Kontrolle war, dann durften wir weiterfahren. Baluu wurde gewogen, fotografiert und ausgemessen (was 168 MXN Pesos kostete, etwa 10 Fr.) und wir erhielten die Quittung um damit unser Ticket für die Fähre zu besorgen. Im Büro der TMZ (Fährgesellschaft) geben wir unser Zettel ab und warten dann im kleinen Büro, zusammen mit etwa 10 mexikanischen Lastwagenfahrern, bis etwas geht. Das Internet funktioniert nicht und so wird geduldig gewartet bis wieder alles funktioniert, die Buchungen gemacht und die Beträge gezahlt werden können. Wir erhalten dann unsere Tickets und dürfen Baluu aufs Boot fahren. Gegen 18:00 sind dann alle Lastwagen und Autos verladen und die Fähre tritt die 16-stündige Überfahrt zum Festland an. 
Wir treffen noch auf zwei Pärchen aus Neuseeland die auch am Reisen sind und verbringen den Abend mit Ihnen. Als wir ins Bett wollen, stellen wir dann fest, dass es viel zu heiss ist um in Baluu zu schlafen und zudem haben die meisten Lastwagen ihre Motoren an um die Kabinen zu kühlen. Wir entschliessen uns also ziemlich schnell ein anderes Schlafplätzchen zu suchen.   Dieses finden wir dann auch auf dem obersten Deck des Schiffes. Hier Übernachten wir unter dem Sternenhimmel, den Fahrtwind des Schiffes in den Haaren, auf einer Art Metallbox. Trotz harter Unterlage schlafen wir erstaunlich gut und als wir am Morgen aufwachen, sind wir nicht mehr weit vom Festland entfernt. Wir geniessen das Morgenessen aus der Schiffsküche (der Küchenchef ist zu allen eher unfreundlich, aber das Essen schmeckt immerhin) und gehen dann wieder aufs Deck. Hier treffen wir auf eine super nette mexikanische Familie mit der wir die nächste Stunde aufs Meer hinaus schauen und unseren Spanischwortschatz verbessern. Neben einem Delfin der uns mit seiner Luftakrobatik verzückt, sehen wir auch noch Fische, Schildkröten und diverse Vögel. In Mazatlan tauschen wir noch unsere Telefonnummern aus und verabschieden uns dann. 

Mit der Fähre von La Paz nach Manzatlan
Wir beschliessen der Hitze ein wenig aus dem Weg zu gehen und verlassen daher die Pazifikküste Richtung Hochland. Bei der „Laguna de Santa Maria del Oro“ im Bundesstaat Nayarit legen wir dann für zwei Tage einen Stopp ein. Auf dem schönen Campingplatz übernachten wir inmitten von Mangobäumen und Kokospalmen. Auf einer etwa zwei stündigen Wanderung umrunden wir die Lagune und sehen dabei hunderte von Schmetterlingen in verschiedensten Farben, Formen und Grössen. Später lesen wir, dass es in Mexiko mehr als 5000 Schmetterlingarten geben soll. In der Lagune lässt sich auch wunderbar baden und Reitschel wird dabei noch von einem Fisch in den Oberschenkel „gebissen“! :) (Anmerkung von Rahel: Er hat mich wirklich gebissen! Oder gezwackt... Ja nennen wir es gezwackt. Es war jedenfalls schmerrzhaft genug damit ich schreiend aus dem Wasser gesprungen bin...)


Einer der vielen Schmetterlinge welche wir um die Lagune beobachten durften
Mangobäume überall!
Am 2. August besuchten wir eine familiäre Tequila Fabrik namens „Tres Mujeres“. Übersetzt heisst das „drei Frauen“. Der Name bezieht sich auf die drei Töchter des Inhabers wie wir später erfahren. Am Eingang kauften wir uns Tickets (auf Spanisch, dank Lukis immer besser werdenden Spanisch-Kenntnissen) für eine Tour und hatten das Glück, dass ein englisch sprechender Führer anwesend war. Dieser war jedoch gerade auf einer anderen Tour und so erkundetet wir das Areal ein wenig auf eigene Faust. Neben einem Restaurant und schönen Gehwegen gibt es auch eine hübsche kleine Kirche die mit Sitzbänken aus Fässern ausgestattet ist. 
Nach etwa 1.5h Wartezeit dürfen wir dann eine sehr informative Führung geniessen bei welcher wir die einzigen zwei Teilnehmer sind! Tequila wird aus blauen Agaven hergestellt, welche hier herum überall auf Feldern angebaut werden. Eine Agave muss mindestens sieben Jahre wachsen bevor sie geerntet wird, damit der Zuckergehalt genügend ist. Nach drei Jahren spriessen neben jeder „Mutterpflanze“ Setzlinge aus dem Boden, welche ausgegraben und auf einem neuen Feld eingesetzt werden. Bekommen die Agaven übrigens eine Blüte, welche in der Mitte der Pflanze, spargelförmig Richtung Himmel wächst, wird diese sofort abgeschnitten. Die Blüte würde der Wurzel der Pflanze (welche für den Tequila gebraucht wird) den Zucker entziehen. Nach sieben Jahren werden die Blätter von der Wurzel (welche die Form einer Ananas hat) abgeschnitten und die Wurzel ausgegraben. Übrigens weder zum aus- und einpflanzen der Setzlinge, noch zum ernten der Wurzeln gibt es Maschinen, Handarbeit ist angesagt! Die Wurzeln werden dann in einem Ofen mit Dampf gekocht und danach wird ihnen durch zerhacken und schreddern der Saft entzogen. Dieser gärt danach für ein paar Tage und wird danach in 3 Stufen destilliert. Das Resultat ist ein weisser Tequila wie wir ihn aus der Schweiz gekannt haben. Wie zum Beispiel auch beim Whiskey kann der Tequila dann aber auch in Eichenfässer abgefüllt werden. Hier bekommt er über die Jahre einen total anderen Geschmack und Farbe, was wir beim Degustieren dann auch herausschmecken durften. Weisser Tequila schmeckt noch sehr nach Agave, Tequila der für mehrere Jahre in Eichenfässern gelagert wurde bekommt eine süssliche Note und ist deutlich dunkler. Die Farbe haben wir gelernt, nimmt der Schnaps vom Holz an. 
Übrigens hat im Tequilakeller dieser Destillerie auch ein berühmter Produzent ein paar Fässer eingelagert. Diese werden hier 5 Jahre in einem separaten Abteil gelagert wo 24h am Tag klassische Musik läuft (wir haben es mit eigenen Augen gesehen und gehört). Dies soll die Wassermoleküle „positiv“ stimmen und so zu besserem Tequila führen. Diese Prozedur wurde schon mit anderen Schnäpsen angewendet, hier ein erstes Mal mit Tequila. Man ist gespannt wie das Resultat am Ende sein wird... Tres Mujeres Tequila ist übrigens ein „Bioprodukt“. Heisst hier wird Wert darauf gelegt, dass keine künstlichen Dünger verwendet (man setzt hier zum Beispiel auf die Blätter der Agaven und Rossmist als Dünger) und dem Tequilasaft keine künstlichen Zucker hinzugefügt werden (ist der Saft bei industriellen Konzernen nicht genug süss, wird mit Zucker nachgeholfen). Wir können diese Gedanken nur unterstützen und verlassen die Fabrik mit einer guten Flasche Tequila unter dem Arm.

Blaue Agaven, Rohmaterial für Mexikos Nationalgetränk, Tequila! 
Agavenwurzeln, etwa 7 kg schwer, erbigt ca. einen Litter weissen Tequila
Die Destillerie 
Natürlich darf auch das Degustieren nicht fehlen! 
Im Süden des Vulkans Tequila liegt die Ortschaft Teuchitlan, wo wir auf unsere ersten Majaruinen names „Guachimontones“, treffen. Ein modernes und spannendes Museum erklärt was hier gefunden wurde und beim anschliessenden Rundgang durch das Gelände, dürfen wir uns die Ruinen anschauen. Mittelpunkt dieser Ausgrabungen ist eine Kreisrunde Pyramide und zwei Ballspielplätze, auf welchen Spiele die je nachdem um Leben und Tod gingen, ausgetragen wurden. Ein erster spannender Einblick in die Welt der Majas, die uns in den nächsten Wochen hier in Mittelamerika definitiv begleiten wird.
Die Ruinen von Guachimontones 
Auto beladen auf mexikansiche Art :) 
Wird auf einer Strasse gebaut, führt die Umleitung meist über eine kurzerhand angelegte Schotterpiste. 
Farbenfroh ist es hier so ziemlich überall

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Kommentare: 2
  • #1

    Gotti (Sonntag, 05 August 2018 22:01)

    Hallo zusammen,
    Da habe ich ja wieder sehr vieles gelernt von euch. Werde den nächsten Tequila ganz anders trinken, da ich jetzt weiss wie er hergestellt wird. Danke.
    Die Schmetterlinge sind auch sehr schön. Ich liebe Schmetterlinge,so zart und filigran.
    Alles Gute weiterhin.
    Gott mit euch.
    Gruss und Kuss
    Gotti

  • #2

    Mami (Montag, 06 August 2018 17:32)

    Also mini Schwöschter isch eifach immer zerscht am Läse und ame Kommentar abgäh…; da han ich e KEI Chance!!!! ;-(!!!! ;-)! Immer schön vo eu zläse uf jede Fall und ich muess gestah, dass ich nöd mal weiss WIE en Tequila "mundet"... ;-). Wiiterhin vill Freuid bim Reise und villi schöni und wertvolli Begägnige wünsch ich eu und sind bhüätet! Mami