Baja California, Mexico

Wir sind in Mexico!
Nachdem wir unsere erste Nacht auf einem Weingut im Guadalupe Valley verbracht und mehr oder weniger gut geschlafen hatten, startete unser erster ganze Tag in Mexico!

Wir fuhren nach Ensenada, eine grössere Stadt am Pazifik. Unterwegs stellten wir fest, dass die Mexikaner einen sehr ähnlichen Fahrstil wie die Italiener haben... :). Heisst, jeder fährt ein bisschen wie es ihm grade passt aber im grossen und ganzen funktioniert das Chaos dann eben doch. Dort angekommen, parkten wir unser Auto und spazierten der Küstenpromenade entlang zum Stadtzentrum. Vorbei an verschiedenen Restaurants, einem Fischmarkt mit frischen Fischen und einer Strasse mit kleinen Läden und Marktständen. Alles wirkte ziemlich touristisch. Trotzdem gefiel es mir gut, da alles voller Farben war und ein lustiges Gewirr aus Stimmen und mexikanischer Musik die Strassen erfüllte.  
In unserem Reiseführer wird, etwas vom Gewühl entfernt, ein authentisches mexikanisches Restaurant empfohlen. Schon seit Wochen freuten wir uns wahnsinnig auf das mexikanische Essen und so beschlossen wir, dieses aufzusuchen. Mit unserem nach wie vor kleinen spanischen Wortschatz bestellten wir und bekamen auch ungefähr das, was wir uns vorgestellt hatten. Das Essen war gut, haute uns aber nicht aus den Socken. Dafür punktete das Restaurant mit seinen kunterbunten Farben an Wänden, Tischen, Stühlen und den aufgehängten Wimpeln.

Weiter ging es südwärts, entlang der Pazifikküste. Wir passierten karge, steinige und heisse Wüstenlandschaft. Nur was bewässert wird grünt, alles andere ist Staub und Sand. Die Strassen sind ziemlich gut, wieder viel enger als wir es gewohnt sind von Kanada und den USA (also etwa so wie in der Schweiz) und hie und da gibt es ein paar Schlaglöcher. Sobald aber die Hauptstrasse verlassen wird, ist nichts mehr geteert! Auf einen Randstein grossen Absatz folgen steinig-staubige und ausgewaschene Strassen. Zwischendurch fährt man durch kleine Dörflein wo einige Häuser in den buntesten Farben angestrichen sind, andere erscheinen sehr heruntergekommen. Und statt Strassenschilder, welche angeben dass man langsamer fahren muss, gibt es teils riesige unangekündigte Topedos! (Das sind künstliche Strassenunebenheiten). Mann muss also immer sehr wachsam sein und gut auf die Strasse schauen um die Topedos zu sehen. Mit voller Fahrt über eine solche Erhebung in der Strasse zu fahren würde einem Auto erheblichen Schaden zufügen.  
Wilde Hunde oder Kühe laufen am Strassenrand und leider liegt sehr viel Abfall herum. Und was es bis jetzt in jedem noch so kleinen Dorf gab, ist mindestens ein Tacostand. Wenn diese nicht wären, wäre es wohl kein mexikanisches Dorf... :)

Unsere zweite Nacht verbrachten wir auf einem Campingplatz, welcher zum Hotel mit dem Namen „La Cueva del Pirata“ gehört. Es befindet sich direkt an einer Klippe und wir genossen einen wunderschönen Ausblick auf den tief blauen Pazifik.  Hier war sogar Bono, der Leadsänger von der Band U2 einmal zu Besuch, ein Beweisfoto steht an der Bar! :) Für einen kleinen Aufpreis für WC und Dusche, bekamen wir den Schlüssel für Zimmernummer 1, in welchem wir das Bad benutzen konnten.

Den nächsten Tag verbrachten wir mit viel Fahren, es ging ins Landesinnere  weiterhin durch die Wüste und ein paar Mal wünschten wir uns, wir hätten eine Klimaanlage in unserem Baluu. Einen Stopp legten wir in einer felsigen Gegend ein, wo hunderttausende Kaktusse wachsen! Ein kurzer Wanderweg zwischen den faszinierenden Pflanzen führt zu einer kleinen Höhle, wo man Höhlenbemalungen bestaunen kann. Unser Plan war eigentlich, irgendwo inmitten diesem Kaktussmeer zu übernachten. Aufgrund der starken Hitze beschlossen wir dann aber weiter zu fahren. Nach fast 3h Stunden erreichten wir dann die Sea of Cortez (dies ist übrigens das einzige Meer, welches nur einem Land gehört), bei der Ortschaft Baja de Los Angeles. Dort richteten wir uns auf dem Campground „Camp Archelon“ nur etwa 10m vom Meer entfernt, für die Nacht ein. Den nächste Tag verbachten wir mit Kajaken (diese durfte man gratis leihen) und baden im Meer. Dies war übrigens das erste Mal, dass wir im Meer badeten seit wir auf unserer Reise sind! 

Bei Antonio, dem Campingbesitzer, erkundeten wir uns über die Walhaie, welche in dieser Zeit vom Jahr in der Sea of Cortez beobachtet werden können. Da es für uns beide allein ein zu teurer Spass gewesen wäre, organisierte er uns eine Tour mit einer mexikanischen Familie zusammen, welche auch auf dem Campingplatz war.

Und so kam es, das wir unser erstes Highlight in Mexico erlebten! Denn die Familie war supernett, alle konnten gut englisch und waren sehr lustig und grosszügig! Ricardo Senior (Die Familie bestand aus Grosseltern, Eltern, 7jähriger Sohn und dessen 10jährige Cousine) fragte uns ob wir gerne Clams haben und als wir Antworteten, dass wir noch nie Meeresfrüchte gegessen haben, glaubten sie uns dies zuerst nicht. Wir erhielten sofort eine Einladung für das Abendessen. So kam es, dass wir kurzerhand in eine Bucht fuhren und dort auf Muschelsuche gingen. Dies war mega lustig, fast wie Schatzsuchen! In etwa hüfthohem Wasser liefen wir herum und mussten mit unseren Füssen ca. 10cm tief in den Sand nach den Schalentieren suchen. Danach taucht man herunter und holt sie heraus. Alle halfen mit und ziemlich bald hatten wir einen ganzen Kübel voll Muscheln! (Was mich zum einen sehr begeisterte, zum andern auch nervös machte weil ich noch nie Muscheln gegessen habe und bisher eher skeptisch war. Aber wir sind ja offen für neues!)
Mit dem Boot ging es weiter an kleinen Inseln vorbei wo wir Seehunde, Pelikane, Möven, Kormorane und Adler beobachten konnten. Das Highlight der Vogelwelt waren eindeutig die Blaufusstölpel! Wir dachten, die gäbe es nur auf Galapagos. 

Zusammen mit anderen Booten fuhren wir um die Mittagszeit im offenen Wasser herum, auf der Suche nach den berühmten Walhaien. Unser Kapitän erhielt per Funk die Nachricht von der Organisation, dass die Tiere gerade tief tauchen. So machten wir nochmals Halt in einer Bucht und badeten. Plötzlich rief er uns zurück aufs Boot und wir fuhren zu den anderen Booten aufs Meer. Und schon bald sahen wir den grössten Fisch der Meere! Dank unserer Unterwasserkamera konnten wir diesen Moment festhalten. 

Wieder an Land ging es dann gleich ans vorbereiten des Nachtessens. Ich konnte mich bereits mental darauf vorbereiten, dass ich etwas essen werde, was ich bisher bewusst gemieden habe. Auf dass was dann aber kam, war ich nicht vorbereitet. Ricardo nahm einige Muscheln, öffnete sie und gab sie uns zusammen mit etwas frischem Limettensaft zum roh essen! Luki was sehr mutig und ass die erste. Ich veranstaltete eher ein wenig ein Theater, aber „Nein“ sagen kam nicht in Frage (und wäre wohl auch nicht akzeptiert worden). So kam es, dass ich eine noch lebendige Muschel ass, oder wohl eher herunter würgte. Weiter ging es, dass Ricardo an ein Stück frischen Fisch kam, welchen Fischer gerade erst gefangen hatten und in der Nähe am ausnehmen waren. Wieder dachte ich er würde diesen zuerst kochen oder braten. Aber nein, auch diesen gab es wieder roh! (Ich muss anmerken, ich ass auch noch nie Sushi oder sonstigen rohen Fisch). Dieser schmeckte zusammen mit den Saucen aber mega gut! Frischer geht es nicht mehr! :) 

Wir lernten, dass die Muscheln gekocht werden müssen, damit sie sich öffnen. Aber nicht zu lange, sonst werden sie zäh. Dann schält man das Fleisch heraus. Ricardo briet die Muscheln dann in viel Butter, zusammen mit Knoblauch, Zwiebeln und Koriander und servierte uns diese zusammen mit Reis - und nicht vergessen, einer Tortilla! Diese ist man hier in Mexiko wie Brot zu fast jedem Essen. :)
Der Dessert war dann unsere Angelegenheit- wir bereiteten ein Schoggifondue mit unserer letzter Schweizer Toblerone Schokolade und frischen Früchten zu, was bei allen sehr gut ankam, besonders bei den Kinder. 

Bei spannenden Gesprächen, zu denen sich Antonio der Campingbesitzer auch noch dazugesellte durften wir dann mehr über Mexiko erfahren. Vor kurzem wurde ein neuer Präsident gewählt und die Hoffnung ist bei manchen Leuten gross, dass dies zu einer Veränderung in Mexiko führen wird. Der Korruption, welche hier in Mexiko omnipräsent ist, soll ein Ende bereitet werden. Während die älteren Personen am Tisch voller Hoffnung auf diesen Neuanfang waren, gaben sich die jüngeren eher zurückhalten und skeptisch da die Korruption einfach zu tief verwurzelt ist. Wir sind gespannt wie sich das Land entwickeln wird und werden das sicherlich weiterhin mit Interesse verfolgen! Antonio war übrigens schon in Europa und hat dort unter anderem studiert und gelernt Wein zu machen. Er sagte für ihn war das eine Reise in die Zukunft! Er konnte nicht fassen wie bei uns alles geregelt ist und funktioniert. Wir erklärten ihnen dann aber auch, dass auch bei uns in der Schweiz nicht alles perfekt ist. Man merkte dass die Reise nach Europa Antonio geprägt hatte und wie er selbst sagte, durfte er viele Ideen mit nach Hause nehmen. Dies sieht man auch auf seinem Campingplatz. Es gibt hier zum Beispiel Abfalltrennung, Solaranlagen, Meerwassernutzung für WCs, und vieles mehr. Es ist schön junge Leute zu sehen, die ihre Gemeinschaft und ihr Land vorwärts bringen wollen! 

Und schon haben wir unsere ersten Freunde in Mexiko! :) Wir tauschten Adressen und Nummern aus und Ricardo Junior und seine Frau Alina, haben uns herzlich eingeladen, bei ihnen ein, zwei Nächte zu verbringen wenn wir dann auf dem Festland sind. Sie wohnen in Guadalajara, ca. 200Kilometer im Landesinnere von Mexico. 

Unser Weg führte uns weiter südlich. Von der an der Ostküste gelegene Sea of Cortez führt der Highway 1 zurück an den Pazifik und dann wieder an die Ostküste. Wir legten dazwischen einen Stopp in San Ignacio ein. Eine Oase, mitten in der Wüste. Übernachtet haben wir in mitten von hunderten Palmen, direkt an einer Lagune. Es war traumhaft schön, fast wie im Bilderbuch. Aber oft gibt es ja einen Haken wenn alles so perfekt scheint.  In diesem Fall war es ein riesiges Dorffest direkt auf dem Campingplatz. Dies ist ja eigentlich kein Problem, wir genossen die fröhliche Livemusik und sahen den Kindern beim plantschen in der Lagune zu. Die Campingbesitzerin versicherte uns gleich am Anfang, das Fest sei um 21:00 Uhr beendet. Die Familien waren um diese Zeit dann auch weg, geblieben sind dann aber die Leute, die schon ein paar Bierchen zu viel getrunken haben und sich grölend bis in alle Nacht um unser Bus aufhielten. Der Bass der Musik liess teilweise unsere Autoscheiben wackeln und an schlafen war kaum zu denken. Das letzte Mal als ich auf die Uhr schaute, war 01:28Uhr, danach konnten wir irgendwann einschlafen. 
Am nächsten Morgen sah der eigentlich so hübsche Campingplatz aus wie eine Müllhalde. 
Zu Fuss liefen wir 2.5km ins Dorf von San Ignacio wo wir eine schöne, im spanischen Stil erbaute Kirche aus dem 18. Jahrhundert anschauten. 
Zurück beim Campingplatz sahen wir die Besitzerin des Grundstücks, eine ältere Dame, am Abfall zusammen räumen war. Sie war ganz allein! Den Abfall, welcher vorwiegend aus Bierdosen bestand, rund um unser Auto nahmen wir dann für sie zusammen, bevor wir weiter fuhren.

Auf den Strassen in Mexiko trifft man immer wieder auf Militär- oder Polizeikontrollen. Meistens stellen sie uns ein paar Fragen und winken uns dann durch. Einmal durchsuchte ein Beamter unser Auto. Wir wissen, dass man die Kontrollöre immer im Blickfeld haben sollte, damit sie nichts klauen oder aber auch nichts zufügen! Bis jetzt verlief aber alles gut, wir gelangten auch noch nicht in die Hände von korrupten Polizisten.

Die nächsten zwei Nächte an der Sea of Cortez waren nicht gerade angenehm. Es war sooo heiss, wir wussten nicht was wir tun sollten. Im Meer konnten wir uns nicht abkühlen weil es warm war wie eine Badewanne. Eine Klimaanlage im Auto hatten wir auch nicht und der Wind verschwand zusammen mit der untergehenden Sonne. Im Auto war es sehr warm und stickig, und wenn wir nach draussen wollten zum schlafen, kamen Mücken und Fliegen (trotz Insektenspray). Aber es kann ja nicht immer alles perfekt sein, sonst geniesst man das Schöne nicht mehr. 

350km nördlich von La Paz, der Hauptstadt der Baja California (nicht zu verwechseln mit La Paz, der Hauptstadt von Bolivien), befindet sich Loreto. Das  Städtchen hat eine schöne alte Kirche, bunt angestrichene Häuser und wie wir gehört haben, die beste Taco Bude in ganz Baja California. Übrigens wurden wir von Ricardo Junior aufgeklärt, dass Tacos nicht die harten Maischips sind, wie wir sie kennen! Sondern eine Tortilla mit Fleisch oder Fisch und je nach Lokal, den angebotene Beilagen dazu. Ein „Taco con carne assado“  zum Beispiel, ist eine Tortilla mit gegrilltem Fleisch. Wenn man will, bestellt man Beilagen dazu wie Guacamole, Tomaten, oder Salat. Danach faltet man diese in der Mitte und Fertig! Das ist ein richtiger mexikanischer Taco! :) 
Einen genau solchen genossen wir in der besagten Bude. Wow, war das lecker! 
Am selben Tag ging es weiter nach La Paz. Auf einem ruhigen, schönen Campingplatz wo es gutes Internet gibt, verbrachten wir eine sehr angenehm, kühle Nacht. 

Die zwei darauffolgenden Tage fuhren wir noch bis ganz in den Süden der Penisula wo wir im kalten! Pazifik wunderschöne Fische beim Schnorcheln bestaunen konnten. An den Stränden hier befindet sich ein Hotel nach dem anderen, eines pompöser als das andere! Das ist nicht so unser Ding und so verliessen wir den Süden der Baja California bald wieder. 

Nun sind wir wieder auf dem Campingplatz in La Paz und werden morgen die Fähre quer über den Sea of Cortez, nach Mazatlan nehmen. Das mexikanische Festland ruft und wir sind gespannt was uns dort erwartet!

Die ersten Tage
Camp Archelon
Und hier noch RICHTIGE MEXIKANISCHE Tacos

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Kommentare: 3
  • #1

    Gotti (Montag, 30 Juli 2018 08:12)

    Hoi zusammen,
    Montagmorgen, ich öffne meinen Computer und was lese ich da.... euer Blog. Mit grosser Freude verschlinge ich eure spannenden Berichte. Ihr erlebt so Vieles und ihr seid Mega mutig, Muscheln, rohe Fische etc. Bravo, mich würde das ein wenig schaudern.Auch die Fotos, einfach fantastisch. Freue mich sehr für euch.
    Am 12,8 gehen wir für zwölf Tage nach Spanien
    Seid bewahrt und ich denke an euch
    Gotti Mirjam

  • #2

    Müetterli (Montag, 30 Juli 2018 20:41)

    Muetig, muetig, was ihr da gässe händ ;-); aber super händ ihr das probiert und ihne e keis Nei wiitersgäh. Ich weiss nöd wie ich reagiert hetti - ich "hasse" ebe Meeresfrücht, aber ich weiss au, dass mer i dene Länder nie Nei sötti säge, wenn sie eim öppis abütet. Drum super händ ihr eu überwunde und sind erscht no überrascht worde, dass es gar nöd so schlächt bis sogar guet gsii isch :-). Wiiterhin ganz schöni, wertvolli und tolli Erläbnis wünsch ich eu und e gueti Überfahrt ufs Feschtland hüt Nacht! Sind bhüätet und bewahrt vo eusem HERR und GOTT und ganz liebi Grüess

  • #3

    David B. (Sonntag, 05 August 2018 13:39)

    Ganz toll was ehr da zverzelle und z zeige hend. :D Hammer Föteli und Bricht. De chame sich grad es bizli driifühle und sehnsüchtig Fernweh ha. :) Gnüsseds ehr zwei und sid begleitet.
    Rahle & David