Yellowstone National Park

Tag 1: 11.06.18 (Rahel)

Prolog: Unser Wecker holte uns um 5.30Uhr aus dem Schlaf, um die Tierwelt- und Bergwelt des Grand Teton zu bestaunen. Doch als wir dann aus dem Fenster schauten und die vielen Wolken und die Nebelschwaden sahen, stellten wir den Wecker ab und schliefen weiter... (Wenn ich das so lese bin ich nicht gerade stolz auf diese Leistung). Erst nach 9:00Uhr erwachten wir erneut, bei nur leicht besserem Wetter. Nach unseren Haferflocken mit frischen Früchten, unser tägliches Frühstück, machten wir uns auf für eine stündige Wanderung. Es war immer noch ziemlich frisch und so genossen wir einen heissen Kaffee statt ein Glace nach dieser Wanderung.

Kurz nach dem Mittag verliessen wir den Grand Teton National Park und fuhren in den direkt angrenzenden Yellowstone National Park: Der eigentliche Grund warum wir nochmals so weit in den Norden fuhren. Ein paar Kilometer vor dem Zahlhäuschen, sahen wir einen Autostopper. Hierzu muss ich nochmals ausholen und eine kleine Geschichte erzählen: Als wir zum zweiten Mal in den Grand Canyon fuhren, sahen wir zwei Autostopper mit viel Gepäck, hielten dann aber nicht da wir schon ziemlich müde waren und keine grosse Lust auf Konversationen hatten. Well... jedenfalls eine Hälfte der Truppe, es werden zum Schutz der Beteiligten aber keine Namen genannt. So winkten wir und fuhren weiter. Einen Tag später auf der Wanderung begegneten wir zwei Jungs. Sie fragten uns, ob wir einen Van haben und als wir mit „ja“ antworteten, sagten sie dass wir am Vortag an ihnen vorbei fuhren. Ich hatte ein schampar schlechtes Gewissen und wunderte mich, dass die uns wieder erkannten ohne Baluu! (Wir nehmen nicht jeden Autostopper mit, nur solche, die wie WIRKLICHE Reisende aussehen. Mit Rucksack und so...)

Zurück zu Tag 1. Es fing leicht an zu regnen und der junge Herr sah wie ein „richtiger“ Tramper aus. Darum stoppten wir dieses Mal. Ein junger Franzose, namens Meddy, kam also mit uns in den Park. Zuerst wollten wir ihn beim Visitor center wieder ausladen, irgendwie machte er aber einen hilflosen Eindruck und so boten wir ihm an, mit uns auf den Camping zu kommen wo er somit „gratis“ übernachten konnte. Irgendwie machte er keine anstalten uns zu verlassen und so kam es, dass wir irgendwie alle zusammen beschlossen, dass er die nächsten fünf Tage mit uns den Yellowstone erkundigen wird... :) Warum auch nicht!

Der erst 21jährige kam nach Amerika um Englisch zu lernen, was er mittlerweile recht gut kann. Er hat fast kein Geld und ist reist sehr einfach: Er hat nicht einmal ein Zelt, sondern schläft in einer einfachen Hängematte. Essen gibts bei ihm Brot zum Frühstück, Brot zum Zmittag und Brot zum Znacht... :) Dazwischen ein Apfel und ein paar Chips. Da führen wir im Gegensatz zu ihm ein richtiges Luxusleben. Denn am Abend hat es zum einen unzählige Mücken, zum andern wird es sehr frisch, es waren hier höchstens noch 5ºC. Wir haben dann unser Baluu, wo wir vor beidem mehr oder weniger geschützt sind... Aber wir finden es auch gut, dass es heutzutage noch so junge Leute gibt, die mit wenig auskommen und Abenteuer freudig sind! :)

Tag 2: 12.06.18 (Luki)

Als wir heute Morgen um 06:30 erwachten waren unsere Autoscheiben seit längerer Zeit wieder einmal gefroren. Noch nie haben wir Frost Mitte Juni erlebt aber hier im Yellowstone National Park ist das tatsächlich möglich! Meddy der die Nacht in seiner Hängematte verbracht hatte tat uns schon ein wenig Leid sobald wir dann aber mit Baluu unterwegs waren, bekamen wir alle ziemlich schnell wieder warm. Schon nach ein paar Fahrminuten sahen wir dann Autos am Strassenrand stehen und Leute, welche durch ihre Kameras und Fernrohre starrten. Natürlich gesellten wir uns dazu und konnten unser Glück kaum fassen, da sahen wir doch tatsächlich unseren ersten Bären hier in den USA. Der Grizzly war zwar etwas weit entfernt aber durch die Kamera konnten wir das Tier wunderbar beobachten. Unser heutiges Ziel war das Lammar Valley im Nordwesten des Parks, in welchem man sehr gut Wildlife beobachten kann. Auf unserer Fahrt dorthin durchquerten wir das wunderschöne Hayden Valley und stiessen dort auf diverse Bisonherden. Diese Bisons sind einfach eindrückliche Tiere und auch nach dem gefühlt hundertstem Tier, welches man gesehen hat bekommt man einfach nicht genug. Grosse, muskulöse, wilde und doch ruhige und gemächliche Tiere die man aber auch nicht herausfordern sollte. Es sind hier im Park schon Menschen ums Leben gekommen, weil sie diese Tiere unterschätzt haben. Nachdem wir die Passhöhe des Dunravenpass überquert hatten, fanden wir uns dann plötzlich in einer Autoschlange wieder. Alle Leute stiegen aus den Autos und liefen die Strasse herunter, was Rahel und Meddy dann auch taten, während ich im Auto blieb. Ein paar Minuten später kamen sie zurück und teilten mit, dass ein Schwarzbär am Strassenrand die Ursache für die Aufruhr sei. Langsam rollten wir dann der Strasse entlang weiter bis wir dann zum Ort kamen, wo der Schwarzbär war. Dieser überquerte ein paar Autos vor uns die Strasse, gefolgt von einem kleinen Bärchen :)! Wir konnten es nicht fassen, dass sich gewisse Touristen zu Fuss bis zu 2-3 Meter dem Tier annäherten um ein „gutes“ Foto zu schiessen! Eine Mutterbärin, welche sein Junges beschützen, will ist etwas vom gefährlichsten was man in der Wildnis antreffen kann! Zum Glück war die Bärin ruhig und es passierte nichts. Auf der Böschung auf der sich die kleine Bärenfamilie danach aufhielt, waren sie wieder sicher vor den Touristen! Wir wollen hier keine Moralpredigt halten aber einfach daran erinnern, dass es wilde Tiere sind, welche wir auf Reisen oder auch Zuhause in der Schweiz im Wald oder auf Wiesen antreffen und diese sollten wir mit dem nötigen Respekt behandeln! Nach der Aufregung durften wir dem kleinen Bären und seiner Mutter dann noch ein paar Minuten zuschauen und unter anderem sehen, wie der kleine auf einen Baum kletterte, um dort ein wenig zu Naschen. Ein unglaubliches Erlebnis, das uns für lange in Erinnerung bleiben wird! Wir sahen an diesem Tag neun, ja richtig gehört NEUN Bären ( 2 Grizzly einer davon mit Baby, und 6 Schwarzbären) und können es bis heute nicht fassen! Wir haben von Leuten gehört die schon mehrmals im Yellowstone waren und noch nie einen Bären zu Gesicht bekommen haben! Neben dem Bären beobachten wanderten wir auch viel an diesem Tag. Wir umrundeten den Trout Lake im Lamar Valley, machten die Lost Lake Wanderung bei der Tower Junction, sahen die Tower Falls und die Calcite Springs und absolvierten den Elephant Back Trail zum Feierabend! Zutiefst dankbar für diesen wunderbaren Tag und all die Bären die wir gesehen hatten schliefen wir dann richtig gut und schnell ein! 

Auch wenn die Bären das absolute Highlight des Tages waren, gab es noch einige andere Tiere die wir heute zu Gesicht bekamen: Koyoten, Elks, Murmeli, Pronghorns, Steinböcke (oder etwas in derselben Familie), Ospreys, Gänse und weitere schöne Vögel und verschiedene Eichhörnchen.

Tag 3: 13.06.18 (Rahel)

Auch heute stellten wir einen Wecker, damit wir möglichst viel vom Tag haben. Kurz nach 7:00Uhr verliessen wir den Campingplatz und fuhren wieder im östlichen Teil des Parks zuerst zur fishing Bridge, in der Hoffnung, wieder wilde Tiere beobachten zu können. Tatsächlich sahen wir in einiger Entfernung einige Elks auf einer Wiese am Fluss, die diese Wasserquelle nutzten. 

Danach fuhren wir zu den Mud Volcaons. Dort 

bestaunten wir brodelnde Tümpel, rauchende Quellen und staunten über den aktiven Boden unter uns.

Der Grand Canyon des Yellowstone National Parks war unser nächstes Ziel. Vom Artist Point auf dem South Rim Trail, hat man einen wunderbaren Ausblick auf den beeindruckenden Lower Fall. Von dort aus wanderten wir durch Wälder und Wiesen, vorbei an Seen und sahen einige Bisons. Die im Yellowstone wohnhaften Büffel, sind übrigens die Grössten ihrer Art in ganz Amerika. Sie wurden nie mit anderen Tieren ihrer Familie gekreuzt. 

Am späteren Nachmittag erledigten wir unsere Wäsche, genossen und Glace und machten nochmal einen kleinen Rundgang, den Pelican Creek Nature Trail. Tatsächlich konnten wir auch einen amerikanischen Pelikan bestaunen. 

Auf unserer fahrt zurück auf den Camping, kamen wir in den Genuss von Trompeter Schwans. Auch wenn wir heute keine Bären sahen, war es wieder ein wunderschöner und erlebnisreicher Tag und wir freuen uns bereits sehr auf Morgen, wo wir dann in den Westen des Parks fahren werden.

Tag 4: 14.06.18 (Luki)

Nachdem wir uns, wie jeden Morgen mit Haferflocken und einer Frucht (heute waren das Erdbeeren) gestärkt hatten, machten wir uns auf Richtung Westen. Am heutigen Tag haben wir uns die Region um den Old Faithful angeschaut. Um acht Uhr morgens waren wir beim Visitor Center und erkundeten uns nach den Eruptionszeiten der Geysire. Da die Eruption des Old Faithful Geysire auf 09:00 angesagt wurde, genossen wir einen guten Kaffee und warteten mit vielen anderen Leuten auf den grossen Augenblick. Um 09:10 war es dann soweit und die etwa 20`000 Litter Wasser schossen bis zu 50 Meter in den Himmel! Der Old Faithful ist nicht der aktivste und auch nicht der grösste aller Geysire im Upper Geysire Basin aber er bricht regelmässig ca. alle 90 Minuten (variiert zwischen 50-127 Minuten) aus und ist daher die Attraktion des Yellowstone National Park. Nachdem wir uns dieses Spektakel angeschaut hatten spazierten wir auf Wanderwegen und Holzstegen durch das Upper Geysire Basin und schauten uns die anderen Geysire an. Die meisten dieser Wasserspeier brechen so unregelmässig aus, dass man richtig Glück haben muss um sie zu beobachten. Es gibt aber auch ein paar kleinere Geysire welche regelmässig ausbrechen. Alle 7-10 Minuten erwacht zum Beispiel der Anemone Geysir, was sehr spannend ist da man so eine ganze Eruptionsphase beobachten kann. Das Upper Geysire Basin ist übrigens die grösste Ansammlung von Geysiren weltweit! Ansammlungen wie hier gibt es nur noch in Chile, Russland und in Island. Ein weiteres Highlight in dieser Gegend war für uns der Glory Morning Pool. Dieser mit heissem Wasser gefüllte Pool erstrahlt in allen möglichen Farben :) am besten einfach die Fotos anschauen... beschreiben nützt hier wirklich nicht viel! Mit hunderten anderen Leuten schauten wir uns dann noch ein zweites Mal den Old Faithful Ausbruch an und wir waren froh, dass wir am Morgen beim ersten Mal ein wenig mehr Platz hatten. 


Den Nachmittag verbrachten wir dann damit, uns diverse heisse Quellen, andere Geysire und brodelnde Schlammlöcher anzusehen. Der absolute Höhepunkt des Tages war dann aber der Besuch bei den Prismatic Springs! Der blau, gelb, orange, rot, braune See ist wohl allen schon einmal auf irgend einem Foto oder in einem Film vor die Augen gekommen. Fotos und Videos sind das eine, sieht man diesen Ort aber mit den eigenen Augen kommt man aus dem staunen wirklich fast nicht mehr heraus! Alles ist in einer solchen Perfektion geschaffen und sieht umwerfend aus! Hier trafen wir übrigens zum dritten Mal auf unserer Reise (nach dem Canyonlands NP und vor zwei Tagen hier im Yellowstone) auf Adam und Sarah die in der Schweiz leben und für drei Monate in Nordamerika unterwegs sind! Wir wanderten also ein wenig zusammen und redeten über Gott und die Welt. 


Die heutige Nacht werden wir auf dem Campingplatz in Madison verbringen. Dies ist im Westen des Parks. Morgen wollen wir dann zu den Mammoth Hot Springs im Norden von hier fahren. 

Tag 5: 15.06.18 (Rahel)

Als um 6.30Uhr der Wecker klingelte, ich die Kälte spürte und die dichten grauen Wolken am Himmel sah, wollte ich mich am liebsten umdrehen und weiter schlafen. Das taten wir natürlich nicht und ich bin sehr froh darüber. Denn nach unseren Haferflocken mit den restlichen Erdbeeren, machten wir uns auf den Weg zu den Artists Paints Pots. Nach einem kurzen Weg durch dichten Tannenwald, erreicht man die dampfenden Löcher, heisse Quellen und blubbernde Schlammlöcher. Die ganze Gegend schimmert in verschiednen Farben aufgrund von Mineralien und Bakterien. Einmal mehr staunten wir über die gewaltige Schöpfung! 

Die Wolken wurden dunkler als wir das Norris Geyser Basin erreichten. Verschiedene Rundgänge führen durch die Vulkanlandschaft und auch hier sahen wir kochende Quellen, wunderschöne Farben und wo das Auge hinreicht, kleine Öffnungen im Boden wo weisser Dampf empor steigt. Der geheimnisvolle Steamboat Geyser befindet sich ebenfalls im Norris Basin. Wenn man Glück hat, sieht man die selten stattfindende Eruption, bei der kochend heisses Wasser bis zu 120m empor geschleudert wird! Das ist doppelt- bis dreifach so hoch, wie der berühmte Old Faithful Geyser sein Wasser speiht. Niemand kann den nächsten Ausbruch voraussagen. Auf einer Informationstafel stand, dass er das letzte Mal am 4.Juni 18 ausbrach und es 4 Tage bis zu 50Jahren gehen kann, bis wieder ein solches Ereignis eintrifft. 

Ebenfalls in diesem Gebiet, findet man denn Swiss Cheese Pool. Aber ehrlich gesagt hat uns dieser eher wenig beeindruckt. Wir finden sowieso das Amerikaner nicht gerade Käsefeinschmecker sind...

Als wir uns auf dem Rückweg zu Baluu befanden, setzte dann der Regen ein. Für uns ist es das erste Mal seit Mitte April, dass wir Regen hatten! 

Kurz vor Mittag erreichten wir die Mammoth Hot Springs Terraces. Von diesen einmaligen Formationen mit all den Farben konnten wir uns beinahe nicht satt sehen! Schaut euch die Fotos an. Oder noch besser, besucht sie selbst! :)

Auch nach dem Mittag war es nicht viel wärmer und so gönnten wir uns einen heissen Kaffee und besuchten das lokale Visitor Center. 

Später machten wir noch eine Wanderung zu den Biever Ponds, sahen jedoch keine Bieber. Dafür ein Mule Deer und einige Elks (dies sind keine Elchs wie wir sie kennen). 

Heute war der letzte Abend zusammen mit Meddy, dem Franzosen, der uns seit 5 Tagen begleitet. Wir kochten Grill-cheese und Cinnamonrolls und tauschten einige Fotos aus. Es war eine neue Erfahrung für uns, mit jemandem Fremden zu reisen. Doch mit Willen, Flexibilität und Humor geht das wunderbar, wir hatten eine sehr gute Zeit zusammen. Morgen werden wir den Park verlassen und er wird ebenfalls weiter ziehen. Gerade jetzt wo wir uns so gut eingespielt haben zu dritt! :) 

An dieser Stelle möchten wir nochmals erwähnen, dass wir uns über jeden Besuch freuen! ;) 

Tag 6: 16.06.18 (Luki)

Heute um etwa vier Uhr morgens begann es zu Regnen. Meddy wurde es in seiner Hängematte also ein wenig unbequem und er verbrachte die letzten Stunden der Nacht auf dem Fahrersitz bei uns im Auto, wie wir es am Vorabend besprochen hatten. Pünktlich um sieben Uhr verliessen wir den Camping Platz bei den Mammoth Hot Springs und fuhren Richtung Süden zum Westeingang des Parks. An der Madison Junction verabschiedeten wir uns von Meddy der von hier aus Richtung Süden zum Grand Teton Autostoppen wird und dann weiter nach Las Vegas fliegt. Eventuell werden wir ihn, in ein paar Wochen in San Francisco nochmals treffen. Durch den Westeingang verliessen wir dann den Yellowstone National Park. Wir hoffen dieser Tagebuch ähnliche Bloggeintrag hat euch die Schönheit und Wildnis dieses Parks ein wenig näher gebracht! Wir werden nun wieder in Richtung der Westküste fahren. Mit ein paar Zwischenstopps...

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Kommentare: 2
  • #1

    Gotti (Sonntag, 17 Juni 2018 10:57)

    Danke für euren Blog, den ich wieder heisshungrig gelesen habe. Ihr sind aber sehr grosszügig, dass ihr Leute zu euch einladet. Gott wird’s euch sicher reichlich belohnen.
    Alles Liebe
    Gotti

  • #2

    Mami (Dienstag, 26 Juni 2018 20:09)

    Mir händ also dMurmelis bsunders gfalle.... ;-)!
    Suscht isch de Park also würklich so was vo schön - wär das schön, wenn ich das eines Tages sälber live dörfti gseh?! :-).
    Ganz liebi Grüess
    Mami und sind bhüätet!