Baluu der Grummelbär

Es liegen weitere sehr aufregende und nervenaufreibende Tage hinter uns. 
In Eagle Plains haben wir ein Schweizer Paar aus Bern getroffen, welches für gut 3 Wochen in Kanada/Alaska unterwegs war. Wir verbrachten einen tollen und lustigen Abend bei ihnen im Camper, wo sie uns zum Znacht eingeladen hatten. Sie sind dann auch am späten Abend mit uns auf den Dempster Highway hinaus gefahren und haben uns auf die Nordlichter aufmerksam gemacht. Sie waren in dieser Nacht wolkenarteig weiss erschienen und wenn wir nur kurz an den Himmel geschaut hätten, wären wir nie auf die Idee gekommen, dass dies die Nordlichter sein könnten! Erst bei längerem hinsehen waren sie zu erkennen. Es war das erste Mal, dass wir sie sahen und es war wunderbar!
Wir wurden von Eagle Plains abgeschleppt und leider ist auch noch unsere Heckscheibe durch einen Steinschlag zersprungen. Da in Dawson City kein Mechaniker Hand anlegen wollte an einem VW, organisierten wir einen Transport nach Whitehorse. Der freundliche Mann, welcher uns aus dem Nirgendwo abgeholt hatte, half uns dabei. So wurde Baluu in einen Lastwagen verladen und wir nahmen den Shuttlebus nach Whitehorse. Die Garage dort, die offiziell auch eine VW Garage ist, hatte leider aber erst 5 Tage später Zeit, um sich unseren Bus überhaupt einmal anzuschauen. Wir haben diese Zeit in einem B&B verbracht, bei einem älteren, sehr netten Ehepaar. Sharon, die Inhaberin, versorgte uns jeden Tag mit einem sehr leckeren Frühstück, später mit Muffins und Früchten und weil wir in einer «ausserordentlichen Situation» steckten, auch mit einem feinen Abendessen. Hunger mussten wir in diesen 6d also nicht haben! Die Unterkunft war etwa 15km ausserhalb der Stadt und dies war perfekt, um die Nordlichter und den wunderschönen Sternenhimmel zu bestaunen. Die Aurora Lights treten zwar nicht immer auf bei klarem Nachthimmel, wir sahen sie jedoch zweimal. Einmal sind sie sogar in tiefem Grün, Rot/Rosa und Weiss erschienen. Ein sehr faszinierendes Erlebnis! 
Am Mittwoch konnten wir dann unseren Baluu abholen. Die Garage war uns nicht annähernd so sympatisch wie die in Red Deer bei Sheldon. Als wir während der Wartezeit hinfuhren, um die wichtigsten Sachen aus dem Auto zu holen, waren beide Vorderräder auf spitzen Steinen parkiert. Und als wir dann am besagten Mittwoch dort ankamen, stellten wir fest, dass sie uns nicht wirklich ernst nahmen. Luki hat nämlich schon diverse Dinge getestet und die Schaltgestänge vom Getriebe getrennt, damit wir das Auto im Neutralgang abschleppen konnten. Er hat alles, was er schon versucht hat, in einem E-Mail zusammen gefasst. Der Garagist meinte dann, dass das Problem, welches wir mit der Gangschaltung hatten davon kam, dass das Schaltgestänge nicht mehr mit dem Getriebe verbunden sei. Er könne sich aber nicht erklären wie so etwas passiere könne…! Tztztz….
Wie auch immer, einer der Mechaniker hat uns auf Deutsch erklärt, dass er alles wieder zusammen gebaut hat und das Gestänge nach wie vor etwas verbogen sei. Wir sollen einfach aufpassen beim Fahren und ja nicht würgen! Aber mehr konnten sie nicht herausfinden, da alles viel zu dreckig sei und sie nichts sehen können. Falls sie noch etwas daran machen sollen, müssten wir das Auto also zuerst waschen. Als ich zur Rückseite des Autos ging stellte ich fest, dass das Blech hinten ganz verbogen war. Ich sprach ihn darauf an, was passiert sei und er meinte, es käme vom Abschleppen. Die Garage hat den VW von der Truckfirma nämlich noch zu ihrer Garage transportieren müssen. Der Mechaniker meinte, wir müssen es halt wieder zurechtbiegen. Kochend vor Wut (vor allem Rahel) und Enttäuschung,  verliessen wir die Garage. Trotzdem waren wir auch sehr erleichtert und dankbar, dass unser Baluu wieder fahrbar war! Der erste Gang klemmte zwar nach wie vor, Luki hat aber rasch herausgefunden, wie man den Gang trotzdem, ohne gross zu würgen, benutzen konnte.
Wir haben unseren Baluu dann gewaschen, einen Steinschlag flicken lassen, die zersprungene Scheibe mit einer Folie provisorisch abgedeckt und alles gepackt, so dass wir am Donnerstag weiter fahren konnten. 
Nun ging es darum, wo wir als nächstes hinfahren sollen. Luki wäre sehr gerne - trotz allem -  nach Alaska gefahren. Ich möchte unbedingt auch mal nach Alaska, aber in Anbetracht der Zeit, die wir bereits in Red Deer und auch danach verloren haben und unser Auto noch nicht wieder ganz "gesund" ist, wollte ich zurück nach Red Deer. Mein lieber Mann hat nachgegeben und wir machten uns auf den Weg zurück in den Süden. Wir entschieden uns wenigstens einen kleinen Umweg (ca. 600km) zu nehmen, so dass wir noch eine andere Strecke sehen. Die erste Nacht wieder im Baluu, an einem schönen See, war fantastisch! Wir freuten uns wie kleine Kinder! ;-)
Am nächsten Tag ging die Freude weiter, als wir eine Elchkuh mit ihrem Jungen sahen! Um die Mittagszeit machten wir eine kurze WC-Pause auf einem Rastplatz. Als wir weiter fahren wollten, stellte unser Bus nach ca. 50m einfach ab. Danach konnten wir den Motor nicht mehr starten. Wir haben ihn im Neutralgang (alle Gänge funktionierten einwandfrei!!) zurück auf den Parkplatz gerollt und versucht herauszufinden, was denn jetzt schon wieder los sei. Leider hatten wir bis jetzt kein Glück… Ein Amerikanisches Paar hat uns dann ca. 8km zurück zur nächsten Lodge gefahren, wo wir ein Telefon zur Verfügung hatten. Der ältere Herr, der Inhaber der Lodge, zeigte sich sehr hilfsbereit und telefonierte mit den einzigen zwei Mechanikern im Umkreis von ein paar hundert Kilometern. Es war Freitag und beide hatten natürlich keine Zeit. Mitch, der Chef der Lodge, war so freundlich und hat mit uns zusammen Baluu beim Rastplatz geholt und zu seiner Lodge abgeschleppt. Die Details dieser abenteuerlichen Abschleppaktion erzählen wir hier nicht. Mitch meinte, dass sei wohl nicht sehr legal. Aber sind wir ehrlich, wen interessiert das schon hier draussen.....??!!
Am Abend hatten wir Hunger und ich ging zum Auto, um unser «Mikrowellenreis von Onkel Bens» zu holen. Als ich später nochmals zum Auto wollte, war der Autoschlüssel wie vom Erdboden verschluckt! Ich habe die Bettlaken vier mal ausgeschüttelt, unter dem Bett und jedem Möbel gesucht, bin zweimal mit der Taschenlampe zurück zum Auto gelaufen, Hosen, Jacken, Schuhe, alles wurde gekehrt und geschüttelt, aber der Schlüssel war weg. Der einzige Ort, an dem ich noch war, wo wir aber nicht mehr suchen konnten, war das WC… Tja, an diesem Abend ging es ohne Zähneputzen ins Bett.
Der nächste Tag begann wie er aufgehört hatte – mit Schlüssel suchen. Ich konnte einfach nicht glauben, dass er NIRGENDWO war. Ich betete und hoffte, aber leider kam er nicht zum Vorschein. Gott sei Dank haben wir noch einen Ersatzschlüssel im Reserverad unter dem Auto. Um dorthin zu kommen, brauchten wir aber Werkzeug. Die waren natürlich im Auto. Gegen Mittag konnten wir dann Mitch ausfindig machen und uns Tools von ihm ausleihen. Danach ging die Suche nach dem eigentlichen Problem weiter. 
Nun haben wir 3 Nächte hier gebucht und den ganzen Samstag mit Sheldon (unser treuer Mechaniker von Red Deer) hin und her geschrieben, um heraus zu finden, was wohl kaputt sein könnte. 
Wir hoffen, dass wir es noch herausfinden bis am Montag und dann die Diagnose dem Mechaniker überbringen können. Oder noch viel besser wäre, wenn wir unseren Bus selber wieder zum Laufen bringen! Es braucht weiterhin viiiiel Geduld und Nerven aber wir wissen, dass wir in dieser Sitation nicht alleine sind…! 
Ach und übrigens… Mitch klopfte am Samstag Abend an die Tür und bat mich, ihn bei strömenden Regen zu begleiten. Er führte mich den Weg in Richtung Lodges und zeigte plötzlich auf den Boden. Dort lagen unsere Schlüssel!!! Ich habe nie einen Fuss auf dieses Gelände gesetzt aber ich erinnere mich, dass die (vier) Hunde an mir hochgesprungen sind, als ich das Essen aus dem Auto holte. Ich weiss zwar nicht ob es so war, aber ich kann mir vorstellen, dass dann einer davon den Schlüssel erwischte und ihn dann irgendwie dort hin brachte… Aber eben, ich habe keine Ahnung was genau geschah, ich bin einfach mega froh, dass sie wieder da sind!!