Red Deer - Werkstatt

Irgendwann musste das ja  kommen – früher oder später
Seit einer Woche warten wir nun schon auf unseren Baluu, der in der Werkstatt repariert wird. 
Schon wenige Tage nach unserem Start in Halifax ist uns beim Starten des VW Bus ein seltsames Geräusch aufgefallen. Mit der Zeit dauerte es immer länger bis der Motor endlich ansprang.
Luki hat auf Google und diversen Foren recherchiert um herauszufinden, was die Ursache sein könnte. Viele haben gemeint, dass wahrscheinlich die Batterie zu schwach sei. Diese haben wir darauf auch mehrmals überprüft aber stellten fest, dass mit ihr alles in Ordnung ist. Somit konnte eigentlich nur noch der Anlasser selbst oder die Anschlüsse an diesem ein Problem sein. Leider ist der Anlasser an diesen Bussen an einer eher unglücklichen Stelle eingebaut und unter dem Auto liegend kaum zu erreichen. Luki hat ein paar mal probiert die Kontakte zu überprüfen und anzuziehen, leider blieb das Problem bestehen.
Am vorletzten Freitag Abend haben wir dann Red Deer erreicht. Durch eine App sind wir auf die Garage «Mikasa» aufmerksam geworden und Luki schrieb sogleich eine E-Mail, ob sie nicht Zeit hätten sich unseren Baluu anzuschauen. Die Antwort kam bald darauf und uns wurde mitgeteilt, dass wir bis am Montag warten mussten da der Betrieb am Wochenende geschlossen sei. Somi hatte sich das Thema für uns eigentlich erledigt, da wir nicht bis Montag in der Stadt bleiben wollten. Um ca. 20:30 Uhr kam dann eine weitere E-Mail von derselben Garage, wir sollen doch noch vorbei kommen. Da es Freitag und schon ziemlich spät war, bedankten wir uns und lehnten ab. Schliesslich wollten die Arbeiter dort auch einmal Feierabend machen, dachten wir! Darauf kamen aber nochmals zwei weitere Nachrichten, so dass wir dann das Gefühl hatten, es wäre unhöflich ein viertes Mal abzulehnen! Und ausserdem waren wir ja dankbar für die Gelegenheit.
Nach 15-minütiger Autofahrt erreichten wir die Garage und wurden herzlich empfangen. Der Chef persönlich hat sich unser Auto sofort angeschaut und uns von seinen Abenteuern mit seinen Trucks in Alaska erzählt. Er stellte ebenfalls fest, dass nicht die Batterie die Ursache war. Es war bereits nach 22Uhr als ein Mitarbeiter einen neuen Anlasser für unseren Baluu bestellte. Sheldon, der Besitzer der Garage erzählte uns auch von einem Schweizer Paar, welches ca. vier Wochen vor uns bei ihm war, um ihren Mercedes zu reparieren. Genau dieses Ehepaar hatten wir am Hafen von Halifax das erste Mal getroffen und später nocheinmal in einem Supermarkt. Die Welt ist doch manchmal klein…  . Wir haben die beiden dann kontaktiert um zu fragen wie es geht und wo sie im Moment sind. Leider mussten die zwei mittlerweile ihren Mercedesbus in Alaska verkaufen, da er ihnen einfach zu viele Probleme machte und sie vom eigentlichen Reisen abhielt. Nun sind die beiden mit dem Fahrrad unterwegs, ihr Ziel bleibt Feuerland im Süden Südamerikas. Was für ein Abenteuer! Wir hoffen die beiden bald wiedereinmal auf der Strasse zu sehen und mit ihnen ein paar Worte auszutauschen. Gute Fahrt ans Be-Nomadic Team! 
Aber zurück zur Freitag Nacht…. Sheldon hat sich unser Auto gründlich angeschaut und schon bald hatten wir eine ganze Liste aufgestellt, mit defekten bzw. abgenutzten Teilen. Bis um halb fünf Uhr morgens hat er am Baluu gebastelt, unter anderem die Manschetten neu befestigt, unseren Autositz erhöht da er scheinbar der Batterie gefährlich nahe kam (you are sitting on a bomb guys…), die Kontakte des Anlasser überprüft (war auch mit dem, auf dem Auolift hochgehobenen Auto noch ein Krampf) und noch einiges mehr. Er hat uns freundlicherweise Angeboten übers Wochenende vor der Garage zu campieren, was wir dankbar annahmen. 
Nachdem wir am Samstag dann ausgeschlafen hatten, entschieden wir uns die Zeit zu nutzen um nach Edmonton zu fahren. Dort sei das grösste Einkaufszentrum von Nordamerika und ich dachte, das muss man (besser gesagt Frau) gesehen haben. So sind wir kurz nach Mittag losgefahren. Auf dem Highway hatten wir dann unseren ersten Platten! Ausgerechnet jetzt… Wobei eigentlich sagten wir uns dann, dass es die beste Zeit war für einen Platten Reifen, da wir sowieso in der Garage sind. Auf einem Golfclub-Parkplatz stoppten wir um das Rad zu wechseln. Aber leider hatten wir das nicht hinbekommen mit unserem Wagenheber, ausser dass wir den Lack zerkratzt hatten… Ich ging in den Golfclub und fragte nach einem Telefon um den CAA zur kontaktieren (das ist sozusagen der kanadische TCS). Die Frau am Empfang war sehr freundlich und hilfsbereit und gab uns noch einige Reisetipps. Nachdem wir ca. 15min auf Hilfe gewartet hatten, hatten schon die ersten Clubmitglieder ihre Hilfe beim Radwechsel angeboten. Da wir aber dachten, dass wir den CAA nicht einfach anfordern konnten um dann in der Zwischenzeit doch selber das Rad zu wechseln, lehnten wir jedesmal dankend ab. Als nach eineinhalb Stunden immer noch kein Pannendienst kam und uns schon mindestens acht Personen ihre Hilfeangeboten hatten, hat es wohl einem der Golfer gereicht, denn er ist mit seinem eigenen Wagenheber gekommen und innerhalb von 5min war unser Baluu wieder fahrbereit. Da wir trotzdem nicht einfach wegfahren wollten, falls doch noch Hilfe käme, warteten wir nochmals fast eine Stunde. Ein älterer Herr welcher im Golfclub arbeitete hatte uns angesprochen und uns von seiner Reise in die Schweiz erzählt. Plötzlich meinte er, dass wir bestimmt Hunger hätten und fuhr mit seinem Golfwägeli davon. 15min später kam er wieder mit einem riesigen Clubsandwich, Pommes und eisgekühltem Wasser! Wir waren einmal mehr überwältigt von der Freundlichkeit und Grosszügigkeit der Kanadier! Der CAA tauchte nicht mehr auf und wir hatten keine Lust mehr auf Shoppingzenter. Darum sind wir wieder in «unsere» Garage in Red Deer gefahren. Solche Tage sind etwas vom schönsten beim Reisen, da hast du eine Panne aber wenn du dich am Abend ins Bett legst denkst du, wow, was war das für ein genialer Tag. 
Am Montag wurde der Starter ausgewechselt und wie das so ist wenn man unters Auto schaut, kommen noch X andere Dinge hinzu. Das Getriebe hatte fast kein Öl mehr, die Stossdämpfer und Manschetten mussten ersetzt werden, der Verteiler, Ölfilter, und Keilriemen mussten erneuert werden und so weiter. Am Dienstag Abend wurden wir informiert, dass das Getriebe rausgenommen werden musste um ein Leck zu finden und wir frühestens am Donnerstag weiterfahren können. Es hat uns zwar nicht gerade begeistert, dass wir so lange bleiben müssten aber wir waren sehr froh und dankbar, dass sie sich die Zeit genommen haben um unseren VW zu flicken. Zudem waren wir bestens versorgt, wir durften die ganze Zeit über in unserem Baluu wohnen und in der Garage die Toilette, Küche und das Wifi benutzten. Die Zeit vertrieben wir mit Spaziergängen (meistens zu Tim Hortons), Wäsche waschen, lesen, Brot und Kuchen backen, Garagekatze streicheln und skypen. Die freundlichen Angestellten der Garage haben uns auch immer wieder geschult und erklärt, wie gewisse Abläufe funktionieren oder was sie gerade am reparieren sind. Zwei der Mechaniker sprechen sogar Deutsch, was uns sehr entgegen kam, da unser Englisch im Fachbereich Auto, Motoren und Getriebe doch eher grenzwärtig ist. 
Die bestellten Ersatzreifen waren am Donnerstag nicht geliefert worden und das Getriebe wies noch mehr Schäden auf als zuerst angenommen. Also verzögerte sich das ganze auf den Freitag. Am Donnerstagabend wurden wir von Laurel, der Frau von Sheldon, nach Hause eingeladen. Wieder haben wir zuerst höflich abgelehnt, da es uns gar nicht recht war, aber ein Nein wurde nicht akzeptiert. Luki und ich durften nochmals eine Wäsche waschen und dort duschen. Es gab mega feines Essen und wir hatten einen wunderbaren Abend mit ihr, ihren zwei Kindern und ihrem Cousin mit seiner Frau. Sheldon blieb die ganze Nacht in der Garage, da er bis am Samstag einen anderen VW Bus zu reparieren hatte. Als es Zeit zum schlafen war, hat sie gemeint, um diese Zeit sollten wir nicht mehr fahren, und hat ihre Kinder zu sich ins Bett genommen und wir durften dort wiedereinmal in einem Bett übernachten. Zum Frühstück gab es frische Waffeln mit Rahm, Erdbeeren und Ahornsirup! Was soll ich sagen… Wir waren einfach nur dankbar und schätzen diese Grosszügigkeit so sehr! 
Am Freitag kam dann die nächste Hiobsbotschaft. Der Katalysator war verstopft und begann teilweise schon zu schmelzen. Da es bereits Abend war mussten wir vor dem Wochenende nicht mit einem neuen rechnen. Sie haben uns angeboten, den alten teilweise zu entfernen und uns ohne loszuschicken (was in Kanada niemanden interessiert) oder eben bis Montag zu warten. Wir bekamen unseren Baluu für eine Probefahrt und sollten uns dann so rasch wie möglich entscheiden was wir möchten, damit sie das fehlende Teil unter Umständen bestellen konnten. So sind wir mit gemischten Gefühlen und ziemlich ratlos losgefahren. Auf der Hauptsrasse ertönte hinter uns plötzlich eine Sirene. Luki ist vom linken Fahrstreifen extra zwei nach rechts gefahren um die Polizei vorbei zu lassen. Aber als sie dasselbe Manöver taten, wussten wir, dass sie wohl mit uns reden wollten. So haben wir rechts geblinkt und sind bei der nächsten Kreuzung abgebogen um anzuhalten. Das Hupen und die Sirenen des Polizeiwagens wurden mit jeder Sekunde energischer. Später hat uns der sehr freundliche Polizist dann erklärt, dass man jeweils sofort anhalten soll und nicht noch zu einer sicheren Stelle weiterfahren müsse…  Tja, so lernt man jeden Tag etwas dazu. Die wirklich sehr freundlichen kanadischen Polizisten überprüften kurz unsere Fahrzeugpapiere und Führerausweise. Es sei in der Region in letzter Zeit verhäuft vorgekomme, dass kriminelle ausländische «Fakenummernschilder» nutzen um gestohlene Autos zu überführen. Daher die Kontrolle. 
 
Wir haben uns nun entschieden, den Katalysator zu wechseln, da es viel umweldfreundlicher und schlussendlich auch gesünder für den Motor ist. Da der VW trotz allem schon fahrbar ist und nun übrigens schon viel gesünder tönt, haben wir beschlossen den Banff Nationalpark zu besuchen damit uns die Decke nicht auf den Kopf fällt. Und wir hoffen und beten, dass es am Montag dann endlich weiter gehen kann mit unserer Reise...

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Kommentare: 3
  • #1

    Ruth Weber (Donnerstag, 24 August 2017 22:21)

    Was lange wärt wird (hoffentlich) endlich gut... :-)!!! Good look and be blessed :-). Mom

  • #2

    Mirjam (Samstag, 26 August 2017 13:11)

    Hallo mittenand,
    Soeben aus den Spanienferien zurück und eine Karte von euch im Briefkasten.Danke hat mich sehr gefreut. Ui bei was ihr alles so erlebt. Zum Glück seid ihr noch jung und flexibel� Hoffe euer Bus macht noch lange mit. Wir bleiben dran und beten für euch.
    Liebe Grüsse
    Gotti und alle.�

  • #3

    Mirjam (Mittwoch, 30 August 2017 21:29)

    Herzlichen Glückwunsch zu eurem 3.Hochzeitstag. Weiterhin alles Liebe und Gott in eurer Mitte❤️❤️❤️ Gotti und Hermann